SZ

Entlastungsstraße für Gerlingen
„Mit aller Macht“ für die Ortsumgehung

Die rote Linie zeigt die geplante Trasse für die Ortsumgehung von Gerlingen. Sie führt im Süden über die Ludwig-Erhard Straße ins Gebiet „Auf der Mark“, dann südlich vom Autobahnkreuz unter der A 45 hindurch zur Koblenzer Straße. Die schwarze Linie zeigt die Gemeindegrenze zwischen Wenden und Olpe sowie der in Pink eingefasste Bereich das geplante Gewerbegebiet „Ruttenberg“.
  • Die rote Linie zeigt die geplante Trasse für die Ortsumgehung von Gerlingen. Sie führt im Süden über die Ludwig-Erhard Straße ins Gebiet „Auf der Mark“, dann südlich vom Autobahnkreuz unter der A 45 hindurch zur Koblenzer Straße. Die schwarze Linie zeigt die Gemeindegrenze zwischen Wenden und Olpe sowie der in Pink eingefasste Bereich das geplante Gewerbegebiet „Ruttenberg“.
  • Foto: Gemeinde Wenden
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

hobö Gerlingen. „Das ist ja gut gelaufen“, bilanzierte Kalli Luke am späten Mittwochabend. Der Vertreter der Interessengemeinschaft „Besser leben in Gerlingen“ (BliG) bezog sich auf die soeben beendete, fast vierstündige Sondersitzung des Wendener Gemeinderats, der ausschließlich Gerlinger Themen behandelte – und hier insbesondere die Verkehrsbelastung und das anvisierte interkommunale Gewerbegebiet „Ruttenberg“.

Die wichtigste und nachhaltigste Entscheidung galt der Ortskernentlastungsstraße für Gerlingen. Die klare Botschaft: Die Ortsumgehung für Gerlingen muss nun schleunigst kommen – und das „mit aller Macht“, wie beispielsweise UWG-Fraktionschef Thorsten Scheen formulierte.

hobö Gerlingen. „Das ist ja gut gelaufen“, bilanzierte Kalli Luke am späten Mittwochabend. Der Vertreter der Interessengemeinschaft „Besser leben in Gerlingen“ (BliG) bezog sich auf die soeben beendete, fast vierstündige Sondersitzung des Wendener Gemeinderats, der ausschließlich Gerlinger Themen behandelte – und hier insbesondere die Verkehrsbelastung und das anvisierte interkommunale Gewerbegebiet „Ruttenberg“.

Die wichtigste und nachhaltigste Entscheidung galt der Ortskernentlastungsstraße für Gerlingen. Die klare Botschaft: Die Ortsumgehung für Gerlingen muss nun schleunigst kommen – und das „mit aller Macht“, wie beispielsweise UWG-Fraktionschef Thorsten Scheen formulierte. Einstimmig beschloss der Rat jedenfalls, dass „zur Optimierung der Verkehrssituation in der Ortsdurchfahrt Gerlingen eine Umgehungsstraße den größten Effekt hat. Die Umsetzung wird auch unabhängig von der Erschließung des Gewerbegebiets ,Ruttenberg’ weiterverfolgt. Besondere Beachtung gilt bei der Planung den Knotenpunkten mit der Landesstraße 512.“

Was lange währt...

Dieser Beschluss klingt holprig und in seiner Aussage womöglich gar nicht so klar. Doch die Redebeiträge insbesondere von Bürgermeister Bernd Clemens machten deutlich, dass nun endlich mit allen Kräften eine Ortskernentlastungsstraße für Gerlingen verwirklicht werden soll. Damit würde die seit Jahrzehnten bestehende, aber nie von Erfolg gekrönte Forderung nach einer Verlagerung des Verkehrs aus dem drittgrößten Ort der Gemeinde Wenden umgesetzt.

