Gemeinderat befasst sich mit Verkehrssituation
Interessengemeinschaft Gerlingen übt deutliche Kritik

Am vielbefahrenen nördlichen Ortseingang von Gerlingen macht die Interessengemeinschaft ihrem Unmut auf Transparenten Luft. Vor der Sondersitzung des Gemeinderats übt sie Kritik an Beschlussvorschlägen der Verwaltung.
  • Am vielbefahrenen nördlichen Ortseingang von Gerlingen macht die Interessengemeinschaft ihrem Unmut auf Transparenten Luft. Vor der Sondersitzung des Gemeinderats übt sie Kritik an Beschlussvorschlägen der Verwaltung.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

hobö Gerlingen/Wenden. Im Vorfeld der Sondersitzung des Wendener Gemeinderats, die am Mittwoch, 28. April, um 17.30 Uhr in der Aula der Gesamtschule beginnt und sich einzig der Verkehrssituation in Gerlingen widmet, hat die Interessengemeinschaft „Besser leben in Gerlingen“ (BliG) eine durchaus kritische Stellungnahme zu den Sitzungsunterlagen der Gemeindeverwaltung verfasst. Wie die SZ ausführlich berichtete, liegen die Ergebnisse der Verkehrsflussanalyse vor.

Kreisel kein Thema mehr

Das Gutachten wird in der Sitzung detailliert erläutert. Die Gemeindeverwaltung hat einen mehrteiligen Beschlussvorschlag für den Gemeinderat erarbeitet, der in den Reihen der Gerlinger Interessengemeinschaft auf Gegenwehr trifft und zu besagter Stellungnahme geführt hat.

Bau von Kreisverkehren in Gerlingen soll nicht weiter verfolgt werden

So wird in der Sitzungsvorlage vorgeschlagen, den Bau von Kreisverkehren nicht mehr zu verfolgen. „Für uns lässt sich das aus der Analyse nicht zwingend ableiten“, schreibt die Interessengemeinschaft – vertreten durch Ortsvorsteher Benjamin Hacke (Sprecher), Ludger Alfes, Karl-Josef Luke und Jürgen Simon. So sei die negative Begründung für die Knotenpunkte Koblenzer Straße/Elbener Straße sowie Koblenzer Straße/Kreuztaler Straße/Bahnhofstraße trotz völlig unterschiedlicher Örtlichkeit vollkommen identisch. Das werfe Fragen auf.

Bislang wurde von offizieller Seite stets gesagt, dass ein Kreisverkehr an der Zufahrt ins Industriegebiet „Auf der Mark“ (Koblenzer Straße/Ludwig-Erhard-Straße) wegen der Topographie sowie der nahen Brückenpfeiler der Autobahn 45 nicht möglich sei. Dies sieht „BliG“ anders. Man habe einen Kreisel in den Maßen des Rothemühler Kreisels in die Pläne projiziert. „Danach erscheint auch dort eine Kreisellösung möglich“, so die Interessengemeinschaft. „Wir sind gerne bereit, diese Variante näher zu erläutern.“

In Olpe führen Kreisverkehre zu gutem Verkehrsfluss

Kritisch hinterfragt „BliG“: „Warum soll jetzt beschlossen werden, dass der Umbau der Knoten in Kreisverkehre nicht weiter verfolgt wird, obwohl eine abschließende verbindliche Prüfung noch nicht erfolgt ist?“ In vielen Städten hätten sich Kreisverkehre als Lösung für einen guten Verkehrsfluss bewährt. So sorgten beispielsweise in Olpe auf der Hauptverkehrsachse acht Kreisverkehre für reibungslose Verkehrsabläufe. Die Interessengemeinschaft wünscht, dass die Kreisverkehre weiter verfolgt werden.

In der Sitzungsvorlage würden „richtigerweise“ kleine Verbesserungen zur Entlastung vorgeschlagen, wie Optimierung der Ampelschaltung und Verlegung der Bushaltestelle bei „Netto“. Weitere konkrete Maßnahmen müssten in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen folgen.

Umgehung als massive Entlastung für Gerlingen

Kritisch bewertet die Gemeinschaft, dass „Tempo 30“ nicht auf der Agenda stehe, obwohl bereits im Lärmaktionsplan 2013 ausgeführt werde: „Dazu kann als erste, schnell und kostengünstig umzusetzende Maßnahme angedacht werden, die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h zu begrenzen. Eine derartige Maßnahme bewirkt eine Pegelabnahme um ca. 2,5 dB(A) gegenüber einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Dies entspricht einer Abnahme des Verkehrsaufkommens um ca. 44 Prozent.“

Als „zielführendste Maßnahme“ wird die Umgehungsvariante genannt, die zu einer mindestens 40-prozentigen Entlastung der Ortsdurchfahrt führen könne. Hier bemängeln Gerlinger Bürger, dass eine Umgehungsstraße unter dem Vorbehalt der Umsetzung des Gewerbegebietes „Ruttenberg“ stehe und an mehrere Bedingungen geknüpft werde. Zum einen sei sie abhängig von einer 70-prozentigen Landesförderung und zum anderen, dass sich die Kommunen Olpe und Kreuztal daran beteiligen. „Eine derartige Kopplung halten wir für nicht sachgerecht, da aufgrund der aktuellen Verkehrssituation sofortiger Handlungsbedarf für eine Umgehung besteht. Dies wird auch durch das Gutachten bestätigt“, schreibt „BliG“ und fragt: „Was passiert wenn das Gewerbegebiet nicht realisiert wird? Gibt es einen Plan B?“

"Für uns Gerlinger völlig inakzeptabel"

Im Zusammenhang mit dem interkommunalen Gewerbegebiet „Ruttenberg“ werde immer wieder das Jahr 2035 genannt. „Eine solche Zeitplanung ist für uns Gerlinger völlig inakzeptabel. Ein zumutbarer Zeitpunkt wäre die Umsetzung im Zusammenhang mit dem sechsstreifigen Ausbau der A 45 im Jahr 2025.“ Die Interessengemeinschaft moniert ferner, dass immer auf die Bürgerbefragung hingewiesen werde, in der sich eine Mehrheit gegen eine „Ortsumgehung“ ausgesprochen hat. Diese „Umgehung“ hätte aber nicht am Ort vorbeigeführt, sondern hätte Wohngebiete durchschnitten und wäre bereits auf der Kreuzung „Gerlingermühle“ wieder auf die Koblenzer Straße gestoßen. Seitdem seien Bemühungen, die Verkehrssituation zu verbessern, regelmäßig mit der Begründung „ihr hattet eure Chance und wolltet die Umgehung nicht“ zurückgewiesen worden. „Wir Gerlinger finden es nicht fair, uns die Ablehnung dieses zweifelhaften Umgehungsangebotes immer wieder vorzuhalten – zumal die Verkehrszahlen seitdem um mehr als 20 Prozent gestiegen sind und durch die Amazon-Ansiedlung nochmals um 20 Prozent steigen werden.“

Absage an "Amazon-Ampel"

Abschließend weist „BliG“ darauf hin, „dass der Wohlstand der Gemeinde überwiegend auf den Gewerbeansiedlungen in und um Gerlingen basiert. Es ist jetzt an der Zeit, etwas zurückzugeben. Wir finden, dass auch wir Gerlinger, wie alle anderen Ortsteile der Gemeinde, einen Anspruch auf gesunde Wohn- und Lebensverhältnisse haben. Da müssen wirtschaftliche Argumente zurückgestellt werden. Wir bitten alle Fraktionen unser Anliegen zu unterstützen.“

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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