„Elefantenrunde“ im Rathaus

hobö  Elefanten werden dem Volksmund nach ungern im Porzellanladen gesichtet, im Wendener Rathaus aber offenbar schon. Denn für Mittwochabend hatte Bürgermeister Bernd Clemens zur „Elefantenrunde“ eingeladen. Hier trafen sich aber nicht dickhäutige Rüsseltiere, zur „Elefantenrunde“ zählen die Vorsitzenden der vier im Rat vertretenen Fraktionen, die stellv. Bürgermeister sowie der Verwaltungsvorstand. Die meisten von ihnen konnten teilnehmen, um über wichtige Themen zu debattieren. Denn die Corona-Pandemie verbietet zwar die Sitzungen des Gemeinderats und seiner Fachausschüsse, wichtige Entscheidungen aber müssen dennoch getroffen werden. Kurz vor der „Elefantenrunde“ hatte der Krisenstab der Gemeinde Wenden getagt – jeweils mit gebührenden Abstand zwischen den Protagonisten.

Auf Anfrage der SZ erklärte Bürgermeister Clemens, dass in einigen Fällen sogenannte Dringlichkeitsbeschlüsse gefasst werden müssten. Da niemand wisse, wann die politischen Gremien wieder tagen dürften, bat der Verwaltungschef darum, unstrittige Entscheidungen mit Einbindung der Fraktionsvorsitzenden herbeiführen zu können. Als Beispiel nannte Clemens die Schulbuch-Sammelbstellungen. Hier wird man in absehbarer Zeit Entscheidungen herbeiführen.

Kämmerer Thomas Munschek erläuterte der Runde, dass infolge der Corona-Pandemie und den Auswirkungen auf die Wirtschaft mit Sicherheit weniger Gewerbesteuern eingenommen würden als ursprünglich für dieses Jahr geplant. Für genaue Prognosen sei es aber noch zu früh. Ob daher einige der anvisierten Investitionen auf Eis gelegt werden müssten, konnte Bürgermeister Clemens gegenüber der SZ gestern nicht sagen.

Nicht nur auf Bundes-, Landes- und Kreisebene tagen derzeit Krisenstäbe. Auch der Wendener Bürgermeister hat am Freitag vergangener Woche die Grundlagen für die Einberufung eines kommunalen Krisenstabs festgestellt. Der tagt nun mehrmals in der Woche. Ihm gehören die Fachbereichsleiter sowie einige Fachdienstleiter (Bereiche Ordnung und Sicherheit, Feuerwehr, Soziales und Schulen) an. Im Hintergrund wird ferner Kontakt zum örtlichen DRK-Ortsverein und dem Malteser-Hilfsdienst gepflegt.

In dem besagten Krisenstab sind bereits Sachverhalte im Zusammenhang mit den Schulschließungen, dem gesundheitlichen Schutz der Verwaltungsmitarbeiter und von Trauungen geklärt worden. So dürfen laut Bernd Clemens Trauungen im Wendener Standesamt stattfinden, aber nur unter Beteiligung des Brautpaares und der Trauzeugen.

Da Bürger immer wieder Restabfallsäcke benötigen, werden diese nunmehr aus einem Fenster herausgegeben – gegen Rechnung statt Barzahlung. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass nicht wenige Bürger ihre Grundsteuern im Rathaus bar bezahlen wollen. Dies führt in Zeiten wie diesen zu Problemen.

Apropos „Zeiten wie diesen“: Obwohl „Ansprachen zum Volk“ eigentlich nur der Kanzlerin oder dem Ministerpräsidenten vorbehalten seien, richtet sich Bürgermeister Bernd Clemens nun doch mit einem dringenden Appell an die Bürger im Wendener Land. Als Beweggrund nennt Clemens eine Zusammenkunft zahlreicher junger Menschen am Mittwochabend unterhalb des Rathauses.

Daher findet der „erste Mann der Gemeinde“ klare Worte: „Die Lage ist sehr ernst. In Italien müssen Ärzte Entscheidungen wie im Krieg treffen: Welche Patienten lässt man sterben, um andere mit Beatmungsgeräten am Leben zu halten?

Wir werden bald genau da landen, wenn nicht endlich alle einsehen, dass Covid-19 keine normale Influenza ist und dass wir deswegen nicht so weiterleben können wie bisher. Es macht mich fassungslos, wenn ich sehe, dass insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene keinerlei Schutzmaßnahmen einhalten. Ihnen haben wir es ,zu verdanken’, wenn auch hier der Notstand ausgerufen und/oder Ausgangssperren verhängt werden. Daher mein dringender Appell an die Zivilcourage aller Bürgerinnen und Bürger: Halten Sie sich an die Empfehlungen für persönliche Hygiene- und Schutzmaßnahmen und ermahnen Sie hierzu alle, die noch in Arglosigkeit leben!

Gleichzeitig danke ich allen, die in dieser schweren Krise Verantwortung übernehmen. Den eindringlichen Worten der Bundeskanzlerin ist nichts hinzuzufügen. Auch bei uns vor Ort wirken viele mit oder bieten ihre Hilfe an, um die Krise so gut wie möglich zu überstehen. Danke!“

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de komplett überarbeitet.
3 Bilder

Optimiertes Stellenanzeigen-Portal
Mit 57jobs.de einen neuen Job finden

Neues Design und neue Angebote für Unternehmen, aber bewährte Technik: Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de einem Relaunch unterzogen, der sowohl die Suche nach einem neuen Job als auch die Suche nach neuen Fachkräften noch einfacher gestaltet. Auf dem Portal der Siegener Zeitung und des Wochenanzeigers finden sich unter den ständig 10.000 Jobangeboten aus Siegerland, Wittgenstein sowie den Kreisen Olpe und Altenkirchen auch sämtliche Anzeigen aus den...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen