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Antje Hüpper ist neue Küsterin auf der Dörnschlade:
„Ohne Herzblut funktioniert das nicht“

Antje Hüpper aus Möllmicke bearbeitet als neue Küsterin ein breites Aufgabenfeld auf der Dörnschlade. Selbstredend gehört das Entzünden der Kerzen dazu. Foto: hobö
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  • Antje Hüpper aus Möllmicke bearbeitet als neue Küsterin ein breites Aufgabenfeld auf der Dörnschlade. Selbstredend gehört das Entzünden der Kerzen dazu. Foto: hobö
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hobö Dörnschlade. Wer nur kurze Zeit auf dem idyllischen Areal im Schatten riesiger Buchen verbringt, erkennt schnell, welch immense Anziehungskraft die Wallfahrtskapelle Dörnschlade besitzt. Egal zu welcher Zeit und an welchem Tag, stets strömen Einzelpersonen und Gruppen zur Kapelle der Muttergottes auf dem Höhenrücken zwischen Altenhof und Hünsborn. Kaum auszudenken, welchen Verlust es darstellen würde, wäre die Dörnschlade nicht mehr geöffnet.

Nach dem Weggang von Schwester Gertrud Neuser, die mehr als 36 Jahre lang als Seelsorgerin, Küsterin und Hausmeisterin untrennbar mit der Kapelle und deren Besuchern verbunden war, drohte aufgrund der personellen Vakanz eine Einschränkung der Besuchszeiten. Drohte, wären da nicht Antje und Benedikt Hüpper.

hobö Dörnschlade. Wer nur kurze Zeit auf dem idyllischen Areal im Schatten riesiger Buchen verbringt, erkennt schnell, welch immense Anziehungskraft die Wallfahrtskapelle Dörnschlade besitzt. Egal zu welcher Zeit und an welchem Tag, stets strömen Einzelpersonen und Gruppen zur Kapelle der Muttergottes auf dem Höhenrücken zwischen Altenhof und Hünsborn. Kaum auszudenken, welchen Verlust es darstellen würde, wäre die Dörnschlade nicht mehr geöffnet.

Nach dem Weggang von Schwester Gertrud Neuser, die mehr als 36 Jahre lang als Seelsorgerin, Küsterin und Hausmeisterin untrennbar mit der Kapelle und deren Besuchern verbunden war, drohte aufgrund der personellen Vakanz eine Einschränkung der Besuchszeiten. Drohte, wären da nicht Antje und Benedikt Hüpper. Das Ehepaar aus Möllmicke erfüllt den sehnlichsten Wunsch von Schwester Gertrud, ihr Lebenswerk in Ehren zu halten und den unzähligen Pilgern weiterhin den Besuch der Dörnschlade zu ermöglichen. Mit bemerkenswertem Aufwand pflegen die Hüppers nicht „nur“ die gesamte Anlage, sondern gewährleisten mit vielfältigen, aufopferungsvollen Tätigkeiten, dass die so bedeutsame Gebetsstätte für jedermann offensteht – und das an 365 Tagen im Jahr.

Am 1. Mai vergangenen Jahres hatte Schwester Gertrud nach 36 Jahren die Dörnschlade schweren Herzens verlassen. Schlicht und bescheiden hatte sie bis dahin in der kleinen Klause gelebt und dort nicht ausschließlich als Küsterin mit zahlreichen Aufgaben gewirkt, sondern ganz besonders als Ansprechpartnerin, Seelentrösterin, Ratgeberin bei zahllosen Einzelgesprächen und auch als eine Schwester, die mit ihrem unerschütterlichen Glauben vielen Besuchern des Wallfahrtsortes Mut gemacht hat. Nur sechs Wochen nach ihrem Weggang starb Gertrud Neuser im Marienheim in Weidenau, der Verlust ihrer Lebensaufgabe hatte ihr wohl auch die Lebenskraft entzogen. Die jetzige religiöse und spirituelle Ausstrahlung der Dörnschlade ist jedenfalls nicht zuletzt Schwester Gertrud zu verdanken.

