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SZ-Selbstversuch: Mobile Sauna im Garten
Heißes Vergnügen auf Rädern

Saunieren unter schneebeladenen Fichten mit Blick auf den zugefrorenen See ist ein unvergessliches Erlebnis.
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  • Saunieren unter schneebeladenen Fichten mit Blick auf den zugefrorenen See ist ein unvergessliches Erlebnis.
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yve Wenden. Über Nacht ist die weiße Decke weiter gewachsen, die seit Tagen über der Landschaft liegt. Dicke Flocken fallen hinab. Es ist Sonntag, ein perfekter Tag für einen ausgiebigen Spaziergang im Schnee und wohlige Stunden daheim. Kann es etwas Schöneres geben? Ja! Meine Freundin treffen, in der Sauna sitzen, schwitzen, quatschen und beim Abkühlen ein Schlückchen vom fruchtig-frischen Lillet. Ich habe kein Heißluftbad in meinem Zuhause, meine Freundin auch nicht. Heute lassen wir uns eine Sauna liefern, ein geeigneter „Stellplatz“ ist mir schon vorher ins Auge gefallen. Das Freizeitgrundstück von Marcus Hupertz etwas abseits von Wenden. Es besticht mit einer urigen, beheizbaren Hütte und einem Schwimmteich samt Steg.

yve Wenden. Über Nacht ist die weiße Decke weiter gewachsen, die seit Tagen über der Landschaft liegt. Dicke Flocken fallen hinab. Es ist Sonntag, ein perfekter Tag für einen ausgiebigen Spaziergang im Schnee und wohlige Stunden daheim. Kann es etwas Schöneres geben? Ja! Meine Freundin treffen, in der Sauna sitzen, schwitzen, quatschen und beim Abkühlen ein Schlückchen vom fruchtig-frischen Lillet. Ich habe kein Heißluftbad in meinem Zuhause, meine Freundin auch nicht. Heute lassen wir uns eine Sauna liefern, ein geeigneter „Stellplatz“ ist mir schon vorher ins Auge gefallen. Das Freizeitgrundstück von Marcus Hupertz etwas abseits von Wenden. Es besticht mit einer urigen, beheizbaren Hütte und einem Schwimmteich samt Steg. Den können wir natürlich nicht nutzen, klirrende Kälte in den Nächten hat das Wasser in Eis verwandelt. Mutig genug, um sich bei diesen Temperaturen in ihm zu erfrischen, wären wir auch nicht gewesen. Dafür haben wir Schnee, jede Menge Schnee.

Viktor Fuhrmann und seine Frau Julia aus Brün liefern die Sauna

Unsere Taschen sind gepackt, Bademantel, ein großes Frotteetuch und Getränke. Mehr brauchen wir nicht. Für alles andere sorgen Viktor Fuhrmann und seine Frau Julia aus Brün. Wir hören aus der Ferne ein Motorgeräusch. Es kribbelt auf der Haut, obwohl wir noch gar nicht mit nackten Füßen auf eisigem Boden stehen. Wir sind aufgeregt. Dann sehen wir sie, die mobile Fasssauna, die auf einem Anhänger thront und von dem geländetauglichen Wagen der Fuhrmanns langsam in unsere Richtung gezogen wird. Auf Abstand beobachten wir, wie der 37-Jährige sein Fahrzeug rangiert, um die etwa eine Tonne schwere „Ladung“ auf Rädern sicher zu platzieren. Gar nicht so einfach bei dieser Witterung. Ein wenig Splitt unter die Reifen, zu guter Letzt noch eine Holzlatte, dann überwindet der anhänger die kleine Erhöhung, die auf das Grundstück führt. Geschafft! Das Ehepaar öffnet den Kofferraum und fängt an, auszuräumen – Aufgusskübel, Schöpfkelle, jede Menge Holzscheite und ein Körbchen voller Fläschchen mit aromareichen Aufgüssen.

Die Sauna muss erst einmal aufheizen

Viktor Fuhrmann befeuert den Holzofen, es dauert nicht lange und heller, aus dem Ofenrohr aufsteigender Rauch vermischt sich mit dem Flockenspiel. Am liebsten würden wir gleich auf den Holzbänken Platz nehmen. Aber das geht noch nicht, das Fass muss erst auf Betriebstemperatur gebracht werden. „In etwa eineinhalb Stunden könnt ihr rein“, ruft uns der Brüner freundlich zu. Wir müssen uns sowieso bewegen, es schneit immer noch unaufhörlich, die Füße sind mittlerweile kalt. Ich rufe die Hunde, und auf geht es zu den nahegelegenen Waldwegen. Nach dem Marsch wird das Saunieren bestimmt noch schöner, so viel ist sicher.
Wir kehren zurück, tauschen in der warmen Hütte Winter- gegen Bademantel und stapfen barfuß zum wenige Meter entfernten Holzfass. Bei der Wahl der Aufgusssorte entscheiden wir uns für ein Öl mit Lavendel, dem ja entspannende Eigenschaften zugesprochen werden. 60 Grad Celsius zeigt das Klimamessgerät an, bestehend aus Hygrometer und Thermometer. So kommen wir nicht ins Schwitzen. Meine Freundin Andrea schöpft Wasser aus dem Kübel und gießt es auf die heißen Steine aus Granit. Sofort umhüllt uns heißer Dampf, die ersten Tröpfchen bilden sich auf unserer Haut. Dann genießen wir die Atmosphäre in dem tropischen Holzkokon, lehnen uns zurück, blicken durch die Glastür auf schneebeladene Fichten und hören uns immer wieder sagen „ach, was haben wir es gut“.

Sauna wird nach Gebrauch sorgfältig desinfiziert

Es wird Zeit für einen kühlen Kopf, Andrea öffnet die Tür, Schnee fällt nicht mehr vom Himmel, aber kalte Luft schlägt uns entgegen – herrlich! Mein Freund Thorsten ist mittlerweile angekommen. Heute halte nicht nur ich, sondern auch er die Kamera in der Hand.

Zum Abkühlen und zum Fototermin auf den schneebedeckten Steg, dann schnell zurück in das wohlig-warme Fass.
  • Zum Abkühlen und zum Fototermin auf den schneebedeckten Steg, dann schnell zurück in das wohlig-warme Fass.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Er steht abseits und kann es kaum erwarten, das Bild von zwei vor Kälte zitternden Frauen einzufangen. Doch wir sind tapfer, setzen uns sogar auf den eingeschneiten Steg. Lange währt die Abkühlungphase nicht, schnell huschen wir wieder in den wohlig-warmen Bottich. Nach drei weiteren Gängen entscheiden wir uns für den „Einkehrschwung“ , gönnen uns noch ein letztes Getränk in der Hütte. Derweil nutzt Thorsten die freie Sauna, macht mächtig Dampf im Fass. Die Dämmerung bricht ein. Langsam packen wir unsere Sachen zusammen, eigentlich möchten wir nicht, dass sich dieser Tag schon dem Ende neigt. Wir schließen das Tor, blicken mit Wehmut noch einmal zur Sauna. Morgen früh kommt Viktor Fuhrmann und holt sie ab, desinfiziert sie, um sie erneut auf die Reise zu schicken.

"Die Menschen sind einfach begeistert"

Erst seit Dezember vermietet der 37-Jährige zwei mobile Saunen und einen mobilen Hot-Pot mit Whirlpool-Funktion. Die Idee entwickelte sich bei der Suche nach einer Sauna für den eigenen Garten. Als er eine mobile Fassvariante entdeckt, entscheidet er sich, gleich zwei davon zu kaufen, eine große für bis zu sechs Personen und eine für bis zu vier. „Eine wollte ich für mich und meine Familie nutzen, die andere vermieten.“

„Tolle Idee“, findet auch Grundstücksbesitzer Marcus Hupertz (l.), der für uns das Tor aufschließt – hier im Bild mit Viktor Fuhrmann.
  • „Tolle Idee“, findet auch Grundstücksbesitzer Marcus Hupertz (l.), der für uns das Tor aufschließt – hier im Bild mit Viktor Fuhrmann.
  • Foto: yve
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Der Plan ging nicht auf. „Unter dem Namen FUHRsauna vermiete ich jetzt beide“, erzählt der Brüner einige Tage später im persönlichen Gespräch. Die Nachfrage sei hoch. „Schließlich sind alle Saunen geschlossen“, und Unterhaltungsprogramm werde, wenn, nur im TV angeboten. Sein erster Kunde war ein Außendienstmitarbeiter. „Er hatte sich spontan entschlossen, ein Fass hier in Brün abzuholen, um seine Frau zu überraschen. Auf Wunsch bringe ich die Saunen auch bis zur Haustür. Die Menschen sind einfach total begeistert, das Feedback ist durchweg positiv.“ Das mache auch ihn glücklich. Besonders jetzt in der Corona-Zeit sei es ein gutes Gefühl, Freude und Entschleunigung „ausliefern“ zu dürfen. Und das Gute sei, „das Virus mag heiße Luft überhaupt nicht“.

Der private Genuss der Sauna hat viele Vorteile

„Ich sehe das als Hobby an“, erzählt der 37-Jährige. Daher möchte er sich nicht vergrößern. „Ich habe einen guten Job, einen großen Garten und zwei Kinder. Ich möchte ja auch Zeit für meine Kunden haben.“ Viele seien „Wiederholungstäter“. „Sie wollen es nicht beim einmaligen Erlebnis belassen.“ Der private Saunagenuss habe einfach viele Vorteile – Wunschmusik, der Kühlschrank und die eigene Dusche in der Nähe, keine Öffnungszeiten und vor allem keine unliebsamen „Mitschwitzer“. Andrea und ich teilen diese Ansicht voll und ganz. Auch wir werden „Wiederholungstäter“, malen uns jetzt schon aus, wie wir einen unvergesslichen Wellnesstag mit unseren Freunden im eigenen Garten verbringen, wie die Kinder vergnügt im Hot Pot planschen. Wir müssen uns nur noch etwas in Geduld üben und fest daran glauben, dass das Leben ohne Kontaktbeschränkung nicht allzu lange auf sich warten lässt. Dann darf er wieder kommen, der Fuhrmann, der die heiße „Ladung“ bringt.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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