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Gemeinderat entscheidet
Platinstollen in Wenden wird geschlossen

Unter der Ägide von Josef Hesse und unter dem Dach des inzwischen aufgelösten Heimatvereins Wenden gab es große Bemühungen, den Platinstollen zu einem Besucherbergwerk zu machen. Doch das Interesse ist eingebrochen, nun wird der Stollen geschlossen.
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  • Unter der Ägide von Josef Hesse und unter dem Dach des inzwischen aufgelösten Heimatvereins Wenden gab es große Bemühungen, den Platinstollen zu einem Besucherbergwerk zu machen. Doch das Interesse ist eingebrochen, nun wird der Stollen geschlossen.
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hobö Wenden. Mit großer Freude begrüßte Bürgermeister Bernd Clemens den Rat der Gemeinde Wenden am Mittwochabend. Denn nach zwei Jahren Corona-bedingter Auslagerung in die Aula der Gesamtschule tagte der Gemeinderat erstmals wieder im Ratssaal. Es war zugleich die erste Sitzung des Gremiums im Rathaus nach der Kommunalwahl, womit sich auch die Sitzordnung für den größer gewordenen Rat verändert hat. Weniger Freude bereite der Tagesordnungspunkt 8. Denn hier stimmte der Rat mit großer Mehrheit dafür, den einst mit so viel Hoffnung in den Berg getriebenen Platinstollen zwischen Wenden und Möllmicke zu schließen. Damit finden auch die in den 1990er-Jahren intensiv vorangetriebenen Bemühungen, dort ein Besucherbergwerk zu errichten, ein jähes Ende.

hobö Wenden. Mit großer Freude begrüßte Bürgermeister Bernd Clemens den Rat der Gemeinde Wenden am Mittwochabend. Denn nach zwei Jahren Corona-bedingter Auslagerung in die Aula der Gesamtschule tagte der Gemeinderat erstmals wieder im Ratssaal. Es war zugleich die erste Sitzung des Gremiums im Rathaus nach der Kommunalwahl, womit sich auch die Sitzordnung für den größer gewordenen Rat verändert hat. Weniger Freude bereite der Tagesordnungspunkt 8. Denn hier stimmte der Rat mit großer Mehrheit dafür, den einst mit so viel Hoffnung in den Berg getriebenen Platinstollen zwischen Wenden und Möllmicke zu schließen. Damit finden auch die in den 1990er-Jahren intensiv vorangetriebenen Bemühungen, dort ein Besucherbergwerk zu errichten, ein jähes Ende. Jubelstürme kamen daher im Rat nirgends auf, aber auch Experten hatten im Vorfeld der Sitzung zu diesem Schritt geraten.

Niemand kümmere sich um die Sicherungspflicht

Der Bau- und Planungsausschuss hatte eine Woche zuvor bereits für die Schließung und die Umsetzung eines „Abschlussbetriebsplanverfahrens Platinstollen" votiert (neun Ja-Stimmen, eine Enthaltung). 

Bethel-Stiftung will Einrichtung für behinderte Menschen schaffen

Schon im Sommer 2019 fand ein gemeinsamer Ortstermin mit der Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau, statt, um über die Zukunft des Stollens zu beraten. Um nun konkrete Maßnahmen beschreiben zu können, wurde die Reißner Geotechnik und Umwelt Ingenieurgesellschaft mbH beauftragt, eine Sichtung des Stollens durchzuführen. Sebastian Reißner stand dem Bauausschuss Rede und Antwort. Er betonte: "Das hier ist nicht unbedingt ein erhaltungswürdiger Stollen. Die Geschichte dahinter ist unheimlich spannend."

Die Anordnung der Bezirksregierung, so Reißner weiter, mache die Schließung zwingend, weil sich niemand mehr um die Sicherungspflicht kümmere. Der Eingang sei "massiv einbruchsgefährdet", erläuterte der Experte. "Da muss was passieren." Außerdem sei das Grundwasser im Stollen sehr stark angestiegen, womit klar sei, dass für etwaige Besuche ein enormer Aufwand betrieben werden müsse. Sebastian Reißner rechnet jedenfalls mit Investitionen von mindestens 1000 Euro.

Im Stollen wurde nie Platin gefunden

Folgend müssten die laufenden Kosten der Unterhaltung geschultert werden. Die Barabara-Grotte neben dem Stolleneingang sowie auch der einst als Bühne gedachte Aufbau und der "Kiosk" befänden sich ebenso wie die Elektrik im Stollen in einem sehr schlechten Zustand. Reißner: "Die Schließung ist daher angebracht." Der Gutachter machte aber einhergehend klar, dass der Platinstollen nicht unwiederbringlich geschlossen oder gar verfüllt werde. So sollten auch Einflugschneisen für Fledermäuse offengehalten werden. 

Inzwischen ist der Eingang zu dem rund 600 Meter ins Erdreich führenden Platinstollen zwischen Wenden und Möllmicke kaum noch erkennbar.
  • Inzwischen ist der Eingang zu dem rund 600 Meter ins Erdreich führenden Platinstollen zwischen Wenden und Möllmicke kaum noch erkennbar.
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Nach Auffassung der Gemeindeverwaltung sollte nach Schließung des "Platinstollens die Historie für die Gemeinde Wenden bzw. den Zentralort in guter Erinnerung behalten werden“. Aus diesem Grund seien „kleinere gestalterische Maßnahmen vorstellbar“. Dafür plädierte auch Dr. Patrick Bredebach (CDU) aus Möllmicke. Der Platinstollen stelle, obwohl dort nie Platin gefunden worden sei, einen heimatgeschichtlichen Wert da. Eine Dokumentation mit Texten und Fotos wäre denkbar, um den historischen Wert in Erinnerung zu behalten. Genaueres soll nun mit den örtlichen Ratsvertretern abgestimmt werden. 

,,Die Schließung fällt niemandem leicht''

Umfangreiche Einblicke in die Geschichte des Platinstollens gewährt das Buch "Der Traum vom weißen Gold", das Karljosef Böhler 2005 schrieb. Er zeigt auf, dass nur wenige Jahre nach dem legendären Goldrausch in Alaska im Jahr 1914 die Suche nach Platin in Wenden begannt. Die seinerzeit neugegründete Bergwerksgesellschaft „Deutsche Platinwerke Gewerkschaft Schlägelsberg Wenden“ mit Sitz in Düsseldorf wollte hier mit großen Erwartungen ein industrielles Unternehmen aufbauen. Doch das ambitionierte Vorhaben, von dem sich auch im Wendener Land viele Menschen Arbeit und Wohlstand versprachen, endete wenige Jahre später ohne den erhofften Gewinn. Stattdessen folgten leere Versprechungen, Gerichtsprozesse und der Niedergang der Bergwerksgesellschaft.

SPD-Ratsfrau Sibille Niklas warb im Rat  für eine Verschiebung des Beschlusses, vielleicht könnten doch noch Wege für ein Offenhalten gefunden werden. Der Erhalt der Wendener Hütte habe sich doch auch gelohnt. "Die Schließung fällt niemandem leicht", reagierte Bürgermeister Bernd Clemens. Doch eine Weiterführung als Besucherbergwerk berge erhebliche Risiken. Und die Wendener Hütte sei nicht mit diesem Stollen vergleichbar, in "dem kein Krümel Platin" gefunden worden sei. "Der Aufwand stünde in keinem Verhältnis zum Nutzen, zumal das Interesse ja deutlich spürbar nachgelassen hat." Mit 28 Ja-, zwei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen beschloss der Rat die Schließung.

Unter der Ägide von Josef Hesse und unter dem Dach des inzwischen aufgelösten Heimatvereins Wenden gab es große Bemühungen, den Platinstollen zu einem Besucherbergwerk zu machen. Doch das Interesse ist eingebrochen, nun wird der Stollen geschlossen.
Inzwischen ist der Eingang zu dem rund 600 Meter ins Erdreich führenden Platinstollen zwischen Wenden und Möllmicke kaum noch erkennbar.
Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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