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Konzeptvergabe für Industriebrache in Rothemühle
Politik steht vor schwieriger Aufgabe

Die Backstein-Gebäude prägen die Industriebrache in Rothemühle. Daneben gibt es aber auch andere Immobilien auf dem Gelände, wie das ehemalige Verwaltungsgebäude im Hintergrund (Archivbild).
  • Die Backstein-Gebäude prägen die Industriebrache in Rothemühle. Daneben gibt es aber auch andere Immobilien auf dem Gelände, wie das ehemalige Verwaltungsgebäude im Hintergrund (Archivbild).
  • Foto: hobö
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

hobö Rothemühle. „Ich glaub’, es geht schon wieder los“ heißt ein Lied von Roland Kaiser, das 1988 veröffentlicht wurde. So mancher Beobachter der Wendener Kommunalpolitik dürfte diesen Titel womöglich mit kritischem Unterton auf die Diskussion übertragen, die nun wieder Fahrt aufnimmt: Nämlich die Entscheidung über die Zukunft der Industriebrache Apparatebau Rothemühle bzw. Balcke-Dürr. Bekanntlich hat die Gemeinde Wenden das Areal samt aller Gebäude und Freiflächen 2018 gekauft und bastelt seither an einer möglichen Folgenutzung. Nun steht fest, der ehemals gewerblich genutzte Teil sowie der Mitarbeiter-Parkplatz werden verkauft – für mindestens 2,1 Millionen Euro.

hobö Rothemühle. „Ich glaub’, es geht schon wieder los“ heißt ein Lied von Roland Kaiser, das 1988 veröffentlicht wurde. So mancher Beobachter der Wendener Kommunalpolitik dürfte diesen Titel womöglich mit kritischem Unterton auf die Diskussion übertragen, die nun wieder Fahrt aufnimmt: Nämlich die Entscheidung über die Zukunft der Industriebrache Apparatebau Rothemühle bzw. Balcke-Dürr. Bekanntlich hat die Gemeinde Wenden das Areal samt aller Gebäude und Freiflächen 2018 gekauft und bastelt seither an einer möglichen Folgenutzung. Nun steht fest, der ehemals gewerblich genutzte Teil sowie der Mitarbeiter-Parkplatz werden verkauft – für mindestens 2,1 Millionen Euro.

Verkauf geht in die heiße Phase

„Es geht schon wieder los“ bedeutet in diesem Fall, dass der Verkauf an einen privaten Interessenten in die heiße Phase übergeht. Wie mehrfach berichtet, hat sich der Gemeinderat im Mai 2020 auf Antrag der CDU mehrheitlich auf das Modell einer Konzeptvergabe geeinigt. Das von der Gemeindeverwaltung seinerzeit vorgeschlagene „Isek-Konzept“ fand nicht die benötigte Zustimmung. Die Konzeptvergabe wird in einem zweistufigen Verfahren durchgeführt. Der erste Schritt beinhaltete die Interessenbekundung potenzieller Investoren und eine Vorauswahl durch die Gemeinde. Vier Kaufinteressenten haben sich fristgerecht beworben und wurden für das weitere Verfahren zugelassen. Bis zum 31. Dezember galt es, ein Konzept für die künftige Nutzung des Geländes einzureichen und sich dabei an einem Kriterienkatalog der Kommune zu orientieren.

Drei Bewerber im Rennen

Vorweg: Von den vier Bewerbern sind nach SZ-Informationen nur noch drei übrig: 1. die Investoren Stefan Müller aus Brün und Alexander Czenkusch aus Elben mit ihrem Konzept eines „Gewerbeparks Rothemühle“; 2. Bernd Hesse aus Gerlingen, der die Brache zum größten Teil für seine Firma SiBO Verpackungen nutzen will; 3. die Pyramis Immobilien-Entwicklungs-GmbH aus Münster, die als Mehrheitsgesellschafter zusammen mit der Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden nahezu alle Gebäude abreißen und die Fläche neu entwickeln will. Derweil hat die IPC Vermögensanlagen GmbH aus Köln offenbar kein Konzept eingereicht und ist damit „raus aus dem Rennen“.

Wir werden keine Informationen
an die Öffentlichkeit geben.
Markus Hohmann
Fachbereichsleiter Bauen und Stadtentwicklung

„Wir werden keine Informationen an die Öffentlichkeit geben“, erklärte am Freitagmorgen Markus Hohmann, Leiter des Fachbereichs Bauen und Stadtentwicklung der Gemeinde Wenden. Man habe am Donnerstag intern lange diskutiert und sich auf diese Vorgehensweise geeinigt. Trotz des großen öffentlichen Interesses will die Verwaltung die den Bewerbern zugesicherte Vertraulichkeit wahren. „Die Informationen werden aber nicht immer nichtöffentlich bleiben“, so Hohmann. Die 36 Mitglieder des Gemeinderats indes haben die eingereichten Bewerbungen seit Montag vorliegen.
Am Mittwoch, 26. Januar, findet ab 17.30 Uhr eine nichtöffentliche Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses im Rathaus statt. Einziger Tagesordnungspunkt: „Konzeptvergabe Balcke-Dürr“. An diesem Abend wird aber nicht entschieden, welcher Interessent die Industriebrache wird kaufen können, sondern vielmehr, wie die Konzepte bewertet werden sollen. In aufwändigen Diskussionen hat der Rat im Spätsommer eine Matrix erstellt, anhand derer die Bewerbungen bewertet werden sollen. Die acht Kriterien werden unterschiedlich gewichtet: „Wohnen“ (10 Punkte), „Arbeiten“ (35), „Verkehr und Erreichbarkeit“ (15), „Kultur, Freizeit und Gastronomie“ (5), „Freiraum und Aufenthaltsqualität“ (5), „Städtebau“ (15), „Kaufpreis“ (10) und „zeitliche Umsetzung“ (5).

Haupt- und Finanzausschuss agiert als Jury

Klingt vordergründig einfach und plausibel, die Umsetzung in der Realität wirft aber weitere Fragen auf. Wofür gibt es die maximale Punktzahl für ein Kriterium? So soll sich die Bewertung allein im Bereich „Arbeiten“ an vier weiteren Unterpunkten orientieren. Wie werden diese gegeneinander aufgewogen? Als Jury soll der Haupt- und Finanzausschuss agieren. Auf jeden Fall muss der Rat abschließend entscheiden, wer den Zuschlag erhält. „Das ist so bei Grundstücksvergaben“, erläutert Hohmann.
Noch nicht geklärt ist, ob der Rat sozusagen automatisch den Bewerber erwählt, der in Summe die meisten Punkte für seine Bewerbung erhält. Offen ist ferner, was bei Punktgleichheit geschieht. Die vielzitierten Spatzen pfeifen bereits von den Dächern, dass geheime Abstimmung beantragt wird. Und auch Juristen sollen schon von der einen oder anderen Seite kontaktiert worden sein. Gut möglich, dass dann auch die zweite Zeile von Roland Kaisers Hit besungen wird: „Das darf doch wohl nicht wahr sein“.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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