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Schmied lässt sich über die Schulter schauen
Sauerländer Pfannen gehen in die ganze Welt

Interessiert verfolgten die Zuschauer, wie Johannes Neus  die eisernen Stangen für den Pfannenstiel auf glühenden Kohlen erhitzte, um sie dann die gewünschte Form zu bringen.
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  • Interessiert verfolgten die Zuschauer, wie Johannes Neus die eisernen Stangen für den Pfannenstiel auf glühenden Kohlen erhitzte, um sie dann die gewünschte Form zu bringen.
  • Foto: mari
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

mari Wendenerhütte. Am Technischen Museum Wendener Hütte wurde am Sonntag wieder geschmiedet. Hüttenschmied Johannes Neus  führte den interessierten Zuschauern vor, wie er eine klassische Pfanne schmiedet. Auch zahlreiche Radfahrer und Spaziergänger, die den vorbeiführenden Radweg nutzten, legten einen Stopp ein, um ihm und den technischen Museums-Mitarbeitern Ralf Gosebruch und Heiko Telschow bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen.
Experimente am AmbossFür die Kinder war es besonders spannend. Sie konnten auf Anweisung des Experten am Amboss experimentieren. In der Regel finden die Schmiedevorführungen im alten Hammerwerk statt, das jedoch derzeit repariert wird. Deshalb war gestern vor dem alten Pferdestall eine Feldschmiede im Einsatz.

mari Wendenerhütte. Am Technischen Museum Wendener Hütte wurde am Sonntag wieder geschmiedet. Hüttenschmied Johannes Neus  führte den interessierten Zuschauern vor, wie er eine klassische Pfanne schmiedet. Auch zahlreiche Radfahrer und Spaziergänger, die den vorbeiführenden Radweg nutzten, legten einen Stopp ein, um ihm und den technischen Museums-Mitarbeitern Ralf Gosebruch und Heiko Telschow bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen.

Experimente am Amboss

Für die Kinder war es besonders spannend. Sie konnten auf Anweisung des Experten am Amboss experimentieren. In der Regel finden die Schmiedevorführungen im alten Hammerwerk statt, das jedoch derzeit repariert wird. Deshalb war gestern vor dem alten Pferdestall eine Feldschmiede im Einsatz.
Die Arbeitsschritte des Pfannenschmiedens sind recht vielfältig. Wird im Hammerwerk geschmiedet, geht der Schmied zunächst zum Weiher und öffnet die Schütz, damit sich das Wasserrad langsam in Bewegung setzt und dafür sorgt, dass die Schmiedekohle, die bis zu 2000 Grad heiß werden kann, stetig glüht. Gestern wurde diese Aufgabe von einem elektrischen Gebläse übernommen.

Fertigung des Pfannenstiels

Erster Arbeitsschritt des Hüttenschmieds war die Fertigung des Pfannenstiels. Staunend beobachteten die Zuschauer, wie er dafür die Eisenstangen über den glühenden Kohlen erhitzte und sie dann auf dem Amboss in Form brachte. „Ich liebe diesen Geruch“, deutete Johannes Neus  auf den aus den Kohlen aufsteigenden Qualm. „Die meisten Männer mögen ihn und verbinden was Angenehmes damit. Es riecht wie eine Dampflok.“ Zunächst schmiedete er den Griff, rundete ihn am Ende mit der Schere und schliff ihn zu seiner endgültigen Form. Das Ende rollte er ein, damit der Stiel formschön aussieht, gut in der Hand liegt und aufgehängt werden kann. Ein wichtiger Schritt war das Anbringen des Stahlstempels, damit jeder weiß, wo die Pfannen produziert wurden. „Ich wohne zwar in Hilchenbach, habe meine Schmiedewerkstatt jedoch in Silberg. Deshalb sind es Sauerländer Pfannen“, schmunzelte der Experte.

