SZ

"So ein Vorgehen schürt Misstrauen"
Frage um den Wolf bleibt ungeklärt

Christoph Schürholz liebt seine Kühe. Sollten welche von einem Wolf gerissen werden, so der Nebenerwerbslandwirt aus Hünsborn, gäbe er die Tierhaltung sofort auf. "Das könnte ich nicht ertragen."
  • Christoph Schürholz liebt seine Kühe. Sollten welche von einem Wolf gerissen werden, so der Nebenerwerbslandwirt aus Hünsborn, gäbe er die Tierhaltung sofort auf. "Das könnte ich nicht ertragen."
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hobö Hünsborn. "Eigentlich war die ganze Aufregung umsonst", blickt Christoph Schürholz auf das erste April-Wochenende zurück. Doch dafür hat sich nun im Mai neue Verärgerung aufgebaut. Anfang April hatte sich der Nebenerwerbslandwirt aus Hünsborn über das Wolfsberater-System aufgeregt und seinen Unmut der SZ geschildert (wir berichteten). Auslöser waren ein gerissenes Reh und die dann aufgetretenen Probleme, einen anerkannten Wolfsberater zwecks Probenentnahme für eine DNA-Untersuchung innerhalb der vorgeschriebenen 24-Stunden-Frist zu bekommen. Schließlich wollten Schürholz sowie der zuständige Jagdpächter Frank Stork Gewissheit darüber erhalten, ob das Tier von einem Wolf gerissen worden ist, oder halt nicht.

hobö Hünsborn. "Eigentlich war die ganze Aufregung umsonst", blickt Christoph Schürholz auf das erste April-Wochenende zurück. Doch dafür hat sich nun im Mai neue Verärgerung aufgebaut. Anfang April hatte sich der Nebenerwerbslandwirt aus Hünsborn über das Wolfsberater-System aufgeregt und seinen Unmut der SZ geschildert (wir berichteten). Auslöser waren ein gerissenes Reh und die dann aufgetretenen Probleme, einen anerkannten Wolfsberater zwecks Probenentnahme für eine DNA-Untersuchung innerhalb der vorgeschriebenen 24-Stunden-Frist zu bekommen. Schließlich wollten Schürholz sowie der zuständige Jagdpächter Frank Stork Gewissheit darüber erhalten, ob das Tier von einem Wolf gerissen worden ist, oder halt nicht.

Darum kritisiert ein Landwirt das Wolfsberater-System

Ärger über das Vorgehen im Lanuv

Wie berichtet, kam Antonius Klein als ehrenamtlicher Wolfsberater im Kreis Olpe kurz vor Ablauf der 24-Stunden-Frist an den "Tatort", entnahm eine DNA-Probe und sandte diese an das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv). "Antonius Klein hat alles korrekt gemacht", lobt Schürholz, aber nun ärgert er sich über das Vorgehen im Lanuv. Denn das Landesamt habe die Proben des Wolfsberaters erst gar nicht zur Untersuchung in das dafür zuständige Labor gesandt. Christoph Schürholz: "So ein Vorgehen schürt Misstrauen bei uns Weidetierhaltern." Misstrauen dahingehend, dass das Lanuv  wenig Interesse habe, einen Wolfsnachweis wirklich führen zu wollen. In dem betreffenden Landesamt, so Schürholz, "sitzen viele Leute vom Nabu". Und der Naturschutzbund befürworte bekanntlich die Wiederansiedlung des Wolfes in Deutschland. Negative Meldungen seien da wohl unerwünscht, mutmaßt der Hünsborner.

Die Untersuchung geht auf eigene Kosten

Warum hat das Lanuv die Proben nicht zur Untersuchung gesandt? Auf diese Frage erhielt Jagdpächter Frank Stork aus Hünsborn eine Antwort aus dem Landesamt. Per E-Mail teilte Dr. Ingrid Hucht-Ciorga (Fachbereich 24: Artenschutz, Vogelschutzwarte, Lanuv-Artenschutz-Zentrum) am 4. Mai mit, dass "unser Wolfsberater Antonius Klein den Fund am 03.04.2022 dokumentiert hat". Da der Rehkadaver aber bereits am Vortag "von anderer Seite untersucht und beprobt worden" sei, bittet Dr. Hucht-Ciorga in der Mail um Verständnis, "dass eine aus Landesmitteln finanzierte genetische Untersuchung der Abstrichproben daher leider nicht mehr in Betracht kommt. Ich habe den Fall ohne Bewertung abgeschlossen".

Wie die SZ berichtete, hatten Christoph Schürholz und Frank Stork drei Abstrichproben von dem Rehkadaver entnommen und dies in einem Video dokumentiert. "Aber wir sind nicht geschult wie ein Wolfsberater", gibt der Landwirt zu bedenken. Gleichwohl sandten Schürholz und Stork die drei entnommenen Proben auf eigene Kosten (150 Euro) zur Untersuchung an das Institut für Forensische Genetik und Rechtsmedizin am Institut für Hämatopathologie GmbH (Forgen) in Hamburg. Dieses Institut sandte Schürholz bereits am 15. April das Ergebnis der Untersuchung zu. Zusammenfassend erklärt Forgen, "dass aus den übersandten Spurenträgern sicher DNA von mindestens zwei Vertretern aus der Familie der Canidae (lateinisch für Hunde; Anmerkung d. Redaktion) nachgewiesen werden konnte. Eine weitere Eingrenzung (Wolf-Hund-Fuchs-Schakal) ist hier nicht möglich". 

Hunde würden ein Tier nicht so ausweiden

Schakale, ist sich Schürholz sicher, gebe es hierzulande nicht. Ein Fuchs könne ein Reh nicht reißen. Daher blieben nur noch Hund oder Wolf als "Täter", so der Landwirt. Seiner Einschätzung nach könne ein Hund solch einen "Schaden" anrichten. Aber Hunde seien wegen der Fütterung seitens ihrer Halter in der Regel satt und würden ein Tier nicht so ausweiden. Letztlich aber bleibe es Spekulation, ob das Reh am 2. April von einem Hund oder einem Wolf gerissen worden sei. Deshalb ärgert sich Christoph Schürholz darüber, dass das Lanuv die Proben des Wolfsberaters nicht zur Untersuchung an das Labor weitergegeben habe. Zumal nur die Probe eines Wolfsberaters anerkannt werde und in die Wolfsstatistik des Landesamts einfließe. Hätte die privat entnommene Probe den Wolfsnachweis erbracht, würde das offiziell nicht anerkannt, so Schürholz. Außerdem frage er sich, wofür fünf Wochen ins Land hätten gehen müssen, ehe mitgeteilt werde, dass man nichts unternehme.

Ein einzelner Wolf richte wenig Schaden an

Schürholz verhehlt nicht, dass er die Ansiedlung des Wolfes mehr als kritisch sieht. "Wir leisten uns 3600 Wölfe in Deutschland mit einer exponentiellen Steigerung, aber ohne Plan einer Eindämmung." Ein einzelner Wolf auf der Durchreise, ist sich der 47-Jährige sicher, richte wenig Schaden an, "aber wenn sich hier mal ein Rudel niederlässt, dann geht es auch unseren Weidetieren an den Kragen". Christoph Schürholz, der im Nebenerwerb die Mutterkuh-Haltung mit 46 Tieren (plus zwei Esel) betreibt, kündigt an: "Sobald das erste Kalb von einem Wolf gerissen wird, höre ich auf. Das könnte ich nicht ertragen. Ich liebe die Tiere, sie sollen nicht qualvoll getötet werden."

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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