Bürgermeister überrascht mit Aussage
"Haben keinen Zeitdruck"

Einst wirkten mehr als 650 Mitarbeiter bei Apparatebau Rothemühle. Beim Gang über das riesige Gelände wird die Industriegeschichte sichtbar.
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  • Foto: hobö
  • hochgeladen von Marc Thomas

hobö Wenden. Will man alle Aspekte beleuchten, die im Projektentwurf für den „Gewerbepark Rothemühle“ oder im „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept“ (Isek) stecken sowie in der mehr als dreistündigen Sondersitzung des Wendener Gemeinderats am Mittwochabend geäußert wurden, entstünde hier eine seitenfüllende Abhandlung.

Als Extrakt bleibt festzuhalten, dass beide Konzepte in vielen Zielvorstellungen sogar deckungsgleich sind: beispielsweise Ansiedlung von Kleingewerbe, Platz für Kulturveranstaltungen, Installierung eines gastronomischen Angebots sowie Anhebung der Aufenthaltsqualität. Grundlegend anders sind aber der Zeitplan, der Eingriff in die Bausubstanz, die Nutzung des ehemaligen Mitarbeiter-Parkplatzes sowie Verkauf oder Vermietung an Interessenten.

Sämtliche Gebäude erhalten und vermieten

Stefan Müller und Alexander Czenkusch wollen mit ihrem Gewerbepark sämtliche bestehenden Gebäude erhalten und an Gewerbetreibende vermieten. Der Biggebach soll unangetastet bleiben. Den Parkplatz will man weitestgehend als Mitarbeiterparkplatz erhalten. Die Marktanalyse förderte bereits mehr Interessenten zutage als an Platz überhaupt vorhanden ist. 165 Arbeitsplätze, so neueste Angaben von Müller/Czenkusch, würden gesichert bzw. teils neu geschaffen. Umsetzung: unverzüglich.

Gemeinde will Industriegeschichte neu schreiben

Das von der Gemeinde favorisierte Isek „wäre vermutlich in vier bis sechs Jahren“ zu entwickeln, vermutet Bürgermeister Bernd Clemens. Dann sollen Grundstücke an kaufwillige Bewerber verkauft werden. Denn Isek schlägt den Abriss der Hallen 1, 2, 3 und 5 und in der Folge den Bau von Hallen für besagtes Kleingewerbe vor. Halle 4 soll für Gastronomie und Kulturevents erhalten bleiben. Der Mitarbeiter-Parkplatz soll in Wohnbaufläche umgewidmet werden. Zentraler Punkt ist ferner die Offenlegung des Biggebachs, weil hierfür Förderungen des Landes winken, längst aber nicht garantiert sind. Erstaunlich in dem Zusammenhang, dass die Verwaltung in der Ratssitzung nicht sagen konnte, wie viele Meter Bach überhaupt freigelegt werden sollen. „250 Meter“, vermutete Bürgermeister Bernd Clemens. „156 Meter“, behaupten indes die „Gewerbepark“-Investoren.

Viel Abstimmung und Planungsarbeit

Auf solche und ähnliche Detailfragen wusste übrigens Dr. Fabian Schubert vom Büro „Stadt+Handel“ keine Antworten, außer dieser: „Hierzu kann ich wenig sagen, das Isek gibt nur die grobe Laufrichtung vor, die Konkretisierung und Umsetzung der Einzelmaßnahmen muss später mit viel Abstimmung und Planungsarbeit umgesetzt werden.“

Zukunft der Rothemühler Industriebrache offen

Viele der 90(!) Anwesenden in der Aula des Gesamtschule dürften angesichts der zahlreichen Willensbekundungen, Zahlen und diversen Wortbeiträgen regelrecht „überinformiert“ den Nachhauseweg angetreten haben. Die beschlossene Konzeptvergabe könnte den Weg zu mehr Klarheit ebnen.

Auf Perspektive für Firmen gehofft

Desillusioniert aber verließen viele der anwesenden potenziellen Mieter eines Gewerbeparks die Sitzung. Sie hatten darauf gehofft, eine Perspektive für ihre Firmen zu erhalten. Selbst die derzeitigen Mieter wissen nicht, wie es weitergehen wird. Sie dürften mit Bürgermeister Bernd Clemens nicht übereinstimmen, der zur Überraschung vieler behauptete: „Wir haben keinen Zeitdruck.“ Da traf die Aussage von CDU-Fraktionschef Martin Solbach, mit der Konzeptvergabe im November dieses Jahres aufs Tempo drücken zu wollen, auf mehr Verständnis.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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