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Ottfinger Eltern fordern mit Eilantrag Schülerspezialverkehr für ihre Kinder / Sondersitzung am 14. Juli
Schulweg „unzumutbar“

In dem Eilantrag fordern die Ottfinger Eltern, einen zumutbaren und sicheren Schulverkehr von Ottfingen nach Wenden, der nach aktuellem Plan nicht gegeben sei. Foto: dpa
  • In dem Eilantrag fordern die Ottfinger Eltern, einen zumutbaren und sicheren Schulverkehr von Ottfingen nach Wenden, der nach aktuellem Plan nicht gegeben sei. Foto: dpa
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yve ■ Eigentlich deuteten die Sitzungsvorlagen für den Ausschuss Bildung und Soziales der Gemeinde Wenden am Dienstag auf eine überschaubare Tagesordnung hin. Zunächst informierten die Schulleiter der Bildungseinrichtungen auf Gemeindegebiet zum Thema „Corona-Krise und deren Auswirkungen auf die Schule“ (wir berichten noch). Dann folgten Informationen über das bundesweite „DigitalPakt“ Schule. Hier bereitet die Verwaltung derzeit Anträge vor, um ein mögliches Förderbudget von insgesamt 416 099 Euro zu erhalten. Damit sollen an allen Schulen die digital-technischen Infrastrukturen verbessert werden.

Doch Ausschussvorsitzender Christian Stock wollte zudem noch zur Abstimmung bringen, die Tagesordnung um einen weiteren Punkt zu ergänzen.

yve  Eigentlich deuteten die Sitzungsvorlagen für den Ausschuss Bildung und Soziales der Gemeinde Wenden am Dienstag auf eine überschaubare Tagesordnung hin. Zunächst informierten die Schulleiter der Bildungseinrichtungen auf Gemeindegebiet zum Thema „Corona-Krise und deren Auswirkungen auf die Schule“ (wir berichten noch). Dann folgten Informationen über das bundesweite „DigitalPakt“ Schule. Hier bereitet die Verwaltung derzeit Anträge vor, um ein mögliches Förderbudget von insgesamt 416 099 Euro zu erhalten. Damit sollen an allen Schulen die digital-technischen Infrastrukturen verbessert werden.

Doch Ausschussvorsitzender Christian Stock wollte zudem noch zur Abstimmung bringen, die Tagesordnung um einen weiteren Punkt zu ergänzen. Neun Familien aus Ottfingen sind Urheber eines Eilantrages, der eigentlich im gestrigen Gemeinderat und speziell im Ausschuss für Bildung und Soziales Gehör finden sollte. Aber, so erklärte Stock, sei die Verwaltung der Ansicht, dass der Antrag nicht fristgerecht eingegangen sei und daher nicht zur Tagesordnung zugelassen werden könne.

In dem Eilantrag fordern die Ottfinger Eltern, einen zumutbaren und sicheren Schulverkehr von Ottfingen nach Wenden, der nach aktuellem Plan nicht gegeben sei. So müssen neun Kinder aus Ottfingen, die in der zukünftigen 1 c in Wenden beschult werden, bereits um 7 Uhr das Haus verlassen, um um 7.19 Uhr ihren Bus zu erreichen. Um 7.37 Uhr ist Stopp an der Haltestelle der Grundschule, die Aufsicht am Westerberg beginnt allerdings erst um 7.45 Uhr. Der Hin- und Rückweg dauert über eine Stunde, da der Bus am Morgen zwar zunächst nach Wenden fährt, aber nicht die Grundschulhaltestelle ansteuert, sondern erst nach Girkhausen und Altenhof und dann wieder zurück nach Wenden fährt.

Mittags gestaltet sich der Weg je nach Schulschluss unterschiedlich, er führt über Möllmicke, Girkhausen, Altenhof, zurück nach Wenden und dann nach Ottfingen. Der Bus nach der Betreuung fährt von Wenden über Hünsborn nach Ottfingen. Daraus ergeben sich reine Busfahrzeiten von etwa 42 Minuten. Die Zeit von Haustür zu Haustür wird von den Eltern mit 64 bis 74 Minuten angegeben. Das sei mehr als das Doppelte an Zeit als eine normale Busfahrt von Ottfingen nach Wenden. Eindeutig zu viel und unzumutbar finden die betroffenen Eltern und beantragen daher einen Schülerspezialverkehr für die Beförderung des Nachwuchses.

