SZ

Fehlendes Zertifikat bei Telefunken
Großer Ärger: Defibrillatoren unbrauchbar

Im November 2016 machten die Eheleute Reinhard und Veronika Schönauer zusammen mit Dirk Godon (v. l.) öffentlichkeitswirksam Werbung für die Installation von automatischen und für jedermann zugänglichen Defibrillatoren.
  • Im November 2016 machten die Eheleute Reinhard und Veronika Schönauer zusammen mit Dirk Godon (v. l.) öffentlichkeitswirksam Werbung für die Installation von automatischen und für jedermann zugänglichen Defibrillatoren.
  • Foto: Archiv/hobö
  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

hobö Wenden. Die Berichterstattung der SZ über ein Zertifikatsproblem bei Telefunken-Defibrillatoren hat Reinhard Schönauer aus Hünsborn buchstäblich den Schlaf geraubt. Da er sich in der Nacht um einen seiner Hunde gekümmert und dabei einen Blick in die Zeitung geworfen hatte, konnte er nicht mehr einschlafen und meldete sich schon um kurz nach 4 Uhr mit einer Mail bei der SZ. „Ich bin schockiert, insbesondere da ich bis dato keine Info hatte, das Problem scheinbar aber mindestens seit August 2019 bekannt war. … Ich bin sehr aufgewühlt.“
Reinhard Schönauer war mit Ehefrau Veronika Antreiber einer privaten Aktion, möglichst flächendeckend in der Gemeinde Wenden und darüber hinaus die „Automatischen Externen Defibrillatoren“ (AED) zu installieren.

hobö Wenden. Die Berichterstattung der SZ über ein Zertifikatsproblem bei Telefunken-Defibrillatoren hat Reinhard Schönauer aus Hünsborn buchstäblich den Schlaf geraubt. Da er sich in der Nacht um einen seiner Hunde gekümmert und dabei einen Blick in die Zeitung geworfen hatte, konnte er nicht mehr einschlafen und meldete sich schon um kurz nach 4 Uhr mit einer Mail bei der SZ. „Ich bin schockiert, insbesondere da ich bis dato keine Info hatte, das Problem scheinbar aber mindestens seit August 2019 bekannt war. … Ich bin sehr aufgewühlt.“
Reinhard Schönauer war mit Ehefrau Veronika Antreiber einer privaten Aktion, möglichst flächendeckend in der Gemeinde Wenden und darüber hinaus die „Automatischen Externen Defibrillatoren“ (AED) zu installieren. Im November 2016 machte er mit der Installation eines solchen Geräts öffentlichkeitswirksam Werbung und stieß nicht nur in der Gemeinde Wenden auf eine bemerkenswerte Zahl an Nachahmern. Die Gemeinde Wenden schloss sich dieser Bewegung auch an und förderte Dorfgemeinschaften mit 500 Euro pauschal sowie 50 Cent pro Einwohner. Wie berichtet, müssen die hierfür bestellten Telefunken-Defibrillatoren umgehend stillgelegt werden.
Dirk Godon vom Unternehmen Gomed aus Freudenberg hat mindestens 15 dieser „Defis“ in die Gemeinde Wenden ausgeliefert. Gegenüber der SZ erklärte er am Dienstag, dass er seit Ende 2019 von den Zertifizierungsproblemen gewusst habe, aber erst Mitte September dieses Jahres die Mitteilung seines Großhändlers erhalten habe, dass diese AED nun definitiv stillgelegt werden müssten. Bis dahin habe Hersteller Telefunken mit Sitz in den Niederlanden noch gehofft, eine Nachzertifizierung für die „alten“ Geräte durchführen zu können.

Defibrillatoren von Telefunken fehlt Zertifikat

Die Regierungsbehörde Tübingen habe dies aber untersagt, womit diese mindestens deutschlandweit nicht genutzt werden dürften, so Godon.
Besagter Großhändler habe mindestens 3500 Telefunken-AED vertrieben, was einen Blick auf die Tragweite der Entscheidung erlaube, führt Dirk Godon weiter aus. Der Zertifikatsmangel sei nicht augenscheinlich gewesen, da die Zertifizierungen und entsprechende Zeichen auf den Geräten ja vorhanden gewesen seien. Godon: „Nur derjenige, der ab einer gewissen Charge die Zertifizierungen vorgenommen hat, hatte offenbar dafür keine Zulassung.“ Nun seien die Geräte ja funktionstüchtig, müssten dennoch verschrottet werden.
„Ich bin selbst stinksauer“, gesteht Dirk Godon ein. Er müsse seinen Kunden die schlechte Nachricht überbringen, dass die seinerzeit für rund 2500 Euro gekauften Geräte stillgelegt werden müssten. Er habe bereits mit einigen Ortsvorstehern in der Gemeinde Wenden gesprochen, die ja engagiert die Installation der AED in ihren Dörfern ermöglicht hätten. Es gebe Empfehlungen für Ersatzbeschaffungen. Ein neues Telefunken-Gerät koste 479 Euro, müsse aber alle zwei Jahre für rund 480 Euro gewartet werden. Er empfehle ein AED von der Firma Schiller, das 690 Euro in der Anschaffung koste und alle zwei Jahre für unter 100 Euro gewartet werden müsse. Die Folgekosten seien hier also geringer.
In Schönau braucht Godon nicht mehr anzurufen. Peter Arenz, Ortsvorsteher von Schönau und Altenwenden, hat bereits in der vergangenen Woche zwei Schiller-Defibrillatoren bestellt. Den bisherigen Telefunken-„Defi“ am Lindenplatz in Schönau habe er demontiert, die beiden neuen kämen an den Lebensmittelmarkt von Manfred Alfes, der andere in die Nähe der St.-Elisabeth-Kirche. Wegen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Wenden habe er frühzeitig von den Problemen erfahren. Für die Finanzierung der neuen Geräte habe er sehr wahrscheinlich einen Sponsor. Ärgerlich sei, dass noch im März einen Wartung des nun stillgelegten AED für 223,50 Euro vorgenommen worden sei.
Reinhard Schönauer hat diese Wartung für seine beiden privat angeschafften AED erst vor einem Vierteljahr durchführen lassen. Die monetären Aspekte seien zwar ärgerlich, noch mehr ärgert sich Schönauer aber, dass es keine Rückrufaktion gegeben habe für ein Gerät, das Menschenleben retten soll.
Bei Lebensmittel, Spielzeug oder Autos sei das doch die Regel. Ob hierdurch die Gefährdung von Menschenleben fahrlässig in Kauf genommen worden sei, gelte es jetzt juristisch zu klären, so Reinhard Schönauer.
„Irgendeiner in dieser Kette trägt Schuld. Ich habe meine beiden Geräte heute entfernt. Dabei wollten und wollen mit unserer Aktion doch Menschenleben retten.“

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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