SZ

"TIL" produziert in neuem Studio
In der Krise neu erfunden

Dennis, Eniz und Jona (v. r.) sind angekommen. In ihrem neuen Tonstudio produzieren sie nicht nur eigene Songs, sondern auch Tracks für Künstler, die sich im Rock- und Pop-Bereich bewegen.
  • Dennis, Eniz und Jona (v. r.) sind angekommen. In ihrem neuen Tonstudio produzieren sie nicht nur eigene Songs, sondern auch Tracks für Künstler, die sich im Rock- und Pop-Bereich bewegen.
  • Foto: Yvonne Clemens
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

yve Wenden. „Das fehlt uns“, sagt Dennis Wurm, Sänger und Gitarrist der heimischen Band „TIL“. Auf der Bühne stehen, bestrahlt von Scheinwerfern, das Herz klopft, dann der Blick ins Publikum, brandender Applaus, das Klatschen der Hände, das wie Starkregen klingt. Die Fans kennen die Texte, singen mit, möchten mehr von Dennis, Eniz und Jona hören. Ihre Begeisterung euphorisiert, genau in diesen Momenten wissen die Jungs aus dem Raum Wenden – „Musik ist unser Leben!“

Im Sommer ist ihr letzter Live-Auftritt. Sie sind Teil des Musikfestivals „Indian Summer“ in Elspe, reihen sich in die Riege namhafter Akteure wie „Gentleman“ und „Milow“ ein. „Dann war Schluss“, blickt Dennis Wurm auf andere Zeiten zurück.

yve Wenden. „Das fehlt uns“, sagt Dennis Wurm, Sänger und Gitarrist der heimischen Band „TIL“. Auf der Bühne stehen, bestrahlt von Scheinwerfern, das Herz klopft, dann der Blick ins Publikum, brandender Applaus, das Klatschen der Hände, das wie Starkregen klingt. Die Fans kennen die Texte, singen mit, möchten mehr von Dennis, Eniz und Jona hören. Ihre Begeisterung euphorisiert, genau in diesen Momenten wissen die Jungs aus dem Raum Wenden – „Musik ist unser Leben!“

Im Sommer ist ihr letzter Live-Auftritt. Sie sind Teil des Musikfestivals „Indian Summer“ in Elspe, reihen sich in die Riege namhafter Akteure wie „Gentleman“ und „Milow“ ein. „Dann war Schluss“, blickt Dennis Wurm auf andere Zeiten zurück. Die SZ trifft ihn zum Interview im Wendener Land, auf einer Industriebrache mit Potenzial und Charme.

Wir gehen über das weitläufige Areal, eine Tür zu Räumen öffnet sich, die einer gemütlichen Wohnung gleicht – ein knallrotes Sofa, eine Shisha auf dem Tisch, ein Dartbrett an der Wand. Wäre da nicht jede Menge Equipment – Mikrofone, Kopfhörer, Laptops, Mischpult und Instrumente. Hier ist der neue Arbeitsplatz von „TIL“. Lange haben die Vollblutmusiker nach einem geeigneten Tonstudio gesucht, gaben sich zuletzt mit Noträumlichkeiten in Olpe und in Wenden zufrieden. Jetzt ist die Band angekommen, noch rechtzeitig, um sich während der nicht enden wollenden Pandemie mit Produktionen auch für andere Künstler über Wasser zu halten.

Die Kulturszene ist gebeutelt, „wann wir wieder auftreten können, ist noch völlig unklar“, sagt Dennis Wurm, der mit seinen Bandkollegen die auftrittsfreie Zeit für das Arbeiten am Debütalbum nutzt. Das soll noch im Sommer erscheinen.

Freunde seit der Kindheit

Die Gruppe kennt sich seit Kindheitstagen, schon damals spielt Musik eine gewichtige Rolle – sie sind „TIL“ und stehen gerade vor einem Karriere-Neustart. Ihre erste EP „Wir fangen gerade erst an“ mit sechs Songs ist veröffentlicht, ihr erstes Album mit deutschen Texten entsteht inmitten der Krise und nimmt sich der aus ihr gewachsenen Sorgen, Ängste und Nöte an. „Generation Depression“ ist der Titel des Soundtracks. Er greift Probleme der heutigen Jugend auf mit all ihren Facetten – innere Leere, Trostlosigkeit, Druck in sozialen Medien bis zum Suizid.

