Gemeinderat will nicht auf die Mitfahrerbank

hobö Wenden. Das Thema „Mitfahrerbänke“ ist kein neues in der Gemeinde Wenden. Bereits im Dezember 2017 beschloss der Gemeinderat, das Projekt Mitfahrerbänke als LEADER-Projekt anzugehen und ein Konzept zum Bedarf, zu möglichen Standorten und zu weiteren Modalitäten zu erstellen. Am Mittwoch stand das Thema erneut auf der Tagesordnung des Rats, weil die Grünen einen neuerlichen Antrag gestellt hatten.

Die an LEADER beteiligten Kommunen – Attendorn, Drolshagen, Olpe und Wenden – hatten mehrere Planungsbüros angeschrieben und zur Abgabe eines Angebotes aufgefordert. Nach Angaben der Gemeinde Wenden hat sich lediglich ein Büro hierauf zurückgemeldet. Im anschließenden Abstimmungstermin sei den vier Vertretern der Kommunen sowie dem Regionalmanagement empfohlen worden, dass Thema „Mitfahrerbänke“ nicht separat zu betrachten, sondern es in eine „übergeordnete Mobilitätsstrategie“ einzubetten.

Elmar Holterhof, Vorsitzender der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, äußerte in der Ratssitzung am Mittwoch die Befürchtung, „dass das Thema auf die lange Bank geschoben wird“. Zweieinhalb Jahre seien jetzt ohne ein Ergebnis verstrichen. Dabei seien Mitfahrerbänke doch einfach zu verwirklichen. Grundsätzlich sähen die Grünen in den Mitfahrerbänken eine „ideale Ergänzung des ÖPNV, wenn dieser überhaupt gerade zwischen den kleinen Ortschaften vorhanden ist“. So könnten Jugendliche, ältere Personen ohne Führerschein, aber auch Wanderer und Flüchtlinge von der Mitfahrerbank profitieren, betonen die Grünen in ihrem Antrag. „Wenn sie auf den gekennzeichneten Bänken sitzen, können sie so vorbeifahrenden Pkw signalisieren, dass sie eine Mitfahrgelegenheit zu einem bestimmten Ziel suchen.“ Holterhof wünschte sich sechs Mitfahrerbänke an verschiedenen Orten in der Gemeinde. Andere Kommunen hätten gute Erfahrungen gemacht.

Dem widersprach Bürgermeister Bernd Clemens. Oft seien die ersten Meldungen positiv, danach mehrten sich aber die kritischen Erfahrungen. „Wir sollten uns Zeit nehmen, das gründlich anzugehen“, empfahl der Verwaltungschef, zumal auch die Polizei die Mitfahrerbänke kritisch sähen. Außerdem habe es nicht an der Gemeinde Wenden gelegen, dass das Projekt Mitfahrerbänke in der LEADER-Region nicht umgesetzt worden sei.

Catrin Stockhecke-Meister (SPD) berichtete, sie sei bei Recherchen im Internet ebenfalls auf viele negative Meldungen gestoßen. Und Ulrich Heinrich (UWG) betonte, er wage den Nutzen der Bänke zu bezweifeln, „wenn ich den Bürgerbus sehe, der fast leer kreuz und quer durch die Gemeinde fährt“. Außerdem stelle er sich die Frage, ob es überhaupt Autofahrer gebe, die Leute von den Mitfahrerbänken mitnähmen.

In der Stadt Drolshagen ist übrigens geplant, das Projekt Mitfahrerbank ohne LEADER weiterzuverfolgen und in einzelnen Ortschaften umzusetzen. Der Wendener Bürgermeister schlug daher vor, die Erfahrungen der Nachbarkommune abzuwarten und auf den Erfahrungswerten aufzubauen.

Letztlich folgte der Rat dem Grünen-Antrag nicht, stimmte aber bei drei Neinstimmen (Grüne) und drei Enthaltungen (UWG) dem Beschlussvorschlag der Gemeindeverwaltung zu, die Ergebnisse des „Betrieblichen Mobilitätsmanagements“ abzuwarten und das Thema „Mitfahrerbank“ in eine Gesamtstrategie einzubetten. Eine separate Betrachtung des Themas soll nicht weiterverfolgt werden.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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