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Komplette Umstrukturierung von Apparatebau-Rothemühle-Gelände
Gemeinde will Industriegeschichte neu schreiben

Das Gelände von Apparatebau Rothemühle soll komplett umstrukturiert werden.
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  • Das Gelände von Apparatebau Rothemühle soll komplett umstrukturiert werden.
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hobö Wenden. Die Wendener Gemeindeverwaltung hält an ihrem Ziel fest, die meisten Gebäude der ehemaligen Firma Apparatebau Rothemühle abzureißen und dort Gewerbe-Neubauten zu erstellen. Das ist die wichtigste Botschaft, die aus der Vorlage hervorgeht, die die Verwaltung für die Sondersitzung des Wendener Gemeinderats am Mittwoch, 19. Mai, (ab 17.30 Uhr in der Gesamtschule) erstellt hat. „Für die Entwicklung der Fläche wäre ein Zeitraum von vier bis sechs Jahren vorstellbar“, schreibt Bürgermeister Bernd Clemens in seiner Stellungnahme.

Kein Wort findet sich in der Vorlage für die öffentliche Sitzung zu dem Konzeptentwurf zweier Privatinvestoren.

hobö Wenden. Die Wendener Gemeindeverwaltung hält an ihrem Ziel fest, die meisten Gebäude der ehemaligen Firma Apparatebau Rothemühle abzureißen und dort Gewerbe-Neubauten zu erstellen. Das ist die wichtigste Botschaft, die aus der Vorlage hervorgeht, die die Verwaltung für die Sondersitzung des Wendener Gemeinderats am Mittwoch, 19. Mai, (ab 17.30 Uhr in der Gesamtschule) erstellt hat. „Für die Entwicklung der Fläche wäre ein Zeitraum von vier bis sechs Jahren vorstellbar“, schreibt Bürgermeister Bernd Clemens in seiner Stellungnahme.

Kein Wort findet sich in der Vorlage für die öffentliche Sitzung zu dem Konzeptentwurf zweier Privatinvestoren. Wie die SZ Ende März seinerzeit exklusiv berichtete, möchten Stefan Müller aus Brün und Alexander Czenkusch aus Elben das komplette Areal übernehmen, bestenfalls pachten, um dort einen Gewerbepark mitsamt Wohnnutzung, Hostelbetrieb und einem Eventbereich zu entwickeln. Offenbar will die Verwaltung von derartigen Plänen nichts wissen, sie werden in der Vorlage für die öffentliche Sitzung völlig verschwiegen.

Projekt in nichtöffentlicher Sitzung vorgestellt

Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang auch, dass Stefan Müller im März in einer nichtöffentlichen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses sein Projekt „Gewerbepark Rothemühle“ vorstellen durfte. Am kommenden Mittwoch wird das von der Gemeindeverwaltung maßgeblich beeinflusste ISEK derweil im öffentlichen Sitzungsteil dem gesamten Rat vorgestellt. Noch bemerkenswerter: Unmittelbar nach der Vorstellung plant die Verwaltung die Abstimmung darüber, dass die Ziele des ISEK und der Verwaltung weiterverfolgt werden. Für den anschließenden, nichtöffentlichen Teil, also nach dieser Entscheidung, soll Stefan Müller Gelegenheit haben, die Ergebnisse seiner Gewerbepark-Akquise vorzustellen. Die Einladung an Müller erfolgte bislang nur mündlich und eher unverbindlich, eine schriftliche Einladung besitzt Müller bislang nicht.

Die Verwaltung schlägt dem Gemeinderat vor, unmittelbar nach der Vorstellung des ISEK den vom Büro „Stadt+Handel“ erarbeiteten „Endbericht als Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept Balcke-Dürr“ zu beschließen. Ferner möchte die Verwaltung beauftragt werden, „die Umsetzung des ISEK weiterzuführen und das Folgenutzungskonzept weiter auszuarbeiten“.

ISEK-Umsetzung kostet 6,6 Millionen Euro

Für die Umsetzung des ISEK fallen Kosten insbesondere für den Rückbau der baulichen Anlagen, die Freilegung der Bigge und die Erschließung an. Aktuell werden im Rathaus Kosten in Höhe von 6,6 Millionen Euro angenommen (Ankauf der Fläche 2,4 Millionen Euro; Straßenbau, Kanalbau, Umlegung Bigge, Radweg, Planungskosten 1,9 Millionen Euro; Abrisskosten 2 Millionen Euro; Entwicklung Wohngebiet (Entsiegelung, Straßenbau, Kanalbau) 350 000 Euro). An Einnahmen rechnet man in der Verwaltung mit 5,3 Millionen Euro (Grundstücksverkäufe 3,8 Millionen Euro; „potentielle Förderung“ 1,5 Millionen Euro).

"Die Umsetzung des ISEK
kostet die Gemeinde rund 1,3 Millionen Euro."

Bürgermeister
Bernd Clemens

Bürgermeister Bernd Clemens betont in seiner Stellungnahme: „Auch unter Einbeziehung möglicher Fördergelder kostet die Umsetzung des ISEK zum jetzigen Stand ca. 1 325 000 Euro.“ Er führe aber aktuell Gespräche, „um die Kosten durch weitere Fördermittel zu reduzieren, denn durch das erarbeitete ISEK können gegebenenfalls weitere Zuschüsse akquiriert werden“.

Das Gelände von Apparatebau Rothemühle soll komplett umstrukturiert werden.
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Als nächster Schritt sei die „Beauftragung der Planung zur Freilegung der Bigge durch ein qualifiziertes Planungsbüro“ vorgesehen. Dieser Schritt werde als „grundsätzlich und maßgeblich“ für die weitere Entwicklung des Geländes gesehen. „Anschließend wird der konzeptionelle Ansatz der Neuentwicklung weiter verfeinert und auf die Gewässerrahmenplanung angepasst. Für die Entwicklung der Fläche wäre ein Zeitraum von vier bis sechs Jahren vorstellbar.“

Am Freitag besichtigte der Gemeinderat in einer nichtöffentlichen Veranstaltung das 110 000 Quadratmeter große Areal. Hier wurden die Ziele des ISEK vorgestellt. Die beiden Privatinvestoren waren nicht eingeladen.

Das ehemalige Verwaltungsgebäude will die Gemeinde Wenden abreißen, die Privatinvestoren indes würden hier gerne Büros und einen Hostelbetrieb etablieren.
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Weitere Prüfungen versus fertiges Konzept Aktuell bewirbt sich die Gemeinde Wenden um die Aufnahme in die Städtebauförderung. Grundlage hierfür ist ein „Integriertes Handlungskonzept“ (IHK), dessen Bearbeitung zunächst ausgesetzt wurde. Um dennoch mit ersten Analysen beginnen zu können, wurde das Büro „Stadt+Handel“ mit der Erstellung eines „Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts“ (ISEK) für die von der Gemeinde erworbene Industriebrache der ehemaligen Firma Apparatebau Rothemühle beauftragt. Im Rahmen des ISEK wurden ein Folgenutzungskonzept für die Fläche erarbeitet und wichtige Grundlagen für das darauffolgende IHK erstellt. Das ISEK ist, so schreibt „Stadt+Handel“ in der Einleitung, „in enger Absprache mit der Gemeinde Wenden erstellt“ worden. „Somit konnten klare Rahmenbedingungen und Zielstellungen im Vorfeld der Erarbeitung des ISEK fixiert werden.“ Mit der erarbeiteten Folgenutzungskonzeption soll die brachliegende Fläche wiederbelebt und einer neuen Nutzung „unter Berücksichtigung des Industriecharmes“ zugeführt werden. Schwerpunkte liegen dabei in der Umnutzung des ehemaligen Mitarbeiterparkplatzes für den Bau von Wohnhäusern sowie der Ansiedlung von „nichtstörendem Kleingewerbe“ im nördlichen Bereich des Geländes. Zur „Steigerung der Aufenthaltsqualität“ wird im ISEK der Umbau der Halle 4 als Kunst- und Kulturstandort sowie der Ausbau von Grün- und Aufenthaltsflächen im Zusammenhang mit der Freilegung der Bigge empfohlen. Das gesamte Areal ist etwa zehn Hektar groß, wovon ca. fünf industriell genutzt wurden. Der Abriss der Hallen 1, 2, 3 und 5 sowie des Verwaltungs- und des Mehrzweckgebäudes sowie die nachfolgende Errichtung von Kleingewerbehallen ist einer der markantesten Unterschiede zum Projekt „Gewerbepark Rothemühle“, das Stefan Müller aus Brün und Alexander Czenkusch aus Elben gerne umsetzen würden. Sie wollen die Gebäude erhalten und im ehemaligen Verwaltungsgebäude Büros und einen Hostelbetrieb verwirklichen. In dem Mehrzweckgebäude sehen sie einen Eventbereich mit Gastronomie und Anbindung an den Radweg sowie Wohnnutzung mitsamt Spielplatz. Zentraler Punkt des ISEK ist die Freilegung der Bigge sowie die Ausgestaltung der Uferzonen mit Grünflächen, Baumreihen und einem Fußweg. Hierfür winken Fördergelder, deren Auszahlung auch infolge der Corona-bedingten Belastung der öffentlichen Haushalte aber nicht garantiert sind. Während die Gemeinde mit der Umsetzung des ISEK die gewerblich nutzbaren Flächen verkaufen möchte, wollen Müller und Czenkusch die Hallen und Freiflächen vermieten und mit dem Gewerbepark Synergieeffekte entwickeln. Die oft geäußerte Befürchtung, dass Alexander Czenkusch mit seiner Spedition ITC künftig das gesamte Gelände nutzt, widersprechen die beiden Investoren. Maximal 18 Prozent des Industrieareals würden künftig von ITC genutzt, genau so viel wie derzeit. Die beiden Interessenten betonen, dass sie sofort loslegen könnten und verweisen auf ihre unverbindliche Mieterakquise. Demnach sei eine 100-prozentige Auslastung der Hallen, der überdachten Bereiche sowie der Freiflächen erreicht. Die Büroflächen könnten aus dem Stand zur Hälfte vermietet werden, insgesamt ca. 1250 Quadratmeter. Die 23 interessierten Firmen würden insgesamt 135 Arbeitsplätze bieten. In einem dieser Tage versandten mehrseitigen Brief an die Mitglieder des Gemeinderats werben die beiden möglichen Gewerbepark-Betreiber für ein Erbpachtmodell, bei dem die Gemeinde weiterhin Eigentümerin mit Einfluss auf die Nutzung bleibe. Ein Weiterverkauf wie beispielsweise im Fall Amazon in Gerlingen sei hier ausgeschlossen. „Stadt+Handel“ schreibt auf der letzten Seite des 43 Seiten umfassenden Konzept: „Von der Gemeinde Wenden ist zu prüfen, welche der vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt werden können und in welcher Reihenfolge.“ Hier liegt also noch einiges an Arbeit für die Gemeindeverwaltung vor, die an andere Stelle schon häufiger über eine enorme Belastung durch Projekte wie Baulandentwicklung, Schwimmbadbau, Millioneninvestitionen in die Schullandschaft, Neubau von Feuerwehrhäusern und einiges mehr klagt.
Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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