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Sanierung des Hallenbads oder Neubau: Gemeinderat will weitere Gutachten / Bürgermeister: "Gehe nicht ins Gefängnis"
Selbst Sondersitzung brachte keine Entscheidung

hobö Wenden. Schaut man nur auf das reine Ergebnis, könnte man vordergründig zu dem Fazit gelangen: Diese Sondersitzung hätte sich der Wendener Gemeinderat ersparen können. Denn wie bereits im November verweigerte sich das Gremium auch am Mittwochabend, einer eindeutigen Empfehlung der Gemeindeverwaltung zum weiteren Vorgehen in Sachen Hallenbad Wenden zu folgen – fordert stattdessen und wiederholt mehr Daten, Zahlen und Fakten vor einer endgültigen Entscheidung.

Außer Spesen nichts gewesen? Mitnichten. Denn die dreistündige Debatte über das Thema brachte interessante Beiträge und Fragestellungen. Insbesondere der einführende Vortrag von Frank Schlutow förderte Wissenswertes zutage.

hobö Wenden. Schaut man nur auf das reine Ergebnis, könnte man vordergründig zu dem Fazit gelangen: Diese Sondersitzung hätte sich der Wendener Gemeinderat ersparen können. Denn wie bereits im November verweigerte sich das Gremium auch am Mittwochabend, einer eindeutigen Empfehlung der Gemeindeverwaltung zum weiteren Vorgehen in Sachen Hallenbad Wenden zu folgen – fordert stattdessen und wiederholt mehr Daten, Zahlen und Fakten vor einer endgültigen Entscheidung.

Außer Spesen nichts gewesen? Mitnichten. Denn die dreistündige Debatte über das Thema brachte interessante Beiträge und Fragestellungen. Insbesondere der einführende Vortrag von Frank Schlutow förderte Wissenswertes zutage. Der Geschäftsführer der Bäderbetriebe und der Stadtwerke Werdohl berichtete über den dort erfolgten Neubau eines Hallenbads und nannte interessante Kosten. Dieses Projekt war bereits vor besagter November-Sitzung immer wieder als gelungenes Beispiel hinsichtlich der Finanzierbarkeit eines Hallenbad-Neubaus aufs Tapet gebracht worden (die SZ berichtete mehrfach). Und die Ausführungen Schlutows bestätigten gestern all jene Politiker, die einen Neubau des Schwimmbads nahe der Gesamtschule in Wenden favorisieren.

Bürgermeister Bernd Clemens (CDU) verteidigte aber nach diesem Vortrag die Beschlussempfehlung der Verwaltung, das Hallenbad an der Grundschule zu sanieren – letztlich „zwischen einer kleinteiligen und einer Komplettsanierung“. Diese Kosten schätzt man im Rathaus auf 2,9 Mill. Euro, wohingegen ein Neubau – ohne Grundstückserwerb – etwa 8,8 Mill. Euro kosten würde.

Dieses „Delta“ von rund 6 Mill. Euro sei zu groß, nahm Bernd Arns namens der CDU-Fraktion Stellung. Gleichwohl plädierten die mit satter Stimmenmehrheit „regierenden“ Christdemokraten nicht für den Sanierungsvorschlag der Verwaltung. „Aus großen Fragezeichen müssen wir zuerst kleine machen, bevor wir entscheiden.“ Auf Grundlage der lediglich grob geschätzten Kosten sei auch der CDU der Einstieg in eine Sanierung zum jetzigen Zeitpunkt „zu schnell geschossen“, erklärte Arns.

