Pflanzenenergie für Auto und Haus

Firmen Nies und Dietrich vertreiben nachwachsende Rohstoffe / Lkw werden umgerüstet

win Gerlingen. Das Gewerbegebiet Ohl in Gerlingen ist auf dem besten Weg, ein Zentrum der regenerativen Energie zu werden. Die alteingesessene Firma Caspar Nies, Kfz-Werkstatt mit dem Schwerpunkt Lastkraftwagen, hat seit dem 1. September ein neues Betätigungsfeld. Zu den bisherigen Inhabern ist Kai Bitzer hinzugekommen. Dieser hat sich bisher in seiner eigenen Firma um die Umrüstung von Lkw und Bussen auf den Betrieb mit Pflanzenöl beschäftigt. Nun wird er sein Know-how in die Firma Nies einbringen, die fortan neben den üblichen Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten an Fahrzeugen auch die Umrüstung auf den umweltfreundlichen und preiswerten kurz »Pöl« genannten Kraftstoff anbietet.

Schon jetzt wird Pöl in 1000-Liter-Transportboxen verkauft. Zudem öffnet Ende Oktober auf dem Gelände der Firma eine 24-Stunden-Pöl-Tankstelle, an der jedermann sein Auto mit dem nachwachsenden Rohstoff auftanken kann. Die Tankanlage ist auch für große Lkw dimensioniert.

Unmittelbar anschließend an die Firma Nies ist der ADAC-Abschleppdienst Dietrich beheimatet. Dieser wird in Kooperation mit Nies einen zusätzlichen Service anbieten: 1000-Liter-Pöl-Behälter, so groß wie Gitterboxen, können von allen Dietrich-Niederlassungen in Gerlingen, Kaan-Marienborn, Bad Berleburg und bald auch Gummersbach ausgeliefert werden. Beispielsweise Taxi- oder Speditionsunternehmen können so auf dem eigenen Betriebshof Pöl tanken. Bereits in Betrieb ist direkt an den Abschleppdienst anschließend ein Holzhackschnitzelwerk. Betrieben wird es von der Firma Holz-Wärme-Technik.

Unter einem riesigen Dach, das auf rohen Baumstämmen ruht, steht eine Häckselanlage, die selbst dicke Baumstämme, vorwiegend aber Durchforstungs- und Restholz in streichholzgroße Schnitzel verwandelt. Dieses Material wird an Betreiber der immer häufiger installierten Hackschnitzelheizungen verkauft. Eine solche Anlage ist prädestiniert für den Einsatz in größeren Anlagen. Industrie- und Gewerbebetriebe, Behörden, Schulen oder Gärtnereien setzen immer öfter auf Hackschnitzel statt Öl oder Gas. Aber auch für Privathaushalte sind solche Anlagen zu haben.

Ein Beispiel kann direkt vor Ort bestaunt werden: HWT betreibt ein kleines Heizwerk, das per Fernwärme die Dietrich- und die Nies-Hallen beheizt. Hierdurch werden jährlich rund 20000e Heizölkosten eingespart. Am 4. November wird die komplette Anlage einschließlich Hackschnitzelanlage und Pöl-Tankstelle im Rahmen eines Tags der offenen Tür vorgestellt. Kai Bitzer ist sicher, auf eine Technik mit Zukunft zu setzen. »Während die Lkw-Industrie bisher auf dem Standpunkt war, ein Lastwagen fahre nur und ausschließlich mit Diesel, hat Volvo als erster Hersteller auf der IAA Nutzfahrzeuge jetzt einen ab Werk für Pöl vorgesehenen Wagen präsentiert.« Damit sei quasi das Eis gebrochen.

Die Umrüstung auf Pöl erfolgt mit von Bitzer entwickelten Bauteilen und ist weit von den Bastellösungen entfernt, die im Internet kursieren. Wer einen von Nies umgerüsteten Wagen fährt, braucht sich eigentlich gar nicht um die veränderte Kraftstoffanlage zu kümmern. Lediglich kurz vor Erreichen des Ziels muss ein Knopf gedrückt werden, damit die Umschaltung auf den Dieseltank erfolgt und die Anlage mit dem herkömmlichen Kraftstoff »gespült« wird.

Dies ist nötig, da Pöl vorgewärmt sein muss, um ohne Folgen für den Motor zu verbrennen. Da diese Vorwärmung erst bei betriebswarmem Motor funktioniert, wird beim Kaltstart so lange mit Diesel gefahren, bis die Vorwärmung anspricht. Die Umschaltung von Diesel auf betriebswarmes Pöl erfolgt vollautomatisch. Zurzeit rüstet die Firma Nies eine ganze Reihe von Fahrzeugen um: Auto um Auto wird der gesamte Fuhrpark der Firma Dietrich pflanzenöltauglich gemacht – vom kleinen »Sprinter« bis zum Schwerlast-Abschlepp-Boliden. Die Firma spart dadurch künftig jährlich rund 100000e an Treibstoffkosten ein.

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