Kunibert Koch nun Ehrendirigent

Männerchor »Sangelust« nahm Abschied und feierte bei 130. Geburtstag eine Premiere

rudi Hünsborn. 130 Jahre Männerchor »Sangeslust« Hünsborn – und ein ganzes Dorf gratulierte. Der große Konzertabend, den die Sängergemeinschaft am Samstagabend anlässlich des runden Geburtstages veranstaltete, wird den Gästen und Beteiligten lange in Erinnerung bleiben. Auch, weil er eine Schnittstelle in der Vereinshistorie markierte. Letztmals standen die Sänger nämlich mit ihrem bisherigen Chorleiter Kunibert Koch auf der Bühne, der sein Amt im August dieses Jahres Musikdirektor Michael Rinscheid überließ. Doch die Fußspuren des »Mozarts« sind nach wie vor unverkennbar. So war es nicht verwunderlich, dass man »Kuni« unter großen Beifallsbekundungen an diesem Abend zum Ehrendirigenten ernannte.

Als Kunibert Koch zur Bühne gerufen wurde, erfolgte minutenlanger Applaus: Bis in den letzten Winkel war die Halle mit Besuchern gefüllt – ein Anblick, der nur wenigen Vereinen bei deren Veranstaltungen vergönnt ist. Dem Männerchor »Sangeslust« jedoch immer wieder, und das nicht grundlos. Er ist schließlich neben den Kollegen aus Oberveischede der einzige Verein im hiesigen Kreis, der es vermochte, gleich siebenmal den Meisterchor-Titel einzuheimsen. Die letzten zwei Auszeichnungen dieser Art gingen dabei auf das Konto von Kunibert Koch. Zwölf Jahre hatte er die musikalische Leitung bei dem Chor inne und forderte die große Sängerschar immer wieder zu Höchstleistungen heraus.

Der ohnehin hervorragende Ruf des Chores wuchs in dieser Zeit einmal mehr, so dass »Kuni« kaum noch aus den Reihen der »Sangeslust« wegzudenken war. Doch der Wechsel kam: Im August legte »Mozart« ––wie Kunibert Koch in Hünsbnorn gern genannt wird – den Grundstein zum musikalischen Ruhestand und gab sein Amt an Musikdirektor Michael Rinscheid ab. Trotz allem sind dessen Verdienste um den Verein und die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Chor unvergessen –– nicht nur aus Sicht der Sänger.

Frenetische Begeisterungsstürme brandeten auf allen Publikumsrängen auf, als Kunibert Koch am Samstagabend noch einmal zu den 60 Aktiven des Geburtstagschores auf die Bühne schritt. Fast peinlich berührt schien das langjährige »Markenzeichen« der »Sangeslust« die Ehrung und den nicht enden wollenden Beifall aufzunehmen. Doch der durch den Vorsitzenden Markus Arns ausgesprochene Dank schien allen aus dem Herzen zu sprechen, die Ernennung zum Ehrendirigenten nur allzu gerechtfertigt. »Du hast uns gefeilt, geführt und begeistert«, betonte Markus Arns. Das Stimmbild, das die Aktiven des Männerchores dem Publikum anschließend präsentierten, untermalte das einmal mehr.

Brillant in Intonation und Melodik, stimmgewaltig wie eh und je und mit einem einmaligen Einfühlungsvermögen schmetterten die Sangeslustigen die Lieder von der Bühne – zum letzten Mal unter der Leitung Kunibert Kochs, ebenso jedoch auch erstmalig beim eigenen Konzert unter der Leitung Michael Rinscheids. »Ich hoffe, dass wir auch unter deinem Dirigat an die Erfolge der Vorgänger anknüpfen werden«, hatte Markus Arns das Wort zuvor noch an den neuen Dirigenten gerichtet. Die Vorstellung in der Dorfgemeinschaftshalle gab dieser Hoffnung besten Nährboden. Denn auch mit dem jungen Nachfolger harmonierten die Sänger allemal – auch wenn es rein optisch doch gewöhnungsbedürftig war, den grauen Haarkranz des »Mozarts« missen zu müssen.

Dem Wechsel am Dirigentenstab konnte man trotz allem schon zum jetzigen Zeiptunkt viel Gutes abgewinnen. Die Vorträge unter seiner Führung wussten nämlich nicht nur zu begeistern, sondern ebenso mitzureißen. Elanvoll präsentierte man sich unter anderem mit Spirituals und Gospels, die Zuhörer und Sänger gleichermaßen dazu verführten, im Takt mitzuwippen. Ebenso stellte Theo Wurm hervorragende Solo-Qualitäten vor.

Die Aktiven der »Sangeslust« sollten jedoch auch selbst Zeit finden, auf den runden Geburtstag anzustoßen und sich dem familiären Ambiente in der Halle hinzugeben. Daher hatte man fünf weitere Chöre geladen, die ebenfalls für beste Unterhaltung und erstklassigen Chorgesang sorgten: Neben dem Hünsborner Pfarr-Cäcilienchor sowie dem örtlichen Quartettverein »Zwölf Räuber« gaben sich auch der Junge Chor Rüblinghausen, der Männerchor »VocalArt« Ottfingen sowie der MGV »Eintracht« 1905 Nentershausen die Ehre. Nach rund zwei Stunden ging damit zumindest aus rein musikalischer Sicht ein Abend zu Ende, der im doppelten Sinne in die Analen des Vereins eingehen dürfte. Zum einen weil mit ihm ein großer Geburtstag gefeiert wurde, zum anderen weil man einem langjährigen Weggefährten endgültig Lebewohl sagte – und das auf die wohl schönste Weise: Mit einem wundervollen, farbenprächtigen Konzert, das begeisterte und bewegte.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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