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Wie erlebt eine elfköpfige Familie die Coronazeit?
Jeder gemeinsame Spaziergang ist ein Regelverstoß

Ist die elfköpfige Familie geschlossen unterwegs, verstößt sie gegen die Corona-Schutzverordnung.
  • Ist die elfköpfige Familie geschlossen unterwegs, verstößt sie gegen die Corona-Schutzverordnung.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

hobö Wenden. „Die neuen Corona-Regeln sind ungefähr so lustig wie ein Pflasterstein, der einem an den Kopf geworfen wird“, philosophierte dieser Tage ein Bürger aus der Gemeinde Wenden. Schön, wenn manche dennoch den Humor nicht verlieren. So wie Yvonne und Florian Jung. Die Eheleute aus Wenden haben neun Kinder und spüren die Pandemie-Restriktionen sehr viel spezieller als kleine Familien oder gar Einzelpersonen. Gleichwohl nehmen sie viele Dinge oder gar Erschwernisse mit einer beeindruckenden Prise Humor.
Mehr als zehn Personen nicht erlaubtDie im „Wendschen“ gleichermaßen bekannte wie geschätzte Großfamilie bekäme bei strenger Auslegung der seit Montag geltenden Corona-Schutzverordnungen bereits Ärger, wenn sie geschlossen in die Öffentlichkeit träte.

hobö Wenden. „Die neuen Corona-Regeln sind ungefähr so lustig wie ein Pflasterstein, der einem an den Kopf geworfen wird“, philosophierte dieser Tage ein Bürger aus der Gemeinde Wenden. Schön, wenn manche dennoch den Humor nicht verlieren. So wie Yvonne und Florian Jung. Die Eheleute aus Wenden haben neun Kinder und spüren die Pandemie-Restriktionen sehr viel spezieller als kleine Familien oder gar Einzelpersonen. Gleichwohl nehmen sie viele Dinge oder gar Erschwernisse mit einer beeindruckenden Prise Humor.

Mehr als zehn Personen nicht erlaubt

Die im „Wendschen“ gleichermaßen bekannte wie geschätzte Großfamilie bekäme bei strenger Auslegung der seit Montag geltenden Corona-Schutzverordnungen bereits Ärger, wenn sie geschlossen in die Öffentlichkeit träte. Das wird mit einem Blick auf die Homepage des Kreises Olpe deutlich. Dort ist folgende Formulierung hinsichtlich der verschärften Regeln zu lesen: „Treffen im öffentlichen Raum sind nur noch mit den Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes gestattet. Mehr als zehn Personen sind aber auch in diesen Fällen nicht erlaubt.“

Wer zahlt die Strafe?

Noch Fragen? Florian Jung hat eine: „Wenn meine Frau und ich mit unseren neun Kindern in der Öffentlichkeit einen Nachbarn treffen, wer von uns Zwölfen muss dann die Strafe zahlen? Werden dann zwei ausgelost? Das könnte lustig werden – oder teuer...“ Und selbst, wenn die Familie beim gemeinsamen Spaziergang niemanden träfe, machte sie der vorstehenden Formulierung entsprechend etwas Verbotenes.

Gemeinde Wenden sieht Ermessensspielraum

Wolfgang Grimstein, Leiter des Fachdienstes Ordnung bei der Gemeinde Wenden, bestätigt, dass die Verordnung „keine Ausnahmen zulässt“. Normalerweise wäre in dem beschriebenen Fall ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten. „Aber“, so Grimstein, „wir in Wenden würden vernünftig damit umgehen, in einem solchen Fall haben wir sicher einen Ermessensspielraum.“
Ähnlich sieht dies Michael Klein, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Olpe. „Ich kann auf die Frage keine allgemeingültige Antwort geben, ich denke aber, hier würden wir von einer Bestrafung absehen.“ Im Grunde sei die Polizei ja ohnehin nicht zuständig, die Einhaltung der Coronaregeln zu überprüfen. Gleichwohl führen die Kollegen mit offenen Augen Streife und würden auch mit Augenmaß Hinweise geben. Und wenn die Ordnungsämter der Städte und Gemeinde mal nicht greifbar seien, würde die Polizei natürlich Amtshilfe leisten, so Klein.