Dem Beschluss voran ging die Vorstellung der umfangreichen Verkehrsflussanalyse für die Ortsdurchfahrt Gerlingen, die das Ingenieurbüro IVV Aachen/Berlin durchgeführt hat und deren Ergebnisse die SZ bereits vor einer Woche zusammenfasste. Das Gutachten stellten die IVV-Ingenieure Sylke Schwarz und Reiner Vollmer in der Ratssitzung per Liveschaltung detailliert und gut verständlich vor. Ohne hier in die Details zu gehen, stand am Ende das klare Fazit von Reiner Vollmer: „Es ist fast egal, welche Systeme und Einzelmaßnahmen wir ausprobieren, die Koblenzer Straße und ihre Knotenpunkte mit anderen Straßen sind schlichtweg überlastet.“ Die Gesamtsituation punktuell zu verbessern, sei jedenfalls nicht möglich.

Ortsumgehung das einzige Mittel

Somit bestätigte er das, was eigentlich alle wissen: Nur eine Ortsumgehung kann die Situation auf der jetzt schon von mehr als 20 000 Fahrzeugen belasteten Koblenzer Straße (Landesstraße 512) inmitten von Gerlingen verbessern. Und da im nächsten Frühjahr der Onlineversandhändler Amazon sein Verteilzentrum im Industriegebiet „Auf der Mark“ bei Gerlingen in Betrieb nehmen möchte, kommen nochmals bis zu 4200 Fahrzeugbewegungen hinzu, von denen laut Gutachten etwa 2000 durch Gerlingen fahren dürften.

Außerdem taucht am Planungshorizont das Gewerbegebiet „Ruttenberg“ auf, das mit einer anvisierten Größe von 70 Hektar rein rechnerisch weitere 6000 bis 7000 Fahrzeugbewegungen auslöst, von denen wiederum viele den Ort Gerlingen belasten dürften.

Ein Kernproblem für eine Gerlinger Lösung sind die verschiedenen Straßenbaulastträger. So ist der Landesbetrieb Straßenbau NRW für die Koblenzer Straße und alle Veränderungen auf und an ihr zuständig. Für die Autobahnen 4 und 45, die bei einer Ortsumgehung ebenfalls eine Rolle spielen, der Bund. Und bei der Entwicklung des „Ruttenberg“ spielt der Regionalrat der Bezirksregierung Arnsberg eine gewichtige Rolle.

"Wir haben keine Zeit zu verlieren"

CDU-Fraktionsvorsitzender Martin Solbach schlug vor, die Analyseergebnisse zunächst in den Fraktionen zu beraten und dann im Juni entsprechende Beschlüsse zu fassen. Doch dann ergriff Bürgermeister Bernd Clemens das Wort und hatte Neues zu berichten. „Wir haben keine Zeit zu verlieren.“ Denn CDU-Landtagsabgeordneter Jochen Ritter aus Olpe habe kürzlich zu einer Videokonferenz mit den Bürgermeistern von Olpe, Kreuztal und Wenden sowie unter anderem NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) eingeladen. Das Ergebnis, so Clemens, sei die Ankündigung des Verkehrsministers, dass das Land eine Umgehungsstraße zu 70 Prozent fördere, wenn sich die Gemeinde Wenden mit den Städten Olpe und Kreuztal für eine Entlastungsstraße in kommunaler Trägerschaft entscheiden würde.

Dann könnte das Vorhaben bereits im Herbst bei den Mittelbereitstellungsgesprächen des Landes eingeplant werden. „Daher muss eine Machbarkeitsstudie so schnell wie möglich in Auftrag gegeben werden“, forderte Bürgermeister Bernd Clemens den Rat zur Unterstützung auf. „Wir als Gemeinde“, erklärte Clemens, „sind bereit, die Ortsumgehung als kommunale Straße auch zu tragen, wenn ,Ruttenberg’ nicht kommt.“ Bei von Straßen NRW prognostizierten Kosten von rund 10 Millionen Euro für die Umgehungsstraße (vgl. nebenstehenden Kasten) blieben bei 70-prozentiger Förderung des Landes rund 3 Millionen Euro von den drei Kommunen zu tragen. Komme „Ruttenberg“ nicht, verblieben nach Rechnung des Wendener Bürgermeisters vermutlich 3 Millionen für die Gemeinde Wenden als Eigenanteil.

Vor diesem Hintergrund stimmte der Rat am Mittwochabend unter einem weiteren Tagesordnungspunkt mehrheitlich dafür, ein externes Ingenieurbüro mit den Untersuchungen für die Entlastungsstraße zu beauftragen.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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