Pflegefrei und doch persönlich
Neue Rasen-Erdgräber auf Hillmicker Friedhof

Fleißige Helfer beim Einsatz: Der katholische Friedhof wird mit viel ehrenamtlichem Einsatz gepflegt.
2Bilder
  • Fleißige Helfer beim Einsatz: Der katholische Friedhof wird mit viel ehrenamtlichem Einsatz gepflegt.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

win Hillmicke. Viel Arbeit hat die katholische Kirchengemeinde St. Antonius von Padua investiert, um den Friedhof weiterzuentwickeln. Wie überall in Deutschland, ist auch in Hillmicke ein Trend erkennbar, der mit der zunehmenden Mobilität zusammenhängt: Kinder ziehen aus dem Dorf weg, und wenn die Eltern dann in ihrem Heimatdorf versterben, entsteht schnell die Frage, wer die Grabpflege stemmt. Nachdem in früheren Zeiten ausschließlich klassische Erdgräber für Sargbestattungen nachgefragt wurden, entstand auch in Hillmicke der Wunsch, Bestattungsformen auswählen zu können, die den Angehörigen zwar eine Anlaufstelle zur Erinnerung an die verstorbenen Angehörigen bieten, aber nicht mit Pflegeaufwand verbunden sind.

Eine zentrale Gedenkstätte

Zunächst wurden pflegefreie Urnengräber angeboten: Die Urne wird hier in einer Wiese auf dem Friedhof beigesetzt und mit einer Granit-Namenstafel versehen. Später kamen analog dazu ebensolche Gräber für die Sargbestattung dazu. Doch besteht bei beiden Grabarten ein Nachteil. Denn das Abstellen von Grablichtern oder das Niederlegen von Blumen ist nicht vorgesehen. Um die Grabpflege einfach zu halten, sind die Platten so verlegt, dass der Friedhofsgärtner mit dem Rasenmäher über sie hinwegfahren kann. Jede Blume, jedes Grablicht würde diesen Vorgang stören.
Bei den Urnen-Rasengräbern entstand daher eine zentrale Gedenkstätte, an der die Angehörigen eine Kerze für ihre Lieben anzünden oder ein Gesteck abstellen können – dieses Angebot wird stark nachgefragt. Als nun die Reihe mit den Sarg-Rasengräbern an die Grenze ihrer Kapazität kam, machte sich der Kirchenvorstand Gedanken, wie weiter verfahren werden könne. Und da gelegentlich ein Blick in die Nachbarschaft hilfreich ist, fiel den Hillmickern ein Vorbild aus Hünsborn auf. Unmittelbar neben der Friedhofskapelle stand ein Gräberfeld nach Ende der 30-jährigen Ruhezeit zur Einebnung an. Die darüber befindliche Bruchsteinmauer war abgängig. Und hier ergab eins das andere: Die Stützmauer wurde erneuert – und pro darunter möglichem Grab wurde ein Stein aus der Mauer herausgeführt. Wie ein kleiner Tisch, bietet dieser Stein nun die Möglichkeit, ein Grablicht abzustellen oder eine Blume, einen Erinnerungsstein oder andere Erinnerungsstücke abzulegen, die Angehörige ihrer Oma, dem Ehemann oder der guten Freundin aufs Grab legen möchten. Grabplatten gibt es hier nicht mehr: An der Mauer wird neben dem vorgezogenen Stein eine Metallplatte mit den Lebensdaten der Verstorbenen angebracht, und zwar in einheitlicher Form, geschmückt mit dem neuen Kreuz, das auch am Pfarrheim angebracht worden ist.

Pflegefrei aber trotzdem persönlich

13 Gräber haben unterhalb der Mauer Platz, und wenn Norbert Gipperich, geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstands, und Roland Grunau, der sich um die Verwaltung des Friedhofs kümmert, die ersten Rückmeldungen aus dem Dorf hochrechnen, dann wird die neue Bestattungsform, eben pflegefrei, aber dennoch persönlich und mit individuellem Schmuck zu versehen, stark nachgefragt. Wenn die erste Reihe vollläuft, soll eine zweite Mauer gebaut werden, die dann das restliche Gräberfeld in zwei zusätzliche Reihen mit zusammen 26 Gräbern aufteilt. Obwohl Eigentum der katholischen Kirchengemeinde, steht der Hillmicker Friedhof nicht nur Katholiken offen. Wie Norbert Gipperich im Gespräch mit der SZ erklärte, können auf diesem sogenannten Monopolfriedhof konfessionsunabhängig alle Einwohner von Hillmicke, Wendenerhütte, Büchen, Huppen und Schwarzbruch bestattet werden.
Doch nach der Fertigstellung dieses Abschnitts hört die Arbeit nicht auf. Als nächstes steht an, unliebsame Besucher vom Friedhof fernzuhalten. Denn so gern der Hillmicker Kirchenvorstand es sieht, wenn Menschen den Friedhof aufsuchen, so gern möchten sie vierbeinige „Gäste“ fernhalten: Rehe, die sich über die Zierpflanzen hermachen und wegfressen, was nicht niet- und nagelfest ist. Ein 1,20 Meter hoher Maschendrahtzaun war zu niedrig, „Da springen die Rehe praktisch aus dem Stand drüber“, hat Roland Grunau überrascht festgestellt. Flatterband und Duftmarken halfen nicht. Nun soll ein 1,80 Meter hoher Wildzaun gesetzt werden, der den Friedhof dort schließen soll, wo die Hecke zu niedrig ist. Dies soll noch diesen Monat abgeschlossen sein und die liebevoll geschmückten Gräber vor den tierischen Attacken sicher machen.

Fleißige Helfer beim Einsatz: Der katholische Friedhof wird mit viel ehrenamtlichem Einsatz gepflegt.
Die alte Bruchsteinmauer (oben im Bild) war abgängig und wurde nach dem Einebnen des Gräberfelds erneuert. Die neue Stützmauer ist 18 Meter lang und ermöglicht die Anlage von 13 pflegefreien Rasengräbern, die den Angehörigen durch die auskragenden Steine über jedem Grab eine Möglichkeit eröffnen, jedem Grab durch Grablicht oder Blumen eine persönliche Note zu geben.
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen