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"Ich gebe nicht auf"
Krankenkasse lehnt Kostenübernahme für Rampe ab

"Ich möchte einfach mal aufzeigen, mit welchen schwierigen Situationen wir Tag für Tag konfrontiert sind", sagt Sabine Weiss, die seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt.
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  • "Ich möchte einfach mal aufzeigen, mit welchen schwierigen Situationen wir Tag für Tag konfrontiert sind", sagt Sabine Weiss, die seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt.
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yve Wenden. Es ist regnerisch, der Boden aufgeweicht. Das hält Sabine Weiss und eine Freundin nicht davon ab, ihre Pferde zu satteln und auszureiten. Die Frauen treiben die Tiere nicht an, im Schritt geht es voran. Plötzlich stolpert der Isländer von Sabine Weiss. Sie fällt vom Pferd, ihr Kopf stößt gegen den einzigen Baum weit und breit. „Ich lag auf dem Boden, ich habe meine Beine nicht mehr gespürt“, blickt die 58-Jährige auf den Unfall zurück.

Die 58-Jährige sitzt seit einem Reitunfall im RollstuhlSechs Jahre sind seither vergangen. Sabine Weiss ist gelähmt, kann sich nur mit einem Elektrorollstuhl bewegen. Immer wieder sieht sie sich mit bürokratischen Hürden und auch Gesetzen konfrontiert. „Ich bin zum Glück klar bei Sinnen und kann mich zur Wehr setzen.

yve Wenden. Es ist regnerisch, der Boden aufgeweicht. Das hält Sabine Weiss und eine Freundin nicht davon ab, ihre Pferde zu satteln und auszureiten. Die Frauen treiben die Tiere nicht an, im Schritt geht es voran. Plötzlich stolpert der Isländer von Sabine Weiss. Sie fällt vom Pferd, ihr Kopf stößt gegen den einzigen Baum weit und breit. „Ich lag auf dem Boden, ich habe meine Beine nicht mehr gespürt“, blickt die 58-Jährige auf den Unfall zurück.

Sabine Weiss in ihrer Wohnung mit Carmen Kill, einer der Beschäftigten, die die 58-Jährigen im Alltag unterstützen. Hund Paul sitzt auf der Terrasse, dort, wo Sabine
Weiss noch nie war. Sie benötigt eine Rampe, auch, um im Notfall gerettet werden zu können.
  • Sabine Weiss in ihrer Wohnung mit Carmen Kill, einer der Beschäftigten, die die 58-Jährigen im Alltag unterstützen. Hund Paul sitzt auf der Terrasse, dort, wo Sabine
    Weiss noch nie war. Sie benötigt eine Rampe, auch, um im Notfall gerettet werden zu können.
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Die 58-Jährige sitzt seit einem Reitunfall im Rollstuhl

Sechs Jahre sind seither vergangen. Sabine Weiss ist gelähmt, kann sich nur mit einem Elektrorollstuhl bewegen. Immer wieder sieht sie sich mit bürokratischen Hürden und auch Gesetzen konfrontiert. „Ich bin zum Glück klar bei Sinnen und kann mich zur Wehr setzen.“ Und das könnten viele in ihrer Situation eben nicht. „Ich möchte einfach mal aufzeigen, mit welchen schwierigen Situationen wir Tag für Tag konfrontiert sind.“ Derzeit kämpft Sabine Weiss um eine Rampe, die Kostenübernahme habe die AOK Nord/West abgelehnt, auch den Widerspruch als unbegründet zurückgewiesen. „Ohne Rampe komme ich im Brand- oder Notfall nicht aus meiner Wohnung.“

Weiss ist in vielen Bereichen auf Hilfe angewiesen

Zudem ist die 58-Jährige auf Unterstützung im Haushalt, in der Freizeit und bei der Pflege angewiesen, und das rund um die Uhr. Die Beschäftigen arbeiten bei Sabine Weiss in drei Schichten auf 450-Euro-Basis oder in Teilzeit. Die Stellen besetzt zu bekommen, gestaltete sich mitunter schwer. Aktuell sucht die 58-Jährige wieder nach einer Aushilfe, nutzt dafür auch Facebook-Portale. „Ich bin aber guter Dinge“, jemand habe sich gemeldet. „Aber es gibt immer wieder Fluktuation.“ Viele hätten eine falsche Vorstellung von den Aufgaben, „dabei sind wir eine lustige Gruppe, spielen auch Karten und unternehmen Spaziergänge mit dem Hund“.

