Neuigkeiten und Geheimnisse

Im Gewölbekeller: Uralter Fußboden aus Gründertagen der Wendener Hütte entdeckt

win Wendenerhütte. Eine Entdeckung von großer historischer Bedeutung kann sich der Wendener Architekt Josef Theile auf die Fahnen schreiben. Theile ist damit beauftragt, als Architekt und Städteplaner den Neubau des Besucherzentrums der Wendener Hütte zu beaufsichtigen, das er auch geplant hat. Im Zuge dieser Arbeiten wird auch das ehemalige Dampfkesselhaus saniert und neu gestaltet. Dieses Haus wurde in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf einen uralten Keller neu aufgebaut. Besagter Keller wird derzeit saniert. Das Gewölbe soll in das Besucherzentrum einbezogen werden. Der Fußboden bestand aus drei Abschnitten: Vorn und hinten im Keller lag eine etwa fünf Zentimeter dicke Betonschicht unbekannten Alters auf einer Schlackeschicht. Dazwischen war ebenfalls Beton, allerdings auf einer Ziegel-Rollschicht. Der Beton war vom Zahn der Zeit sehr mitgenommen. Eigentlich sollte eine neue, gut zehn Zentimeter dicke Betonschicht eingebaut werden, die die alten Untergründe komplett überdeckt hätte, um darauf ein Natursteinpflaster zu verlegen. Doch Josef Theile hatte keine Ruhe: »Ich hatte irgendein Gefühl, besser mal darunter nachzusehen.«–Er fuhr einen Minibagger in den Keller und hob die Beton- und Schlackeschicht ab. Was darunter zum Vorschein kam, ließ ihm den Atem stocken: ein perfektes Pflaster aus Polygonalplatten, quasi wie neu und durch die Beton-Überdeckung geschützt und konserviert. Theile rief sofort den Hillmicker Karl Heinz Kaufmann an, der als Vorsitzender des Förderkreises Wendener Hütte und Autor der »Chronik der Wendener Hütte«–einer der profundesten Kenner der Anlage ist. Kaufmann war wie Theile der Meinung: »Freilegen. Unbedingt.«–Gesagt, getan. Mitarbeiter der Firma Gustav Koch aus Wenden holen den Beton und die Ziegelschicht heraus.

Als das Schlackebett im hinteren Bereich herausgeschippt wurde, kam die nächste Überraschung zutage: Im Boden lag ein metallenes Leitungsrohr mit einem Abgang nach oben. Karl Heinz Kaufmann sah sich dadurch in seiner Vermutung bestätigt, dass der Betonboden eingebaut wurde, als die Wendener Hütte längst nicht mehr in Betrieb war. »Der Keller war wohl Standort einer Dampflokomobile, die über Transmission die Strumpfstrickerei im ehemaligen Erzlager angetrieben hat«, so Kaufmann. Dafür spräche die Ziegelschicht unter dem mittleren Bodenabschnitt, die die hohe Last der Dampfmaschine tragen musste.

Und noch einmal staunten Kaufmann und Theile: An der hinteren Wand des Kellers, zum Hang gerichtet, befand sich eine aus Ziegelsteinen gemauerte Stütze, die, so dachte Theile zunächst, nachträglich gegen den Bruchstein gemauert worden war, um den Druck des Hangs abzufangen. Bei einer genaueren Betrachtung der Ziegelsteine stellte sich aber heraus, dass hier nicht massiv, sondern u-förmig gemauert worden war. Beim Aufbrechen der Steine rollten Kohlenstücke in großer Zahl aus dem Inneren der »Säule«–heraus. Nach dem Abriss der Ziegel zeigten sich sechs Rohrleitungen, die wohl sämtlich zur Dampfmaschine gehört haben.

Theile ist nun auf der Suche nach Unterlagen, die etwas über die Nutzung des Kellers in der Zeit der Strumpfstrickerei sagen. Ein Schacht, der auf den ersten Blick wie eine Kohlenrutsche aussieht, könnte auch als Durchgang des Transmissionsriemens gedient haben.

Weiterhin hat Theile in den Unterlagen einen alten Brunnen entdeckt. Dieser soll schon vor langer Zeit verfüllt worden sein. Theile sucht diesen Brunnen und will ihn in das Ensemble des Technischen Museums integrieren.

Ad acta gelegt wurde hingegen der Plan, das neue Besucherzentrum auf die Grundmauern der alten, 1898 abgebrannten Faktorei zu bauen. »Ich dachte, wir könnten die Bruchsteine noch gebrauchen«, so Architekt Theile, doch seien diese nur noch an der Vorderseite ansehnlich gewesen und innen komplett brüchig. Als Fundamente für das Besucherzentrum wurden in einem neuen Verfahren Säulen aus extrem verdichtetem Schotter erstellt, die von einer riesigen Anlage in den Boden gedrückt wurden. Die rund 4,8 Meter hohen Säulen stehen nun stabil auf gewachsenem Felsen im schlammigen Erdreich der Biggeauen.

Sie werden bald den neuen Bau tragen, der mit dem alten Dampfkesselhaus verbunden wird und das Eingangstor zum Technischen Museum Wendener Hütte bilden soll. Karl Heinz Kaufmann geriet durch den Fund des alten Fußbodens ins Grübeln. Er fragt sich, ob das Dampfkesselhaus womöglich älter ist als bisher gedacht und unter Umständen zu dem Eisenhammer gehört haben könnte, der vor der Wendener Hütte an deren Stelle gestanden hat.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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