Eine Frau, die der enorm geschätzten Klausnerin sehr nahestand, ist Antje Hüpper, Sie ist als Tochter deren Zwillingsbruders die Nichte von Gertrud Neuser. Bereits vor etlichen Jahren begann Antje Hüpper mit ihrem Mann Benedikt, Schwester Gertrud bei deren vielfältigen Aufgaben rund um die Dörnschlade zu helfen. Und letztlich erklärten sich die Eheleute aus tiefster Überzeugung bereit, den Herzenswunsch der Schwester zu erfüllen, nämlich den vielen, vielen Menschen den Besuch der Dörnschlade weiterhin zu ermöglichen.

„Man muss das aus Überzeugung machen“, erläutern Benedikt und Antje Hüpper im Gespräch mit der SZ unisono. „Dies ist eine große Aufgabe, denn es kommen so viele Menschen hierher, um für sich und andere zu beten.“ Nicht allein im Wendener Land ist es ein fest verankerter Brauch, für jemandem in schwieriger Lage eine Kerze auf der Dörnschlade anzuzünden. An einem Tag werden des Öfteren mehr als 300 Wachslichte im Altarraum entzündet, um Gottes Hilfe bzw. jene von Mutter Maria zu erbitten.

Zumeist einzeln, mit der Familie oder in kleinen Gruppen zieht es Menschen an diesen Ort, um ein kurzes Gebet zu halten. Viele Menschen kommen aus dem Wendener Land, aber auch von weit her – katholische Christen sowie Menschen anderer Konfession oder Religion, Menschen festen Glaubens oder suchend, voller Dankbarkeit oder beladen mit großen Sorgen.

Damit dies weiterhin möglich ist, dafür setzen sich die Eheleute Hüpper ein. Antje Hüpper, die am heutigen Samstag ihren 53. Geburtstag begeht, ist inzwischen die offizielle Küsterin der Dörnschlade, die zur St.-Severinus-Kirchengemeinde Wenden gehört, und erhält eine Aufwandsentschädigung. Gleichwohl ist ihr Engagement bemerkenswert und reicht über das eigentlich Geforderte hinaus. Jeden Morgen schließt sie spätestens um 8 Uhr die Marienkapelle auf, um sie erst gegen 19 Uhr wieder abzuschließen – oft auch später, wenn zur dieser Zeit noch Gläubige im Gotteshaus zugegen sind. Nicht selten kommen Gläubige erst gegen Mitternacht. Wer dann nicht nicht mehr in die Kapelle gelangt, hat übrigens die Möglichkeit, an einer außen gelegenen Gebetsstätte zu beten und/oder eine Kerze anzuzünden.

Jeden Tag fegt Antje Hüpper, die gebürtig aus Wilnsdorf stammt, die Kapelle, ein- bis zweimal wöchentlich wird geputzt. Zudem obliegt der Küsterin die Pflege des „Neubaus“ an der Klause, in der ein Aufenthalts- und Besprechungsraum sowie das Lager für hunderte Kerzen sowie für Stühle, Fahnen, Blumenschmuck und die Krippen-Utensilien beheimatet ist. Ferner ist dort die Sakristei mit Messgewändern, Hostien, Messwein, Gebetsbüchern, Kelchen und Kelchtüchern eingerichtet. Auch die ganztätig geöffnete Toilettenanlage findet man hier, deren Reinigung ebenfalls Antje Hüpper obliegt.

