Emotionales Priesterjubiläum

Mehr als 700 Gäste erwiesen Pfarrer i.R. Paul Kaiser bei Festakt ihre Hochachtung

rudi Hünsborn. Es war ein Festakt, der alle Erwartungen sprengte – nicht nur aus zeitlicher und räumlicher Sicht, sondern vor allem aus emotionaler. Das 40-jährige Priesterjubiläum von Pfarrer i.R. Paul Kaiser vereinte am Sonntagnachmittag den Pastoralverbund Biggetal. Schon die Hünsborner St.-Kunibertus-Kirche platzte während der Messfeier mit Fahnenabordnungen aus allen Nähten, die anschließende Feierstunde in der Dorfgemeinschaftshalle lockte rund 700 Gäste an. Einmal mehr bewies sich, welches Ansehen Paul Kaiser nach wie vor genießt – nicht zuletzt durch die stehenden Ovationen, die seine eigenen Grußworte begleiteten. Unverkennbar war dabei die menschliche, liebenswerte und humorvolle Art, die der Priester trotz schwerer Krankheit bewahrte.

Es waren viele Momente, die am Sonntag bewegten – die wohl schönsten bereiteten die Worte des Jubilars selbst. Die nämlich belegten eindrucksvoll, wie menschlich, wie mitfühlend, wie erfüllt Paul Kaiser sein Priesteramt und sein Wirken wahrnahm. Fast humoristisch ließ er die einzelnen Stationen seines Wirkens Revue passieren, scheute nicht, auch »schlitzohrige« Schwänke vergangener Zeiten zu erzählen, die manchen aufhorchen ließen. Obwohl mancher Gast erstaunt gewesen sein dürfte, welch »spruchreife« Erlebnisse der Priester zu berichten wusste – eines verdeutlichten sie ganz klar: Mit wie viel Herz und Mitmenschlichkeit Paul Kaiser zum Wohle seiner »Schäfchen« und im Sinne seiner Berufung handelte und immer noch handelt. Ein Priester, der es versteht, Glauben zu leben und zum Glauben zu bewegen. Vor allem die letzten Sätze des Jubilars schienen das zu unterstreichen. Da nämlich ging er ganz direkt auf seine schwere Herzkrankheit ein, die ihm schon seit mehreren Monaten zu schaffen macht. Obwohl die Minen damit schlagartig ernst wurden, Paul Kaiser hatte wie immer seine eigene, optimistische Art damit umzugehen. »Wir haben alle einen schönen Tag erlebt«, erklärte er überzeugend, »ich bin froh, diese Freude mitzunehmen.« Mitnehmen zu einem Aufenthalt in einer Gießener Klinik, die er schon tags darauf aufsuchen musste. Die stehenden Ovationen, die das Schlusswort Paul Kaisers begleiteten, drückten daher nicht allein Anerkennung und Respekt gegenüber seiner Person aus – gleichzeitig stellten sie beste Genesungswünsche dar, um den allseits geschätzten Priester bald wieder wohlbehalten in heimischen Gefilden begrüßen zu können.

Doch es waren noch weit mehr emotionale Höhepunkte, die die Feierlichkeiten zu Ehren des 72-Jährigen prägten. Eine breite Präsenz an Vereinen, Institutionen und Persönlichkeiten aus Hünsborn, Ottfingen, Römershagen, Heid und Brün, die allesamt auf ihre Weise zu dem Jubiläum beitrugen, unterstrich die Wertschätzung des Priesters. Bevor Paul Kaiser nämlich vor vier Jahren in Römershagen in den »Unruhestand« ging – bis heute ist er dort noch im kirchlichen Dienst aktiv – wirkte der gebürtige Elsper in Bilstein, Wenden, Dünschede, Hünsborn und Iseringhausen. Der gelernte Bergmann, der in Paderborn und Freiburg Theologie studierte, war jedoch stets weit über seine Gemeinde- und Diözesangrenzen hinaus engagiert.

So unterstützte er maßgeblich den Kirchenbau in Russland, Ungarn und Kroatien. »Er hat ein sehr offenes Herz für die Weltkirche«, lobte der ehemalige Generalvikar und enge Freund Paul Kaisers, Bruno Kresing. Kaum verwunderlich war es da, dass der Bischof dem Priester im vergangenen Jahr den seltenen Titel »geistlicher Rat ad honorem« verlieh und Paul Kaiser sogar die Ehrendomherren-Würde in zwei ausländischen Diözesen inne hat. Eine davon ist die Erzdiözese Split in Kroatien, der auch die Spenden anlässlich des Priesterjubiläums zugute kommen, um den Kirchbau in der Pfarrei St. Nikolaus voranzutreiben. Sie entsandte mit Ljubo Pavic einen Priester, dessen Ansprache am Sonntag nachhaltig bewegte.

»Ich bin stolz und glücklich, dass ich sie so lange kenne und mit ihnen arbeite«, so Pavic, der Paul Kaiser ein unglaubliches Maß an Herz, Menschlichkeit und Selbstlosigkeit bescheinigte. Das unterstrichen auch Hünsborns Ortsvorsteher Alois Arns, Michael Halbe (Dorfgemeinschaftsverein Hünsborn) sowie Norbert Arns vom Pfarrgemeinderat in ihren Grußworten. »Sie waren immer ein Patriot für unseren Heimatort«, so Alois Arns.

Ein »Glücksfall« war und ist Paul Kaiser zweifellos für alle im Pastoralverbund. Sein Auftreten am Sonntag demonstrierte eindrucksvoll warum. »Von dem vielen Lob lassen wir mal die Hälfte weg, dann ist es immer noch zu viel«, zeigte sich Kaiser nämlich bescheiden. Dennoch war offensichtlich, wie sehr ihn die tiefe Verbundenheit der zahlreichen Menschen erfreute. Es schienen auch am Sonntag vor allem die kleinen Dinge, die Worte »zwischen den Zeilen«, die den Tag für ihn besonders machten. So auch sein »Geschenk« von den heimischen Chören, die zuletzt auf seinen Wunsch den Kirchenklassiker »Jerusalem« anstimmten.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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