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Wasser als knappes Gut
Landwirtschaftlicher Kreisverband zieht ernüchternde Erntebilanz

Die Bauern der Region haben derzeit keinen Grund zum Jubeln. Wasser wird zum knappen Gut.
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  • Die Bauern der Region haben derzeit keinen Grund zum Jubeln. Wasser wird zum knappen Gut.
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sz/win Wendenerhütte. Mäßige Grasernte auf Grünland, eine ordentliche Getreideernte bei schlechten Preisen und ein Wegsterben der Fichte – zum Jubeln ist den heimischen Landwirten derzeit nicht zumute. Am Mittwoch zogen Vertreter des Landwirtschaftlichen Kreisverbands bei einem Pressegespräch auf dem Hof Kaufmann in Wendenerhütte Bilanz. „Hohe Futterkosten bei einem stagnierenden Milchpreis machen den Milchbauern zu schaffen. Die Freude über eine durchschnittliche Getreideernte wird durch niedrige Preise gedämpft, und der Verkauf von Fleisch an die Gastronomie ist durch Corona-Auflagen sehr zurückgegangen.“ Und die schlimmste Katastrophe spiele sich direkt vor den Augen ab: „Der Wald im Sauerland stirbt.

sz/win Wendenerhütte. Mäßige Grasernte auf Grünland, eine ordentliche Getreideernte bei schlechten Preisen und ein Wegsterben der Fichte – zum Jubeln ist den heimischen Landwirten derzeit nicht zumute. Am Mittwoch zogen Vertreter des Landwirtschaftlichen Kreisverbands bei einem Pressegespräch auf dem Hof Kaufmann in Wendenerhütte Bilanz. „Hohe Futterkosten bei einem stagnierenden Milchpreis machen den Milchbauern zu schaffen. Die Freude über eine durchschnittliche Getreideernte wird durch niedrige Preise gedämpft, und der Verkauf von Fleisch an die Gastronomie ist durch Corona-Auflagen sehr zurückgegangen.“ Und die schlimmste Katastrophe spiele sich direkt vor den Augen ab: „Der Wald im Sauerland stirbt.“ Michael Richard, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Olpe, schöpft nur deshalb Hoffnung, weil „kein anderer Berufszweig so mit Wandel zurechtkommt wie wir Landwirte“.

Corona wirkt sich positiv auf Direktvermarktung aus

Positiv ausgewirkt habe sich die Corona-Krise auf die Direktvermarktung. Hier hätten viele Verbraucher dankbar auf die Angebote heimischer Landwirte zurückgegriffen, hier werde ausgebaut und erweitert.
Besondere Sorgen macht ihm die Grasernte. „Im dritten Jahr in Folge führte die Trockenheit zu Problemen bei der Grundfutterversorgung der Rinder. Daher muss Futter zugekauft werden, und das oft von weither, weil es in der Nähe keine Überschüsse gibt. Daher können die Betriebe keine Reserven mehr für das nächste Jahr anlegen.“
Alle drei Grasschnitte hätten mindestens 20 Prozent weniger Ertrag gebracht, seien aber zumindest von guter Qualität gewesen. Der vierte und der in manchen Jahren mögliche fünfte Schnitt seien praktisch komplett ausgefallen. Richard hofft, dass die derzeitigen Niederschläge anhalten und so vielleicht im Oktober, so kein Bodenfrost einsetzt, noch etwas Wachstum auf die Wiesen bringen könnte.

