Minenkette riss sieben Menschen in den Tod
Schwärzester Tag des Dorfs

Das Denkmal erinnert an die sieben Menschen, die den eigentlichen Krieg überlebt hatten und dennoch Opfer wurden. Eine Minenkette zerriss sie heute vor 75 Jahren an der einstigen Bahnunterführung zwischen Wendenerhütte und Hillmicke. Foto: win
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  • Das Denkmal erinnert an die sieben Menschen, die den eigentlichen Krieg überlebt hatten und dennoch Opfer wurden. Eine Minenkette zerriss sie heute vor 75 Jahren an der einstigen Bahnunterführung zwischen Wendenerhütte und Hillmicke. Foto: win
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win Wendenerhütte Der 17. April ist der schwärzeste Tag in der Geschichte der kleinen Ortschaft Wendenerhütte. Im Dorf, einst wie heute überwiegend geprägt von der Industrie, steht deshalb ein kleines Denkmal. Liebevoll gepflegt, weist ein Kreuz mit einer metallenen Schriftplatte die Stelle, an der bis vor wenigen Jahren eine Unterführung die Poststraße nach Hillmicke unter der einstigen Bahnlinie Olpe-Freudenberg unterqueren ließ. Die Familie von Wolfgang Sondermann pflegt es seit vielen Jahren. Es erinnert an ein Ereignis, das in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs sieben Menschen das Leben kostete. Wolfgang Sondermann verlor bei dem Unglück zwei Großeltern.

Die Bahnunterführung war angesichts der nahenden Front von deutschen Soldaten mit einer Panzersperre verbarrikadiert worden. Sie hatten vor, amerikanischen GIs die Durchfahrt nach Hillmicke zu verbauen. Eine den Sherman-Panzern wenig gegenzusetzende Holzsperre war dazu mit einer Minenkette durchsetzt worden.

Doch hatte kein Panzer versucht, die Sperre zu brechen. Die Besatzungsmächte hatten Männer aus Wendenerhütte angewiesen, die Sperre abzubauen und damit die Straßenverbindung wieder nutzbar zu machen. Holz und Minen lagen am Straßenrand. Was dann geschah, daran erinnerten sich Zeitzeugen 2005 bei einer Gedenkveranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Möllmicke.

Eine Woche zuvor waren die Amerikaner von Ottfingen aus nach Wendenerhütte gezogen und hatten dort ein Haus bezogen und darin übernachtet. Am 11. April fuhren sie weiter nach Hillmicke, als plötzlich deutsche Soldaten vom Fockenberg herab das Feuer eröffneten. Drei Amerikaner fielen, die GIs blieben daraufhin in Wendenerhütte. Doch am Folgetag kamen drei Männer aus Hillmicke mit weißen Fahnen und übergaben den amerikanischen Truppen den Ort.

Am 17. April dann wurde die beiseitegeräumte Panzersperre an der Bahnunterführung zum Abriss freigegeben, um den Mangel an Feuerholz beheben zu helfen. Wendenerhütter und Hillmicker waren bei der Arbeit, als eine Bohle auf eine der Minen fiel und damit eine verheerende Explosionskette auslöste. Sieben Menschen, die gerade dabei waren, sich Feuerholz zu beschaffen, starben. Es waren zwei Frauen und fünf Männer. Die meisten wurden regelrecht zerrissen. Aus einer Familie starben Vater, Mutter und die älteste Tochter. In Folge des Kriegs funktionierte keines der wenigen Telefone, daher radelte ein Wendenerhütter nach Wenden und informierte dort den einzigen greifbaren Arzt. Dieser kam schnell, konnte aber keinem der Opfer mehr helfen.

Die Toten wurden im Schuppen des Hauses unmittelbar vor der Unterführung aufgebahrt, bis zwei Tage später Schreiner aus der Umgebung provisorische Särge zusammengebaut hatten, in denen die Körper auf dem Friedhof in Hillmicke beigesetzt wurden. 1948 wurde das Gedenkkreuz errichtet, das seitdem an die Tragödie erinnert. Eine besondere Veranstaltung ist nicht geplant: Sondermanns zünden eine Kerze im Gedenken an die lieben Verstorbenen an, „wir denken jeden Tag daran, da macht der 75. Jahrestag keinen Unterschied“, so die Antwort auf den Anruf der SZ, und ähnlich wird es bei dem Familien Schneider, Stracke und Müller und deren Nachkommen sein.

Das Denkmal erinnert an die sieben Menschen, die den eigentlichen Krieg überlebt hatten und dennoch Opfer wurden. Eine Minenkette zerriss sie heute vor 75 Jahren an der einstigen Bahnunterführung zwischen Wendenerhütte und Hillmicke. Foto: win
Die einstige Bahnunterführung zwischen Wendenerhütte und Hillmicke, längst abgebrochen: Auf der im Bild links erkennbaren Stützmauer lag die Minenkette. SZ-Archivfoto
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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