Schmied bearbeitet Rohling mit Hammer

Den Pfannenrohling brachte Johannes Neuss mit Hunderten von Schlägen mit dem Schmiedehammer in Form. Danach wurde das gute Stück gebürstet und nochmals über dem Feuer angelassen, damit es seine bläulich-violette Farbe erhält. Letzter Schritt war das Ölen der Pfanne, damit sie ihre Haltbarkeit erhält. Nach rund zwei Stunden hielt der Schmiedemeister das fertige und einsatzfähige Exemplar in der Hand. Bevor man die Pfanne benutzt, sollte man sie selbst beschichten, und zwar durch das Erhitzen von Kartoffelschalen, Salz und Öl.

Pfannen gehen in die ganze Welt

„Die Steaks und Bratkartoffeln aus eisernen Pfannen sind einfach spitze“, schwärmte Johannes Neus. „Im Gegensatz zu Alupfannen speichern sie die Hitze, sodass sich die Poren beim Fleisch schließen und es so optimal gebraten wird. Durch die gespeicherte Hitze erhalten auch die Bratkartoffeln ihre knusprige Konsistenz und braune Röstung.“ Geschmiedete Pfannen werden nach Auskunft des Hüttenschmieds auch wegen ihrer Haltbarkeit geschätzt. „Sie werden über Generationen weitergegeben. Je älter, desto besser sind sie. Viele junge Frauen wünschen sich die Pfannen ihrer Omas. Man kriegt sie nicht kaputt, da sie keine Beschichtung haben. Auch dann nicht, wenn man darin mit dem Schraubenzieher kratzt“, erklärte der Schmiedemeister, der seine Pfannen in die ganze Welt verkauft.

Barak Obama genoss Fleisch von seiner Pfanne

„Ein Kollege aus Russland, der eine große Industrieschmiede besitzt, kauft bei mir die Pfannen für seine Familie, Verwandten und Bekannten. Dafür zahlt er gerne die Frachtkosten von 70 Euro. Er hat mir mal gesagt, wenn er eine Sauerländer Pfanne in der Hand hält, spürt er die unzähligen Hammerschläge, die in ihr stecken und sie ausmachen.“ Er hat auch viele Kunden in Bayern. „Wenn die Bayern Pfannen von Preußen kaufen, will das schon was heißen“, lachte er. Stolz ist er darauf, dass der frühere US-Präsident Barack Obama in Wallgau Fleisch aus einer vom ihm produzierten Pfanne genossen hat, als er 2015 Gast beim G-7-Gipfel auf Schloss Elmau war.

Arbeit für Generationen

Sein Beruf ist für Johannes Neus  Berufung. „Es ist ein Urberuf. Der Schmied ist der einzige Handwerker, der sich sein komplettes Werkzeug vom Amboss über den Hammer bis hin zur Zange selbst produzieren kann. Wir machen Dinge, die die Menschen wirklich brauchen und die ein ganzes Leben halten und über Generationen weitergegeben werden. Und wir können unsere Arbeit in der ganzen Welt ausüben. Ein deutscher Finanzbeamter kann dagegen nur in Deutschland arbeiten.“
Neben den Schmiedevorführungen wurde eine kostenlose Familienführung mit Dorothea Klimczuk durch das historische Hüttenwerk und Kulturdenkmal angeboten, das an originaler Stelle eindrucksvoll die Geschichte der Eisenverarbeitung im südlichen Westfalen dokumentiert. Bei Kaffee und Kuchen bestand Gelegenheit, sich über das Erlebte auszutauschen.

Interessiert verfolgten die Zuschauer, wie Johannes Neus  die eisernen Stangen für den Pfannenstiel auf glühenden Kohlen erhitzte, um sie dann die gewünschte Form zu bringen.
Der Stahlstempel belegt, woher die Pfannen kommen. Sie werden in Johannes Neus’ Schmiedewerkstatt in Silberg gefertigt und sind somit Sauerländer Pfannen.
Autor:

Marianne Möller

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