LANUV schlägt in Wenden Alarm
Landwirte fordern dringend Aufklärung der Phosphor-Belastung

Christoph Schürholz und Bernd Eichert (v.  l.) erwarten Antworten vom LANUV. Weiterhin soll nach anderen möglichen Ursachen für die Phosphor-Belastung geforscht werden.
  • Christoph Schürholz und Bernd Eichert (v. l.) erwarten Antworten vom LANUV. Weiterhin soll nach anderen möglichen Ursachen für die Phosphor-Belastung geforscht werden.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

yve Ottfingen. „Ich musste mich erstmal hinsetzen.“ Nebenerwerbslandwirt Bernd Eichert aus Bebbingen erhielt einen Anruf von einem Kollegen, der eine Mitteilung der Landwirtschaftskammer in den Händen hielt. Darin wird informiert, dass das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) Nordrhein-Westfalen fast die ganze Gemeinde Wenden zu einem eutrophierten Gebiet im Zulaufbereich der Bigge erklärt hat. Nur Bereiche um Hillmicke und Rothemühle bis Heid sind nicht davon betroffen. „Das kann doch gar nicht sein“, hört Eichert am anderen Ende der Leitung.

Phosphor findet als Nährstoff in der Landwirtschaft Anwendung

Wer kein Landwirt ist, dem kann die Bezeichnung „eutrophiertes Gebiet“ spanisch vorkommen. Sie bedeutet eine Phosphor-Belastung in Gewässern. Phosphor ist ein Nährstoff, den Landwirte in Form von Dünger dem Boden zuführen. Zu viel davon wirkt sich negativ auf die Umwelt auf. Das soll in der Gemeinde nun der Fall sein, und nicht nur das. „Auch die Stadt Drolshagen ist betroffen“, hält Eichert fest. Regionen mit Belastung durch Phosphor-Einträge („gelbe Gebiete“) hat das LANUV im Rahmen der Umsetzung der Düngeverordnung seit Kurzem kartographisch ausgewiesen (www.elwasweb.nrw.de).
„Das können wir nicht nachvollziehen, was haben wir falsch gemacht?“, fragt Eichert. Auch Nebenerwerbslandwirt Christoph Schürholz findet keine Erklärung. Seine Nutzflächen unterlägen schließlich regelmäßigen Kontrollen – „absolut nichts Auffälliges“. Auffällig sei etwas ganz anderes, so der Hünsborner. Auf dem Internportal werde auch die Qualität des Wassers anhand der Daten von Messstellen bewertet, die im „gelben Gebiet“ liegen. Und hier fassen sich Eichert und Schürholz an den Kopf. Die Wasserqualität werde als sehr gut ausgewiesen. „Wie kann das sein?“, wundern sie sich. „Auf welchen Grundlagen basieren die Werte? Wir möchten aufgeklärt werden.“

Landwirte nehmen die Ausführungen des LANUV nicht hin

Die Wasserreinhaltung hat bei den beiden Landwirt hohes Gewicht. „Wenn tatsächlich von uns die Einträge zugeführt worden sind, dann arbeiten wir auch an einer Beseitigung“, so Eichert. „Doch uns wird ein Problem geliefert, dass es augenscheinlich gar nicht gibt.“ Zumal auf die Landwirte mit Flächen in „gelben Gebieten“ einschneidende Maßnahmen zukämen. Eichert: „Wir müssen vor jeder Ausbringung von organischen und organisch-mineralischen Düngemitteln Analysen unserer Düngemittel erstellen lassen und uns alle drei Jahre einer weiteren Sachkunde-Schulungsmaßnahme zu diesem Thema unterziehen.“ „Dabei sind die Auflagen eh schon hoch“, ergänzt Schürholz. Kein Landwirt düngt mehr, als er muss. Das koste schließlich Geld.
„Wir möchten uns nicht wieder den schwarzen Peter zuschieben lassen“, so Eichert. Er habe sich unmittelbar nach Bekanntwerden des „gelben Gebiets“ mit Christoph Schürholz zusammengesetzt, um über weitere Schritte zu beraten. „Wir waren uns schnell einig – so einfach nehmen wir das nicht hin.“ Eine Art Arbeitskreis mit weiteren Unterstützern wurde gebildet und ein Maßnahmenplan ergriffen. Der sieht vor, das Thema transparent zu machen, was mit dem kurzfristig organisierten Pressegespräch am Freitagmorgen an der Großmicke in Ottfingen seinen Anfang nahm.
Eichert: Wer von belasteten Gebieten lese, der könne schnell eine Bombe platzen lassen – zum Nachteil der Landwirte. „Das wollen wir verhindern, und zwar im Vorfeld.“ Daher ist auch Landrat Theo Melcher mit ins Boot geholt worden. „Wir haben einen Fragenkatalog ins Kreishaus geschickt.“

Welche Ursachen kommen noch für die Phosphor-Belastung infrage?

Interessanterweise seien die Grenzen für die eutrophierten Gebiete genau bis zum Zufluss aller gemeindlichen Flüsse in die Bigge festgelegt. Die Bigge selbst verlaufe dann durch Gerlingen mit entsprechender Verdünnungskraft durch die zahlreichen Zuflüsse wie Wende und Großmicke mit den dahinter gelagerten zufließenden Fließgewässern und Gräben. „Nur kurz verlaufende Flüsse wie Elbe, Trombach und Trömbach scheinen nicht belastet zu sein. Wenn also Wende und Großmicke als Sammler aller vorgelagerten Fließgewässer in die Bigge verlaufen, sollte dort auch ein erhöhter Phosphatgehalt enthalten sein, der durch die große Verdünnung möglicherweise nicht nachweisbar ist“, heißt es in dem Anschreiben an Melcher. Mit der Anfrage möchten Eichert und Schürholz im Namen des CDU-Gemeindeverbandes bewirken, dass nach möglichen Ursachen der erhöhten Phosphor-Werte gesucht wird, die nicht nur oder gar nicht aus der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung stammen.

Viele Fragen an Landrat Theo Melcher

„Wer ist zuständig für die Wasserqualitätsanalysen der Fließgewässer Großmicke und Wende inklusive der vorgelagerten Zuläufe? Gibt es im Bereich der Fließgewässer bekannte Verstöße gegen das Wasserhaushaltsgesetz, Einleitstellen aus dem gemeindlichen oder Ruhrverbands-Kanalnetz in den Fließgewässern oder können Fäulnissprozesse in stillgelegten Weihern im Zulaufbereich der Bigge bei Vahlberg und im Bereich der Großmicke bei Hünsborn mit für einen erhöhten Phosphor-Wert verantwortlich sein? Ist sichergestellt, dass Altdeponien wie zum Beispiel in Ottfingen durch Undichtigkeiten und Regenauswaschungen für das Phosphor-Problem verantwortlich sein können?“, ist ein Auszug der Fragen im Schreiben an Theo Melcher.
„Der Landrat hat sofort reagiert“, so Eichert, eine Fachbehörde überprüfe jetzt Inhaltliches. „Wir werden uns auch an einen Tisch setzen.“ Auf Antworten aus dem Ministerium warten die Initiatoren hingegen noch. Sie erwarten eine nachvollziehbare Begründung für die ausgewiesenen „gelben Gebiete“. „Wir Landwirte stellen uns dem Thema!“

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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