Die Diagnose: Genickbruch

Sabine Weiss berichtet der Siegener Zeitung von den zurückliegenden Jahren und ihrer Wohnsituation. Nach dem tragischen Unfall sei sie mit dem Rettungswagen ins Jung-Stilling-Krankenhaus nach Siegen gebracht worden, „dann das MRT und die Schreckensnachricht Genickbruch. Ich musste sofort notoperiert werden“. Zehn Stunden lag Sabine Weiss im Operationsraum, das Ärzteteam stabilisierte die gebrochenen Wirbel mit einem Schrauben-Platten-System. „Ich konnte danach fast nichts mehr, nur noch leicht zwei Finger bewegen.“ Zehn Monate verbrachte die 58-Jährige in einem Reha-Krankenhaus. In einem Zimmer mit zwei weiteren Patientinnen, „damit man sich nichts antut“.

Ehe zerbrach durch den Unfall

Als der Zeitpunkt der Entlassung nähergerückt sei, sei ihr oft gesagt worden, „das klappt schon“. „Doch dann kommst du nach Hause und nichts klappt.“ Ihre Ehe habe der Belastung irgendwann nicht mehr Stand gehalten. Sabine Weiss verließ das gemeinsame Haus. Es folgte eine intensive Wohnungssuche. „Das war sehr schwierig“, bilanziert die 58-Jährige. „Wohnraum gibt es hier ja nicht wie Sand am Meer, und behindertengerechten schon gar nicht.“ In Wenden sei sie schließlich fündig geworden.

Ohne Rampe kein Zugang zur Terrasse

Sabine Weiss lebt jetzt in einer Eigentumswohnung, die sie zum Teil mit dem Erlös aus ihrer Unfallversicherung finanzieren konnte. Sie wohnt im Untergeschoss, erreicht ihre Wohnung mit dem Aufzug. Das Treppenhaus, das sich gabele, sei für einen behindertengerechten Rettungsweg einfach zu eng. „Die Lösung des Problems ist eine Rampe, über die ich auf die Terrasse fahren oder gefahren werden kann.“ Von dort aus wäre ein Abtransport relativ einfach. „Ich war generell noch nie auf meiner Terrasse“, bedauert Sabine Weiß. „Wenn ich mit Freunden grille, schaue ich vom Fenster aus zu.“

Ich möchte einfach
mal aufzeigen, mit welchen schwierigen Situationen
wir Tag für Tag
konfrontiert sind.
Sabine Weiss
seit einem Unfall im Rollstuhl

Antrag wurde von der AOK angelehnt

Die AOK Nord/West begründet ihre Ablehnung für die 979,76 Euro teure Rampe, die fertig im Sanitätshaus liegt, unter anderem damit, „dass die individuellen Wohnverhältnisse nicht berücksichtigt werden können“. Weiter heißt es in dem mehrseitigen und auch durch Urteile untermauerten Schreiben: „Durch die Versorgung mit einer Rampe wird die Pflege nicht erleichtert, keine Beschwerden gelindert oder eine selbstständigere Lebensführung erleichtert.“

Wie die AOK selbst aufführe, so Sabine Weiss, zähle zu den Indikatoren eines Hilfsmittels jedoch die „Erschließung eines alltagsrelevanten Wohnumfeldes“. Dazu gehört für die Wendenerin in jedem Fall ihre Terrasse. Viel wichtiger sei es ihr aber, im Notfall gerettet werden zu können. Gegen den Bescheid der AOK kann Sabine Weiss jetzt Klage beim Sozialgericht in Dortmund einreichen. „Ich gebe nicht auf“, sagt sie voller Entschlossenheit. „Mein Kampf geht weiter.“

"Ich möchte einfach mal aufzeigen, mit welchen schwierigen Situationen wir Tag für Tag konfrontiert sind", sagt Sabine Weiss, die seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt.
Sabine Weiss in ihrer Wohnung mit Carmen Kill, einer der Beschäftigten, die die 58-Jährigen im Alltag unterstützen. Hund Paul sitzt auf der Terrasse, dort, wo Sabine
Weiss noch nie war. Sie benötigt eine Rampe, auch, um im Notfall gerettet werden zu können.
Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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