Karnevalverein schrieb Geschichte

Mit Travestie-Star »Miss Isabell« wurde jede bisherige Prunksitzung in den Schatten gestellt

rudi Schönau. Solch lange Beine hat Pastor Heiner Diehl wohl selten gesehen. In anmutigen »Pumps« und im schrill-glitzernden Kleid räkelte sich »Miss Isabell« am Samstagabend ausgerechnet auf dem Tisch, an dem die Wendener Geistlichkeiten und Bürgermeister Peter Brüser Platz genommen hatten. Und wer den verrückten Travestie-Künstler bis dato noch nicht kannte, der sollte ihn nach der großen Prunksitzung, die am Samstag im Festzelt stattfand, nie mehr vergessen. »Miss Isabell« alias Peter Franke entpuppte sich als einer der besten Entertainer, den die Schönauer je »an Land gezogen« haben. Er versetzte die ohnehin schon »tobende« Menge in den absoluten Ausnahmezustand.

»Muss ich irgendwem hier etwas zu meiner Erscheinung erklären, oder wisst ihr Bescheid«, hauchte der Comedy-Star bereits zu Beginn seiner fast dreißigminütigen Schau in das Mikrofon. Spätestens da wurde selbst den erfahrensten Jecken klar, wer da auf der Bühne stand. Den begeisterten Gästen sollte keine Verschnaufpause mehr gegönnt sein – jetzt hieß es: Klatschen, singen und tanzen, »was das Zeug hält«. Doch Schaustar und Publikum lagen absolut auf der gleichen Wellenlänge – das musste sich auch Peter Franke eingestehen, als er quasi zum »Aufwärmen« einige bekannte Werbesongs anstimmte. Bei jedem Stichwort johlte die Menge aus vollem Halse die Texte mit und legte den Grundstein für einen grandiosen Abend. Selbst den »ausgekochtesten« Narren, wie Sitzungspräsident Peter Schmidt und seiner Truppe, dürften angesichts der gelungenen Darbietungen die Lachmuskeln fast gerissen sein. Vor allem auf »ihre Lieblichkeit«, Prinzessin Tina II., hatte es der verrückte Akteur abgesehen. Neben Rosen und netten Blicken überhäufte er die Tollität jedoch auch mit frechen Sprüchen – die allerdings immer betont scherzhaft waren. Ein echtes Narrenherz versteht eben Spaß. Deshalb war die Schönauer Prinzessin dem »lustigen Gesellen« wohl kaum böse, als er sie als »Saufziege« betitelte – immerhin wurde diese kleine Gemeinheit gleich durch ein nettes Kompliment wieder wett gemacht: »Du bist schöner als Frau Feldbusch«, schallte es Tina II. entgegen.

Doch auch die Gäste sollten die »Wucht« der Miss zu spüren kriegen. »Haben sie jemanden verloren? Sie laufen hier so planlos rum«, richtete Peter Franke das Wort an eine Dame im Zelt, nachdem er das Publikum gerade noch aufgefordert hatte, »mit dem linken Arm an das Ohrläppchen des Nachbarn« zu fassen. »Sieht das schön bescheuert aus«, amüsierte sich »Miss Isabell« über das ihr gebotene Bild. Und auch die Besucher konnten sich vor Lachen kaum noch auf den Stühlen halten. Mit diesem Künstler hatten die Schönauer nun wirklich alles übertroffen, was sie bisher im Programm hatten. Ein wahrer Glücksgriff war es, den Travestie-Star früh auf das Parkett zu lassen – die Stimmung im Zelt kannte nach seinem Auftritt kein Halten mehr.

Keinem geringeren als Geschäftsführer Thomas Dröscher – die »gute Seele« des Karnevalvereins – war das Arrangement dieser Stimmungskanone zu verdanken. Er hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ein erstklassiges Programm zusammenzustellen. Für die stetige Arbeit im »Hintergrund« wollten dem Geschäftsführer auch seine Kollegen vom Karnevalverein einmal Dank sagen – ohne das Wissen Dröschers sollte dieser mit einem Orden bedacht werden. Leicht verdutzt schritt Dröscher deshalb zur Bühne, als Peter Schmidt samt Ehrenpräsident Seppel Kleine die Auszeichnung ankündigte. Zuvor hatte Dröscher selber noch die Orden angereicht, die Prinzessin Tina II. – die natürlich nebst ihrem Mitregenten Fred I. auf der Bühne saß – sowie dem Kinderprinzenpaar Florian II. und Natalie II. übergeben wurden.

Vor allem die Gäste dürften dem Votum des Vorstands absolut zugestimmt haben: Das Programm rief Jung und Alt wieder ins Gedächtnis, wie Karneval richtig gefeiert wird. Die »Stimmungsraketen«, die immer wieder zwischen den einzelnen Darbietungen »gezündet« wurden, nahmen von Mal zu Mal zu. »Ein Atömchen mehr« – wie Peter Schmidt sagen würde – und der Geräuschpegel hätte jede Sirene in den Schatten gestellt. Da war es selbstverständlich, dass nicht nur die Schönauer Aktiven – Konfettis, Blaue Funken, Rote Funken, Männerballett und Tanzsterne – immer wieder gerne aufs Parkett stürmten, auch in Nachbarkreisen ist die Sitzung in Schönau aufgrund dieser Stimmung immer wieder beliebt. Eine Ehre war es daher auch den »Jokel Fliegers« und »Jokel Singers« aus Wilnsdorf und dem »Mann für alle Feste«, mit von der Partie zu sein. Letzterer nahm in seinem Rollenspiel unter anderem Inge Meisel und Kanzler Schröder aufs Korn.

Eine wirklich einmalige Sitzung, die natürlich auch einmalig enden sollte. Wann stehen Rote und Blaue Funken schon einmal zusammen auf der Bühne? Samt Solomariechen Sonja Stentenbach läuteten die Garden mit ihrem flotten »WDR-Tanz« das Finale eines Abends ein, mit dem die Schönauer wohl Geschichte geschrieben haben. Im Umkreis von mehreren Kilometern dürften den Bürgern wohl heute noch die Lachmuskeln schmerzen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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