Wasser wird zum knappen Gut

Besser die Situation beim Mais, der wie Grünschnitt auch als Grundfutter für Rinder dient. Er wurzelt bis zu 2 Meter tief und kann daher besser an Wasser gelangen als die Gräser, die 20 oder 30 Zentimeter lange Wurzeln bilden. Da viel Niederschlag in Form von Gewitterregen niederging, ist allerdings die Verteilung im Kreis sehr unterschiedlich erfolgt und daher sind die Erträge auch stark vom Standort abhängig. Bernd Eichert, stellv. Vorsitzender des Kreisverbands: „Hier hat sich herausgestellt, dass das Wasser der begrenzende Faktor ist und die Witterungsverhältnisse örtlich sehr unterschiedlich waren und somit auch örtlich unterschiedliche Erträge zustande gekommen sind. Wasser wird knapp, für Tiere, für Menschen und jetzt auch nicht mehr nur für die Landwirtschaft. Für die Zukunft der Betriebe müssen wir kleinstrukturierter flächenspezifisch handeln, das Risiko auf verschiedene Pflanzen verteilen. Das heißt, unsere Anbausysteme dem Klimawandel durch Diversifizierung anpassen.“ Eine Möglichkeit sei, Grünland zu Ackerland zu machen: „Durch den Anbau von Futtergetreide können wir die Situation etwas entspannen.“

Kritik am Grünlandumbruchverbot

Damit das aber möglich wird, muss etwas verändert werden: das Grünlandumbruchverbot. Was in anderen Gegenden segensreich wirkt, weil ansonsten Maisplantagen bis an den Horizont reichen würden, ist in fast reinen Grünlandregionen wie Südwestfalen überflüssig. Eichert: „Wir versuchen hier, Lösungen zu finden, sind aber in ein Korsett geschnürt, das uns die Flexibilität nimmt.“ Daher werde derzeit auch auf allen Ebenen – angefangen beim Kreis als Untere Landschaftsbehörde bis hinauf zur EU – daran gearbeitet, hier Lockerungen zu ermöglichen. Georg Jung, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbands, erklärte, dass es hier bei reinen Bio-Betrieben etwas einfacher werden dürfte, konventionell arbeitende Landwirte hingegen noch dickere Bretter zu bohren hätten.
Ein Beispiel für die Risikoverteilung ist der Bauernhof, auf dem das Pressegespräch stattfand: Die Familie Kaufmann hat die Bereiche Rindermast und Jungbullenaufzucht um eine Pferdepension erweitert (die SZ berichtete ausführlich) und sich somit breiter aufgestellt – mit großem Erfolg: Für die Pferdepension liegt mittlerweile eine zweistellige Warteliste vor.

Der Masterplan Bei der landesweiten Erntedank-Pressekonferenz vor vier Wochen hatte der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands, Hubertus Beringmeier, die Notwendigkeit eines Masterplans für Südwestfalen öffentlich gemacht. Nun liegen die Eckpunkte vor und sollen in den Winterversammlungen der Landwirte mit allen Mitgliedern in den Bergregionen diskutiert werden. Er gehe maßgeblich auf Vorschläge und Forderungen aus dem Kreis Olpe zurück, so der Kreisverband. Unter anderem soll die Möglichkeit zum Anbau von Futtergetreide auf Grünland darin festgeschrieben werden. Abgestorbene Fichtenwälder sollen landwirtschaftlich zwischengenutzt werden können, um eine frühere Wertschöpfung als bei einer reinen Wiederaufforstung zu ermöglichen. Und drittens soll die Mutterkuhhaltung als ökologisch sinnvolle und landschaftspflegerisch angenehme Form der Gründlandnutzung an Bergstandorten durch Unterstützungsmaßnahmen gefördert werden. „Der Wald braucht die Übernahme der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung. Diese Umweltkatastrophe kann nicht den Waldbauern allein überlassen werden“, heißt es in dem Papier.
Die Bauern der Region haben derzeit keinen Grund zum Jubeln. Wasser wird zum knappen Gut.
Zogen gestern Bilanz unter die Erntesaison (v. l.): Bernd Eichert, Tobias Kaufmann, Andrea Kaufmann, Hildegard Hansmann-Machula, Michael Richard und Georg Jung vom Landwirtschaftlichen Kreisverband.
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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