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Architekt begründet Kostenexplosion
Feuerwehrhaus-Anbau fast doppelt so teuer

Dieser Anbau an das Feuerwehrgerätehaus in Wenden hat mit zusätzlicher Fahrzeughalle für einen größeren Einsatzwagen rund 1,1 Millionen Euro gekostet. Dies schürt Sorgen vor den weiteren notwendigen Investitionen an den anderen Feuerwehr-Standorten in der Gemeinde Wenden.
  • Dieser Anbau an das Feuerwehrgerätehaus in Wenden hat mit zusätzlicher Fahrzeughalle für einen größeren Einsatzwagen rund 1,1 Millionen Euro gekostet. Dies schürt Sorgen vor den weiteren notwendigen Investitionen an den anderen Feuerwehr-Standorten in der Gemeinde Wenden.
  • Foto: Holger Böhler
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

hobö Wenden. Neben dem bereits in den 1990er-Jahren erweiterten Feuerwehrgerätehaus in Wenden wirkt der nun fertiggestellte weitere Anbau relativ unscheinbar. Aber dieser einstöckige Bau auf rund 360 Quadratmetern Fläche mit zusätzlicher Fahrzeughalle hat 1,1 Millionen Euro gekostet. Und damit weit mehr als die Gemeinde Wenden als Bauherrin in den Planungen veranschlagt hatte. Bereits im Januar hatte die Kommune den Gemeinderat informiert, dass man den Architekten, Markus Scherer aus Schönau, gebeten habe, „eine dezidierte Kostenaufstellung zu erarbeiten und die Kostensteigerung umfänglich zu begründen“. Eine derartige Formulierung lässt zwischen den Zeilen erkennen, dass offenbar nicht alles zur Zufriedenheit gelaufen ist.

hobö Wenden. Neben dem bereits in den 1990er-Jahren erweiterten Feuerwehrgerätehaus in Wenden wirkt der nun fertiggestellte weitere Anbau relativ unscheinbar. Aber dieser einstöckige Bau auf rund 360 Quadratmetern Fläche mit zusätzlicher Fahrzeughalle hat 1,1 Millionen Euro gekostet. Und damit weit mehr als die Gemeinde Wenden als Bauherrin in den Planungen veranschlagt hatte. Bereits im Januar hatte die Kommune den Gemeinderat informiert, dass man den Architekten, Markus Scherer aus Schönau, gebeten habe, „eine dezidierte Kostenaufstellung zu erarbeiten und die Kostensteigerung umfänglich zu begründen“. Eine derartige Formulierung lässt zwischen den Zeilen erkennen, dass offenbar nicht alles zur Zufriedenheit gelaufen ist.

Begründungen "relativ plausibel"

Am Mittwochabend erläuterte Markus Scherer, bis Herbst vergangenen Jahres selbst Mitglied des Wendener Gemeinderats und nun CDU-Abgeordneter im Olper Kreistag, dem Wendener Bau- und Planungsausschuss, wie es zu den Kostensteigerungen gekommen sei. Vorweg: Der Politik erschienen der Begründungen „relativ plausibel“, wie es beispielsweise Franz-Josef Henke (CDU) ausdrückte.

Zunächst verwies Scherer darauf, dass der Anbau wegen der beengten Platzverhältnisse, den unzureichenden sanitären Einrichtungen sowie der inzwischen zwingend vorgeschriebenen Schwarz-Weiß-Trennung (verschmutzte Einsatzkleidung darf nicht mit der Privatkleidung in Kontakt kommen) unbedingt notwendig gewesen sei. Im Jahr 2015 sei mit Vorplanungen begonnen und 2016 eine Kostenschätzung von ihm und Henning Schmidt, Leiter des Fachbereichs Hochbau bei der Gemeinde, vorgenommen worden: ca. 590 000 Euro.

Preise um bis zu 18 Prozent gestiegen

Aufgrund zwischenzeitlich erfolgter Veränderungen von Normen und Vorschriften, so Markus Scherer, sowie des nun größeren Projekts seien die Baukosten im Januar 2018 auf rund 825 000 Euro geschätzt worden. Hier müsse man allein die Preissteigerungen von rund 15 bis 18 Prozent in den drei Jahren beachten.

Nach der im September 2019 beendeten Ausschreibung sei neu gerechnet worden. Aufgrund erheblicher Preissteigerungen beim Material und erheblichen Aufschlägen der Firmen, die zwischen 10 und 40 Prozent gelegen hätten, seien die Kosten auf 955 000 Euro emporgeklettert, erläuterte Markus Scherer.

„Und nun müssen wir leider noch ein paar Euro drauflegen“, ergänzte er im Bau- und Planungsausschuss. Im Tiefbau seien beispielsweise 25 000 Euro, im Hochbau 26 000 Euro mehr erforderlich geworden. „Und dann sind noch hier 500 und da 1000 Euro hinzugekommen“, so Scherer, der dem Ausschuss eine schriftliche Aufstellung aller einzelnen Kostenpunkte vorlegte.

"Momentan explodieren die Kosten in der Baubranche."
- Markus Scherer, Architekt

„Momentan explodieren die Kosten in der Baubranche“, betonte Scherer. Und wegen der Corona-Auswirkungen habe sich der Bau um mindestens ein halbes Jahr auf nunmehr etwas mehr als anderthalb Jahre verzögert. Dadurch seien zusätzliche Preissteigerungen erfolgt. Am 16. Dezember sei die Fertigbauabnahme ohne Beanstandung erfolgt, und die Außenanlagen seien inzwischen auch fertiggestellt. Scherer: „Das ist nun ein Feuerwehrhaus, mit dem man arbeiten kann.“

„Da wird einem ja Angst und Bange“, verwies Astrid König-Ostermann (SPD) auf den bevorstehenden Anbau in Gerlingen sowie die Neubauten von Feuerwehrgerätehäusern in Hünsborn und Hillmicke. „Müssen wir da auch mit solchen Kostensteigerungen rechnen?“ Ein Neubau auf der grünen Wiese, antwortete Scherer, sei auf den Quadratmeter gerechnet günstiger. Allerdings sollte eine Kostenschätzung besser sehr nah zur Umsetzung der Maßnahme erfolgen.

Diskussion scheint erstickt

Robert Dornseifer (SPD) merkte dann aber doch kritisch an, dass er mehr als 3000 Euro Baukosten pro Quadratmeter für sehr hoch halte. Woraufhin Markus Scherer auf einige spezifische Kostentreiber in Bezug auf die Anbindung an das bestehende Feuerwehrhaus verwies. Einen Generalunternehmer zu beauftragen, wie es Franz-Josef Henke (CDU) anregte, bringe nicht unbedingt eine Kostenminderung, schloss Markus Scherer seine Ausführungen ab.
Die Diskussion um die Kostensteigerungen, so schien es im Vorfeld dieser Sitzung, könnte richtig brennen, doch Scherer hat mit seinen Erklärungen die auflodernden Flammen offenbar gelöscht. Apropos: Der Löschzug Wenden hat die neue Immobilie bereits in Betrieb genommen.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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