»Erste Hürden liegen hinter uns«

Handwerkskammer Arnsberg stellte Ergebnisse der Frühjahrs-Konjunkturumfrage vor

yve Hünsborn. »Der Beginn des mühsamen Aufstiegs ist gemacht«, so der Hauptgeschäftführer der Handwerkskammer Arnsberg, Wolfgang Boecker. Gemeinsam mit Markus Kluft, Pressereferent der Handwerkskammer, stellte er gestern die Ergebnisse aus der aktuellen Frühjahrs-Konjunkturumfrage in den Räumen der Friedhelm Dornseifer GmbH&Co. KG in Hünsborn vor: »Die ersten Hürden liegen hinter uns.«

1950 Betriebe nahmen an Umfrage teil

Seit 1978 werden im Frühjahr und im Herbst anhand einer repräsentativen Stichprobe Betriebe des Handwerks auf Kammer-, Landes- und Bundesebene zur konjunkturellen Entwicklung befragt. 1950 Betriebe beteiligten sich an der Umfrage für den Kammerbezirk Arnsberg. Dazu zählen der Hochsauerlandkreis und die Kreise Mark, Olpe sowie Siegen-Wittgenstein. Einbezogen in die Auswertung wurden 460 Fragebögen. Das entspricht einer Rücklaufquote von 24 Prozent.

Kleiner Hoffnungsschimmer

»Wir können jetzt etwas zuversichtlicher in die Zukunft schauen«, so Boecker. »Der Stellenabbau verlangsamt sich.« In den letzten zehn Jahren habe das Handwerk 1,6 Millionen Beschäftigte verloren. Ein leichtes Plus von zwei Punkten für die Gesamtheit aller Handwerke hat seine Ursache vor allem bei dem Nahrungsmittelhandwerk, was insbesondere durch den so genannten Fleischskandal zu begründen ist, sowie bei den Betrieben aus dem Bereich des persönlichen Bedarfs (z.B. Friseure, Schneider oder Fotografen). Bei allen anderen Handwerksgruppen liegen die Werte unter denen der Jahresfrist. Ein kleiner Hoffnungschimmer: Die Zahl der Betriebe, die Personal entlassen müssen, nahm ab – eine deutliche Wende hin zugunsten der Ausweitung des Personals. »Besonders die Bau- und Ausbauhandwerke könnten in den Sommermonaten kurzfristig Personal benötigen«, informierte Boecker. Die Gründe liegen auf der Hand: Straßeninstandsetzungen aufgrund des harten Winters, Streichung der Eigenheimzulage und die Einführung des Gebäude-Energiepasses.

Index stieg von 65 auf 72 Punkte an

Der Indexwert, der Anteil der Betriebe, die ihre Geschäftslage in den zurückliegenden sechs Monaten mit verbessert oder gleich geblieben beurteilten, stieg von fast 65 Punkten im Vorjahr auf 72 Punkte an. Noch steiler gestiegen ist der Indexwert für die erwartete Entwicklung. Er kletterte von rund 73 Punkten im März 2005 auf 81 Punkte an. Boecker: »Die Situation kann damit in weiten Bereichen deutlich optimistischer beurteilt werden, auch wenn für viele Betriebe noch nicht davon gesprochen werden kann, dass man sich wirklich wieder auf festem Boden bewegt.«

Kfz-Handwerk wartet auf den Sommer

Abgekoppelt von der recht positiven Entwicklung haben sich die Kfz-Handwerke. Im Jahresvergleich liegt der Index neun Punkte niedriger. Dennoch: 93 Prozent der Kfz-Betriebe erwarten eine gleich bleibende oder sogar sich verbessernde Geschäftslage. Kälte und Schnee hätten offensichtlich die Hoffnung auf ein gutes Frühjahrs- und Sommergeschäft gestärkt, so Boecker. Im Dienstleistungsbereich würden sich die Folgen der Maßnahmen zur Senkung der Kosten im Gesundheitswesen, also im Zahntechniker-Handwerk, deutlich negativ zu Buche schlagen.

»Schwere Belastungen«

Warnend legte Boecker den Finger in die Wunde der immensen Belastung der Stundenverrechnungssätze durch lohngebundene Zusatzkosten, die vom Handwerk seit Jahren kritisiert werde. »Besonders die anstehende Mehrwertsteuer werde mittel- und langfristig zu einer weiteren schweren Belastung.« Eine Trendwende für die Auftragsentwicklung kündigt sich in den Augen der Umfrageteilnehmer nur zaghaft an. Rund zehn Prozentpunkte mehr Umfrageteilnehmer als vor einem Jahr blicken positiv in die Zukunft.

»Preisdruck« und »starker Wettbewerb«

Weiterer Preisverfall kennzeichnet die Situation des Handwerks. Vor allem betroffen sind die Bauhandwerke. Boecker sprach von »Preisdruck« und einem »starken, starken Wettbewerb«. »Gut für die Verbraucher, aber dramatisch für die Betriebe.« Die Umsatzahlen sind leicht gestiegen, die Investitionsneigung der Betriebe bewegt sich allerdings auf einem niedrigen Niveau mit einer Tendenz zur Besserung. Regionale Unterschiede sind hier erkennbar: So liegt der Index für die getätigten Investitionen für den Kreis Siegen-Wittgenstein rund 13 Punkte höher als für den Hochsauerlandkreis.

»Kein Kreis ragt besonders heraus«

Beim Vergleich der Kreise in Bezug auf die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage verbiete sich laut Boecker eine differenzierte Betrachtung der regionalen Unterschiede. Auf den ersten Blick könne die Annäherung der Werte zu der Annahme verführen, dass alle vier Kreis gleich starke Wirtschaftregionen seien. In wie weit das der Fall sein kann, könnten erst die künftigen Umfrageergebnisse zeigen. »Kein Kreis ragt besonders heraus«, hielt Boecker fest.

Aufschwung im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet der Hochsauerlandkreis. Als Grund wurde die »hervorragende Wintersportsaison« genannt, durch die »eine zeitlich wie räumlich begrenzte Sonderkonjunktur wirksam wurde«. Der Märkische Kreis sowie in Teilen auch der Kreis Olpe haben laut Handwerkskammer von der positiven Konjunktur der Exportwirtschaft profitiert, deren Zulieferbetriebe besonders aus diesen Regionen anzutreffen sind.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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