Mit neun Ja-Stimmen und vier Enthaltung wurde in der Sitzung dann beschlossen, diesen Antrag doch auf die Tagesordnung zu heben. Aber bevor dann die Mitglieder Einzelheiten des Inhalts erfuhren, meldete sich Thorsten Scheen (UWG) zu Wort. Er fühle sich mit der Änderung der Tagesordnung jetzt doch ein wenig überfallen. Er berichtete von einer Videokonferenz am Montagabend mit Bürgermeister Bernd Clemens und den Fraktionsvorsitzenden. Clemens habe in puncto Eilantrag seine rechtlichen Bedenken hinsichtlich der Frist geäußert, die vorgeschrieben sei, und habe es daher als nicht für möglich erachtet, über den Eilantrag im Rat zu beraten. Zudem sei die Zeit nicht ausreichend, um noch offene Fragen zu klären. Weiterhin hätte für eine Änderung im Schülerfahrverkehr zwei Monate vor Beginn des neuen Schuljahres ein entsprechender Antrag bei der Bezirksregierung eingereicht werden müssen.

„Aber eine Eilbedürftigkeit sieht jeder von den Fraktionen, auch der Bürgermeister“, betonte Scheen. Das berechtigte Interesse der Eltern werde von allen gesehen. Um eine Lösung noch vor Schulbeginn zu finden, seien die Teilnehmer der Videokonferenz darin übereingekommen, eine Sondersitzung des Rates einzuberufen. „Heute sehe ich mich außerstande, über diesen Punkt zu diskutieren“, so Scheen weiter. Vielmehr solle die Sondersitzung abgewartet werden. Der Termin wurde in der gestrigen Ratssitzung dann auch bereits verkündet: Dienstag, 14. Juli, ab 17 Uhr.

Ausschussvorsitzender Stock pflichtete Scheen zwar bei, dennoch hielt er an seinem Standpunkt fest, den Eilantrag zumindest zu thematisieren, auch wenn keine Abstimmung erfolgen könne. Zudem tage der Ausschuss vor den Ferien nicht mehr, sodass die Mitglieder keine Gelegenheit hätten, sich mit den Anliegen der Ottfinger Eltern zu befassen. Letztlich herrschte Einigkeit darüber, dass Tanja Klein im Namen der Familien den Inhalt des Antrags vortragen durfte, auf eine anschließende Diskussion jedoch verzichtet werden sollte. So kristallisierte sich aus den Ausführungen von Tanja Klein heraus, dass sich die betroffenen Eltern mit der Schulverkehrssituation zusätzlich „bestraft“ fühlen. Wie berichtet, hatten sie ihre Kindern eigentlich am Teilstandort Rothemühle des Grundschulsverbundes Wendener Land angemeldet. Doch aufgrund räumlicher Unzulänglichkeiten müssen die Kinder am Hauptstandort beschult werden. Nach „großem Unmut und Enttäuschung“ habe man sich mit der Situation arrangiert, heißt es in dem Eilantrag. Bei der Schulwegsituation sieht das gänzlich anders aus. Die Eltern sind der Ansicht, „dass für unsere Kinder eine alternative, zeitlich und streckentechnisch ökonomische Lösung für ihren Schulweg gefunden werden muss“. Hier wird die Gemeinde als Schulträger in der Verantwortung gesehen.

Zumal laut Antrag alle Schüler der Grundschulen im Wendener Land täglich mit älteren Kindern ihres Ortes im Bus zur Schule und wieder nach Hause fahren. „Unsere Kinder fahren alleine.“ Sie seien gerade einmal sechs Jahre alt. „Sie kennen das Busfahren nur von zwei bis drei Ausflügen – wohlbemerkt immer mit Aufsichtsperson.“ Die Kinder seien immerhin Erstklässer, „sie brauchen Zeit für Neues, um vertraut damit zu werden, sie brauchen Übung und Verlässlichkeit, Zuspruch und Unterstützung, wo es es nur geht“.

Große Sorge bereitet den Eltern auch die Tatsache, „dass wir unsere Kinder morgens ganze fünf Minuten unbeaufsichtigt wissen.“ Tanja Klein: „Fünf Minuten mögen für Sie nach einer Banalität klingen, aber fünf Minuten für ein sechsjähriges Kind können sehr lang werden.“ In dieser Zeit könne viel passieren. „Von außen betrachtet geben fünf Minuten jedem Täter genau die Zeit, die er braucht.“ Fünf Minuten ohne Aufsicht sei vollkommen indiskutabel, führte Tanja Klein weiter aus.

„Wer gibt auf die Kinder acht?“, fragte Hiltrud Ochel (Grüne) nach dem Bericht von Tanja Klein. Damit bezog sie sich auch auf den langen Schulweg. „Die Kinder können ja einfach irgendwo aussteigen.“ Vielmehr müssten sie doch gerade jetzt als Schulanfänger unter einem besonderen Schutz stehen. Auch Wortmeldungen anderer Ausschussmitglieder untermauerten die Dringlichkeit des Antrags, über den es dann in der Sondersitzung zu beraten gilt.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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