Zu den Aufgaben der Küsterin zählt selbstredend die Vorbereitung der Gottesdienste. Die Messgewänder der Geistlichen werden parat gelegt, die sie auch reinigt und bügelt. Das Herrichten des Altartisches und das Platzieren des Blumenschmucks sind weitere obligatorische Tätigkeiten. Ebenso das alltägliche Säubern des Kerzentisches im Altarraum. Benedikt Hüpper, der gebürtig aus Möllmicke stammt und bei der Firma Gebr. Kemper als Anlagenführer arbeitet, hilft seiner Ehefrau ehrenamtlich – insbesondere bei der Pflege des Gartens und beim Herrichten und Anfertigen des Blumenschmucks. Die Eheleute sind seit fast 30 Jahren verheiratet und haben zwei inzwischen erwachsene Töchter im Alter von 21 und 27 Jahren. „Die Familie muss voll dahinter stehen“, freut sich Antje Hüpper über die familiäre Unterstützung. „Gerade im Marienmonat Mai und im Rosenkranzmonat Oktober sehen wir uns fast gar nicht mehr“, umschreibt die Küsterin die zeitintensive Arbeit auf der Dörnschlade.

Mehrmals im Jahr ziehen Gläubige aus den Gemeinden des Pastoralverbundes „Wendener Land“ in Prozessionen zur Dörnschlade, um dort gemeinsam heilige Messe zu feiern. Besonders große Prozessionen finden am Sonntag nach dem 2. Juli (Mariä Heimsuchung) und am Sonntag nach dem 8. September (Mariä Geburt) statt. Auch hier ist die Küsterin aus Möllmicke besonders gefordert.

In diesem Zusammenhang dankt sie Diakon Werner Schrage sowie Ruth Pohl und Manfred Alfes, die häufiger hilfreich zur Seite stehen, ebenso wie ein Team aus Heid, das die großen Rasenflächen auf dem idyllisch gelegenen Kapellengelände gerne und verlässlich mäht.

Dass die coronabedingten Hygiene- und Abstandsregelungen zusätzlichen Aufwand erfordern, ist kein Geheimnis. „Die Vorschriften einzuhalten, bedeutet eine deutliche Mehrarbeit“, erklärt Antje Hüpper.

Generell aber sei die Arbeit sehr schön, versichert die Küsterin. Schließlich sehe man die große Bedeutung der Dörnschlade für alle Besucher. Da gebe es beispielsweise „Stammkunden“, die morgens schon um 6.30 Uhr kommen und gerne das Gespräch suchten. „Sie hat schon einen Fanclub“, ergänzt Ehemann Benedikt mit einer Prise Humor. Man spreche immer von einer Einsiedelei hier oben, führt er fort, doch als solche könne man die Dörnschlade aufgrund der großen Anziehungskraft schon lange nicht mehr betrachten.

Und all die Besucher zeigten große Dankbarkeit, dass die Möglichkeit weiter besteht, die Dörnschlade jeden Tag aufsuchen zu können. „Sehr viele sehen die ganze Arbeit, die dahinter steckt, und sind überaus dankbar“, so Antje Hüpper. Für viele sei die Muttergottes eine Art Brücke zwischen Kirche und Gott.

Schwester Gertrud wurde 1934 in Rudersdorf geboren und trat mit 22 Jahren den Olper Franziskanerinnen bei. Sie arbeitete viele Jahre lang als Erzieherin in verschiedenen Heimen in ganz Deutschland. 1982 folgte sie ihrer Berufung und wechselte zur Eremitengemeinschaft und trat am 1. Januar 1982 den Dienst als Klausnerin auf der Dörnschlade an. Die St.-Severinus-Kirchengemeinde bemüht sich daher um eine Nachfolge insbesondere für die seelsorgerische Arbeit auf der Dörnschlade. Nach Informationen der SZ liegen inzwischen Bewerbungen vor. Was eine mögliche Neubelebung der Klause an der Dörnschlade für Küsterin Antje Hüpper und die ehrenamtliche Tätigkeit ihres Mannes bedeutet, ist noch unklar. Wer genau hinhört, erfährt im Gespräch mit den Eheleuten aber, dass sie gerne bereit sind, das Erbe von Schwester Gertrud weiterhin zu pflegen. Sie leisten ihre Arbeit aus tiefster Überzeugung, denn, so Antje Hüpper: „Ohne Herzblut funktioniert das hier nicht.“

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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