An Verträge ist „TIL“ nicht mehr gebunden. „Das macht frei“, weiß Dennis Wurm. Die Band hat sich neu erfunden, ihr Sound ist anders, düsterer als zuvor und mit Texten, die aus der Seele sprechen sollen. Das Label Igroove funktioniert dabei als Vertrieb, alles weitere bleibt Sache von „TIL“. Der Track „Paranoid“ ist eine komplette Eigenproduktion, vom Songwriting bis hin zum Dreh des Musikvideos, aufgenommen über mehrere Monate nachts auf dem alten Fabrikgelände. Nicht umsonst stehen auch Betten in einem der Nebenzimmer des neuen Tonstudios. „Ich hoffe, dass wir langfristig hier bleiben können“, so der 23-Jährige.

"Haben nicht lockergelassen"

Ein passendes Objekt zu finden, sei alles andere als einfach gewesen. „Wir haben nicht lockergelassen.“ Immer wieder kontaktiert „TIL“ die Gemeinde Wenden und bittet um Unterstützung. Das führt letztendlich zum Erfolg. Bürgermeister Bernd Clemens und dessen Mitarbeiterin Nicole Williams aus dem Rathaus bieten ihnen eine großzügige Einheit auf dem früheren Fabrikgelände an, welches seit 2018 zur weiteren Vermarktung komplett im Besitz der Gemeinde ist. Einzige Voraussetzung: Die Band muss die Räume selbst auf Vordermann bringen. „Das neue Tonstudio ist das beste, was wir je hatten“, freut sich Dennis Wurm. Die Gemeinde zeige sich sehr kooperativ, „sie möchte junge Künstler unterstützen“.

Gerade während der Pandemie kommt „TIL“ dieser räumliche Fortschritt zugute. Nach ihrem Abitur touren sie von Schule zu Schule, mit „TIL my school“ erweitern sie ihren Bekanntheitsgrad im Nu. „2017/2018 hatten wird 150 Auftritte.“ Dennis, Jona und Eniz beteiligten sich im Zuge der „Krieg’-deinen-Arsch-Hoch“-Kampagne zudem an über 20 „Fridays-for-Future“-Kundgebungen. Bis zu 100 Konzerte sollten folgen. Mitten auf dem steilen Anstieg der Karrierekurve fährt der Tourbus aber nur noch bis zum Studio. Dennis, Jona und Eniz leben von ihrer Kunst, in Zeiten von Corona ein schweres Unterfangen. „Wir machen zurzeit Nebenjobs.“

Förderprogramm als "Rettung"

Dennis gibt zum Beispiel Musikunterricht. Und das neue Tonstudio offeriere jetzt eine zusätzliche Einnahmequelle mit Fremdproduktion im Rock- und Popbereich. „Gerettet“, so der Sänger, „hat uns aber das Förderprogramm ,Initiative Musik’“, eine zentrale Fördereinrichtung der Bundesregierung und der Musikbranche für die deutsche Musikwirtschaft. Schwerpunkte der Programme und Projekte sind die Unterstützung von Newcomern sowie der Ausbau nachhaltiger Strukturen für Rock, Pop und Jazz.

Dennis Wurm: „Wir haben uns bei der Initiative erfolgreich beworben.“ Grund für die Förderzusage sind die Inhalte des Albums „Generation Depression“, in dem die Band sich ernster Themen annimmt, die mitunter die Folgen der Corona-Krise thematisieren. „TIL“ fokussiert sich intensiv auf die Fertigstellung, das verdränge auch die Gedanken an die vielen gestrichenen Live-Gigs, die neu terminiert werden müssten. Wann der Tourbus seinen derzeitigen Dauerparkplatz gen Bremen, Berlin, Essen, Siegen und Hamburg verlässt, bleibt also ungewiss.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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