Bauern wollen Grünlandumbruchverbot lockern
Pflug statt Mähwerk

Michael Richard (l.) und Hubertus Beringmeier (r.) mit einer Karte, auf der in braun Acker- und in grün das Grünland im Jahr 1985 im Kreis Olpe dargestellt werden. Deutlich zu sehen, dass damals noch beträchtliche Ackerflächen vorhanden waren, die inzwischen zum Großteil ebenfalls Grünland geworden sind. Eine Rückumwandlung ist derzeit verboten. Die Bauern werben in Düsseldorf für eine Aufhebung des Grünlandumbruchverbots.
3Bilder
  • Michael Richard (l.) und Hubertus Beringmeier (r.) mit einer Karte, auf der in braun Acker- und in grün das Grünland im Jahr 1985 im Kreis Olpe dargestellt werden. Deutlich zu sehen, dass damals noch beträchtliche Ackerflächen vorhanden waren, die inzwischen zum Großteil ebenfalls Grünland geworden sind. Eine Rückumwandlung ist derzeit verboten. Die Bauern werben in Düsseldorf für eine Aufhebung des Grünlandumbruchverbots.
  • hochgeladen von Jörg Winkel (Redakteur)

win Bebbingen. Die Karte, die Georg Jung mitgebracht hat, ist eindrucksvoll. Sie stammt von 1985 und zeigt, wie sich damals im Kreis Olpe Grünland und Ackerland verteilt haben. Damals wuchs Gras auf 72 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen - inzwischen sind es 88. Und ein Zurück gibt es nicht: Durch das entsprechende Gesetz ist geregelt, dass Ackerland, wenn dort Grünfutter angebaut wird, nach gewisser Zeit automatisch zu Grünland wird. Und eine Rückumwandlung darf nicht sein.

Eingeführt wurde diese Regelung, um in ackerbau-intensiven Regionen wie dem Münsterland das Grünland zu beschützen. Geführt hat es dazu, dass heute in den Mittelgebirgs-Regionen dringend benötigtes Ackerland fehlt.

Denn durch Um- und Weiterdenken bei den Landwirten brauchen auch grünland-orientierte Betriebe Äcker. Einer davon ist Bernd Eichert, stellv. Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Olpe und als Nebenerwerbs-Biolandwirt ein ganz typischer Vertreter des heutigen Bauernstands in Südwestfalen. Am heutigen Donnerstag fand auf dessen Hof in Bebbingen ein Treffen mit dem neuen Präsidenten des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV), Hubertus Beringmeier, statt. Mit dabei: Michael Richard, Vorsitzender des Olper WLV-Kreisverbands, Josef Schreiber, der dem Bezirksverband Südwestfalen vorsteht, Dr. Thomas Forstreuter, Hauptgeschäftsführer des WLV, und Kreisgeschäftsführer Georg Jung.

Die Südwestfalen werteten den Antrittsbesuch des neuen Präsidenten als wichtiges Zeichen, dass der Verband die speziellen Anliegen der Mittelgebirgler nicht unter den Teppich kehren will. Denn so sinnvoll es sei, Grünland in bestimmten Regionen zu schützen, um dort keine Monokulturen entstehen zu lassen, so sinnvoll sei es, das Grünlandumbruchverbot in Südwestfalen aufzuheben, denn, so Eichert, „hier ist praktisch das Grünland unsere Monokultur”.

Dass die heimischen Landwirte künftig die eine oder andere Wiese unter den Pflug nehmen können, sei ein wichtiger Schritt, um den Betrieben Kosten zu sparen und dabei gleichzeitig dem Umweltschutz zu dienen. Denn, so berichtete Bernd Eichert, für ihn wären zwei oder drei zusätzliche Hektar Ackerfläche äußerst sinnvoll, um dort Futterpflanzen für seine Mutterkühe anzubauen, die er derzeit für teures Geld zukaufen muss. Denn vom Gras allein wird keine Kuh fett und kein Bulle schlachtreif – insbesondere wenn wie im Moment der Regen ausbleibt. Das Umbrechen von Grünland sei wichtig, um neue Pflanzen anbauen zu können, die den Kampf der Bauern gegen den Klimawandel unterstützen können. Die anhaltende Trockenheit sorgt derzeit wieder einmal für Sorgenfalten auf Bauern-Stirnen: Eigentlich wäre schon längst die Zeit der ersten Mahd gekommen, aber das Gras ist noch so kurz, dass die Kreiselmäher noch in den Scheunen bleiben.

Denn das Grünland ist von wochenlangen Trockenheiten besonders betroffen, reichen die Graswurzeln doch nur knapp in die Bodenoberfläche hinein, und in Hanglagen, wie sie in Südwestfalen die Regel sind, läuft das Wasser der in jüngerer Vergangenheit oft eintretenden starken, kurzen Regenfälle fast ungehindert in die Bäche und hat keine Zeit, im Boden zu versickern und die Pflanzen zu versorgen. Doch anhaltender Regen, der den Boden nässt und durchlässig macht für mehr Wasser, ist nicht in Sicht. Kleegras, Hafer und Leguminosen wären Futterpflanzen, die alternativ zum Gras angebaut werden können, aber besser mit Trockenzeiten zurechtkommen.

Beringmeier teilt den Wunsch zu einer Lockerung des Verbots, wobei er zusätzlich den Vorteil einer größeren Biodiversität sieht. Hier bestätigt ihn Bernd Eichert, in dessen Arbeitsbereich eines von nur noch zwei Vorkommen der Feldlerche im Kreis Olpe angesiedelt ist. Michael Richard unterstützt die Forderung ebenfalls und ergänzt zudem, dass eine ähnliche Rückumwandlung auch für brachliegende Forstflächen sein müsse. In den vergangenen Jahrzehnten seien viele Ackerflächen aufgeforstet worden, die Rückführung in Ackerflächen zwar theoretisch möglich, aber mit immensem bürokratischem Aufwand verbunden.

Eine Beregnung, wie sie im Gemüseanbau zum Teil schon eingesetzt wird, ist bei Grünlandwirtschaft wirtschaftlich nicht darstellbar. Alternativ bemühen sich die Landwirte darum, die Bodenbearbeitung so zu gestalten, dass die Flächen möglichst wenig Wasser verlieren. Hier sieht Bauernpräsident Beringmeier einen Ansatz für Fördermittel, um entsprechende Geräte zu bezuschussen. Haupt-Ansprechpartner für die derzeitigen Wünsche der Bauern indes ist die Landesregierung in Düsseldorf, denn sie ist die Stelle, die das Umbrechen von Grün- zu Ackerland erlauben müsste, bevor die Bauern das tun können, was sie wollen: den Herausforderungen der Umwelt kreativ begegnen.

Ein weiterer Aspekt ist laut Bernd Eichert der: Immer öfter komme von Verbrauchern der Wunsch nach regionalen Lebensmitteln. Und hier könne eine sanfte Ausweitung des Ackerbaus in Südwestfalen dafür sorgen, dass Getreide oder auch Kartoffeln, die vor Jahrzehnten angebaut, aber inzwischen fast komplett von den Feldern verschwunden sind, wieder regional produziert werden könnten.

Der Wunsch ist formuliert, die Landwirte machen deutlich, dass sie viel tun werden, um ihn umzusetzen.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil
Themenwelten
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen