Eine Tasche voller Erinnerungen

Schiedsrichter Detlef Scheppe im Auftrag des DFB in Korea / »Tolle Lebenserfahrung«

job Vahlberg. Was macht ein junger Mann aus Vahlberg (Gemeinde Wenden) in Südkorea? Da dürfte es viele Antworten geben. Doch wenn man Schiedsrichter in der 2. Fußball-Bundesliga ist, heißt die Antwort: Man pfeift vier Meisterschaftsspiel der »K-League« des Koreanischen Fußball-Verbandes. Und das hat Detlef Scheppe (35), seit Jahren einer der bekanntesten Schiedsrichter im Fußball-Unterhaus (und auch immer wieder als Assistent in Spielen der 1. Bundesliga eingesetzt), in den ersten Novemberwochen getan. Der SZ erzählte der in Altenhof geborene und dort aufgewachsene, seit Jahren aber in Vahlberg wohnende »Schieri« des SV Rothemühle von seiner Reise und den vier Spielen, die er in Korea geleitet hat.Zwei Tage nach seiner Heimkehr zu Frau Jutta und Töchterchen Lene konnte man die Begeisterung über dieses tolle Erlebnis im Gesicht von Detlef Scheppe noch ablesen. »Es war eine wunderbare Sache«, sagte er. »Ich habe eine ganze Tasche voll Erlebnissen und Erinnerungen mitgebracht!« Das waren dann aber nicht nur der Silberne Ehrenteller des Koreanischen Fußball-Verbandes die Präsident Sang Boo Yoo dem heimischen »Gelbkittel« und seinem Begleiter, Bundesliga-Referee Thorsten Kinhöfer (Herne), anlässlich eines gemeinsamen Abendessen überreichte wurde. Auch nicht der von allen Spielern beschriftete Spielball seines ersten von ihm geleiteten Spiels in Korea. Vielmehr, so Scheppe, waren es die zahlreichen Begegnungen mit freundlichen und zuvorkommenden Menschen, gleich ob im normalen alltäglichen Umgang oder im Rahmen des sportlichen Auftrages.

Diesen sportlichen Auftrag, in Korea vier Meisterschaftsspiele der dortigen 1. Liga zu leiten, bekam Detlef Scheppe vom Deutschen Fußball-Bund. Der DFB war von der Führung der koreanischen »K-League« gebeten worden, für die letzten vier, überwiegend Spitzenspiele der koreanischen Meisterschaft, zwei Unparteiische zu deren Leitung zu entsenden. Der DFB entschied sich für die beiden Westfalen Kinhöfer und Scheppe.

An der Stätte des deutschen Triumphes

Während Thorsten Kinhöfer vier Begegnungen in der näheren Umgebung der Hauptstadt Seoul leitete und zu diesen Spielen per Pkw anreisen konnte, musste Scheppe viermal jeweils eine lange Flugreise in den Süden des Landes antreten. Je ein Spiel wurde in Ulsan und Kwang-Yang ausgetragen, zweimal war die Stadt Daegu Austragungsort der von ihm zu leitenden Fußballspiele. In Ulsan qualifizierte sich die deutsche Fußball-Nationalmannscahft 2002 mit einem 1:0 gegen die USA für das damalige WM-Halbfinale, auch Daegu war Austragungsort von vier WM-Spielen. In einem dieser Spiele, das Detlef Scheppe leitete, ging es dabei um die mögliche Vizemeisterschaft der mittlerweile zu Ende gegangenen koreanischen Fußball-Saison.

»Es war nicht immer ganz einfach, den beteiligten Teams der Begegnungen die bei uns doch vorhandene Disziplin abzuverlangen«, meinte Scheppe. »Es hatte im Vorfeld der letzten Spiele in der Meisterschaft allerlei Ärger gegeben. Und so kam auf uns deutsche Schiedsrichter eine Menge Arbeit und Anforderung zu. Ich hatte dabei auch noch ein echtes Lokalderby zu leiten,« so Scheppe.

Die beiden Referees aus Deutschland aber haben diese Aufgabe glänzend bestanden. Die gezeigten Leistungen wurden von den anwesenden Delegierten des KFA-Verbandes sehr gelobt. Und auch die südkoreanischen Medien berichteten ausführlich und sehr positiv über die Spiele mit den deutschen Schiedsrichtern.

Die Sache mit der Roten Karte

Das dritte Spiel, das Detlef Scheppe in Ulsan leitete, wurde live im Fernsehen übertragen. Noch nicht vergessen hat Detlef Scheppe in einem der Matches eine Situation, als er einem Spieler die Rote Karte zeigen wollte. »Alle Spieler der Mannschaft kamen erregt auf mich zugelaufen und bildeten heftig diskutierend einen engen Ring um mich herum. Nur der Täter stand außerhalb und wartete auf die Entscheidung. Nachdem ich in diesem Zusammenhang erst noch zwei Gelbe Karten gezeigt habe, verteilten sich die Spieler wieder. Jetzt, als niemand mehr damit rechnete, hatte ich Gelegenheit, dem unsportlichen Akteur die Rote Karte zu zeigen. Da war im Stadion Totenstille. Doch die Partie verlief von nun an sportlich fair und ohne Probleme.«

Überhaupt, so berichtete Detlef Scheppe, würde in der K-League allgemein fair gespielt. Kaum Fouls durch Fuß- oder Beineinsatz. Dafür aber vielseitige Foulspiele im Oberkörperbereich durch halten, Zerren und Ellenbogeneinsatz.

Für die jeweiligen Begegnungen standen den deutschen Schiedsrichtern koreanische Assistenten zur Verfügung. Der eingesetzte 4. Offizielle war dabei ein Schiedsrichter der K-League«, teils sogar FIFA-Schiedsrichter. Viele »Unparteiische«, die eingesetzt werden, sind in Korea übrigens ehemalige Profis oder gar Nationalspieler gewesen.

»Sightseeing« an freien Tagen

Doch die vier, sicherlich einmaligen Einsätze im internationalen Fußballgeschehen waren nicht die einzigen Höhepunkte der zweiwöchigen Reise in ein fremdes, aber wie Scheppe sagt, sehr interessantes und mit vielen Sehenswürdigkeiten bestücktes Land. So gab es für ihn, trotz der vier Spiele, die sonntags und mittwochs ausgetragen wurden, Gelegenheit, Land und Leute kennen zu lernen.

»Die An- und Abreisen zu den Spielen, der Umgang mit den Menschen in meiner Freizeit und die Besuche bei Gastgebern, haben mir einen großen Einblick in die vielfältige Landschaft, die Städte und die Lebensgewohnheiten der Bewohner dieses am 38. Breitengrad liegenden Landes gegeben. Ich kann«, so zieht Detlef Scheppe in seinem Gespräch mit der SZ über den Aufenthalt in Korea ein persönliches fazit, »nur dankbar sein für die Berufung dazu und für die tolle Lebenserfahrung, die ich dabei gemacht habe. Diese Erlebnisse werde ich nicht vergessen.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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