Regeln für Großfamilie nicht klar

Aber zurück zur Großfamilie. Michael Färber, Leiter des Fachbereichs Jugend, Gesundheit und Soziales beim Kreis Olpe, findet die Frage, ob eine Großfamilie für sich schon zu groß sein könnte für ein Treffen in der Öffentlichkeit, „sehr interessant“, zumindest sei dies unklar geregelt. Jede neue Verordnung werfe neue Fragen auf, daher habe er auch schon andere Fragen an die Landesregierung gestellt. 
Alle neun Kinder der Familie Jung – im Alter von neun bis 20 Jahren – leben mit ihren Eltern unter einem Dach. „Da fragen wir uns schon, was wir dürfen und was nicht“, so Florian Jung zur SZ. Wenn man die Oma in Schönau besuche und mit drei Autos vorfahre, wecke das Aufsehen – insbesondere in diesen Zeiten. Und es komme durchaus häufiger vor, dass alle elf Familienmitglieder zusammen rausgingen, zum Beispiel zum Spaziergang mit den Hunden.

Jeder Einkauf gleicht "Hamsterkauf"

Auch abseits verschärfter Bestimmungen spürt eine Großfamilie herausfordernde Folgen dieses sogenannten Lockdowns light oder der noch strikteren Beschränkungen im Frühjahr. Bei Familie Jung nämlich gleicht jeder Einkauf einem der in die Kritik geratenen „Hamsterkäufe“. Wenn sie entsprechend der eigenen Bedürfnisse Mehl, Nudeln oder Toilettenpapier in den Wagen hievt, kann es zu kritischen Situationen mit anderen Kunden oder gar Bediensteten kommen. „In Wenden allerdings nicht“, wiegelt Florian Jung ab. „Hier kennt man uns. Uns haben die Angestellten der örtlichen Supermärkte auch schon angeboten, wichtige Dinge für das tägliche Leben zurückzulegen, aber das wollen wir eigentlich nicht. Wir sind ja gewohnt, unsere Vorräte vernünftig zu planen.“

"Fit wie eine Referendarin"

Das Thema Homeschooling, oder besser Hausunterricht, lieferte der Familie Jung ebenfalls besondere Herausforderungen frei Haus. „Ich vermisse das Homeschooling", betont Yvonne Jung mit einem Augenzwinkern. „Ich war inzwischen fit wie eine Referendarin.“ Kein Wunder, da sieben der neun Kinder zur Schule gehen, zwei weitere absolvieren zurzeit ihre Ausbildung. Das führte im Frühjahr dazu, dass die Familie Jung mit unterschiedlichsten Formen des Hausunterrichts konfrontiert wurde. Denn die Grundschule Hünsborn, der Grundschulverbund „Wendener Land“, die Gesamtschule Wenden, das St.-Franziskus-Gymnasium Olpe sowie die Berufsschule Hagen bevorzugten jeweils verschiedene Systeme des Unterrichts zuhause – mal mehr per E-Mail, mal per Whatsapp-Nachrichten oder doch mit mehr Papier. „Unser Drucker stand jedenfalls kurz vor der Explosion“, lacht Yvonne Jung. Jedenfalls seien gleich mehrere Druckerpatronen sowie Unmengen an Papier vonnöten gewesen, den Unterrichtsstoff den Vorgaben entsprechend auszudrucken.

Langeweile ausgeschlossen

Trotz der zwangsläufig mannigfaltigen Kontakte der elf Familienmitglieder zu anderen Personen, ist die Familie Jung bislang von einer Quarantäne-Anordnung verschont geblieben. Würde jemand aus der Familie infiziert, so Yvonne Jung, wäre die Kontaktnachverfolgung für das Gesundheitsamt bei gleich elf Personen sicherlich kein Zuckerschlecken. Zudem könnte vermutlich gleich ein gesamter Lkw vorfahren, um die Familie im Falle einer Quarantäne mit den nötigsten Dingen fürs Leben zu versorgen. „Am besten“, so die neunfache Mutter, „sollten wir uns das ,Narrenschiff’ der Schönauer Karnevalisten leihen und damit durch die komische Zeit fahren.“
Selbst ein tagelanges Zuhausebleiben würde im Hause Jung eines ganz sicher nicht liefern: Langeweile.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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