Elmar Holterhof, Vorsitzender der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, wertete es derweil als „beschämend“, dass die vier Ratsfraktionen nach Aufforderung der Verwaltung 55 Fragen zu dem Thema formuliert hätten, die aber zu dieser Sondersitzung gar nicht beantwortet worden seien. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, die Verwaltung nicht“, echauffierte sich Holterhof. „Die Sitzung ist heute wieder viel zu früh.“

Er glaube auch nicht, dass die Sanierung lediglich 2,9 Mill. Euro koste. Überdies müssten die Chancen eines Neubaus für die Gemeinde, die Gesamtschule, die Vereine und die breite Öffentlichkeit ins Kalkül gezogen werden. Holterhof: „Das alte Bad genügt selbst nach einer Sanierung den Ansprüchen der Bevölkerung nicht mehr.“

SPD-Fraktionschef Stephan Niederschlag kritisierte den Beschlussvorschlag der Verwaltung, mit dem man sich auf eine Sanierung festlegen und erst danach die genauen Kosten durch Gutachten eruieren wolle. Die genannte Kostenschätzung der Verwaltung bezeichnete er als „Milchmädchen-Rechnung“. Außerdem müsse man die Investitionen in einen Neubau doch auf einer langen Zeitschiene von 50 Jahren sehen. Bei einer Sanierung werde die Gemeinde immer ein altes Bad haben.

SPD-Fraktionskollege Robert Dornseifer nannte weitere Gründe, die seiner Ansicht nach für einen Neubau sprächen. Die derzeitigen Duschen, WCs und Umkleiden würden allein flächenmäßig den heutigen Anforderungen nicht gerecht, bei einer Sanierung müsse das Bad sicherlich für zwei Jahre geschlossen werden und stünde den derzeit jährlich bis zu 30 000 Nutzern nicht zur Verfügung, 25-Meter-Bahnen wie in Werdohl wären eine Attraktivitätssteigerung für die Gemeinde und die Gesamtschule, ein Blockheizkraftwerk könne auch den Strom für die Schule liefern und ein Neubau liefere Kostensicherheit. Kurzum, so Dornseifer, wäre „ein vernünftiges neues Schwimmbad das Beste für die Gemeinde Wenden“.

„Unbestritten“, reagierte Bürgermeister Bernd Clemens, „wäre ein Neubau ein Vorteil für die Gemeinde. Vielleicht müssen wir ein neues Bad auf grüner Wiese aber in zehn Jahren schließen, weil wir uns verhoben haben.“ Dafür, mahnte der Verwaltungschef, gebe es genügend Beispiele in Deutschland.

Daher, meldete sich UWG-Fraktionschef Thorsten Scheen zu Wort, müssten ja die erforderlichen Gutachten einer Entscheidung vorgeschaltet werden. „Warum haben es der Bürgermeister und die Verwaltung so eilig?“, fragte er und erklärte, dass er beim Lesen der Sitzungsvorlage „ein Stück weit erzürnt war“, da 70 Prozent der Fragen aus den Fraktionen nicht beantwortet worden seien. Eine gutachterliche Betrachtung der Bausubstanz und der Anlagentechnik am jetzigen Standort des Hallenbads auf dem Westerberg seien zwingend notwendig. Scheen: „Wir verschließen uns keiner Variante, wenn sie logisch und sinnvoll ist.“

„Ich und die Verwaltung wollen doch nicht mit dem Kopf durch die Wand“, betonte Bürgermeister Clemens daraufhin. Bei einem Unterschied von 1 Mill. Euro wäre er auch für einen Neubau.

Nach einer von Wolfgang Solbach (CDU) beantragten Sitzungsunterbrechung formulierte Bernd Arns namens der CDU einen Beschlussvorschlag, „der möglichst allen gerecht wird“ – und es offenbar auch wurde. Denn einstimmig beschloss der Rat, sich weder auf einen Neubau oder eine Sanierung festzulegen, sondern nun Gutachten erstellen zu lassen, die detailliert den Umfang der Sanierungen und deren Kosten belastbar auflisten sowie parallel dazu die Machbarkeit eines Neubaus an der Gesamtschule prüfen und die Kosten für beide Varianten vergleichbar machen. Bernd Arns: „Es ist immer gefährlich, wenn Kommunalpolitiker mit Millionen jonglieren, daher gilt auch hier: Gründlichkeit geht vor Eile.“

Mit dem Beschluss, weitere Gutachten vor einer Entscheidung zum weiteren Vorgehen in Sachen Hallenbad Wenden einzuholen, beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung, unbedingt dringende Sanierungen am bestehenden Hallenbad in Wenden unverzüglich vorzunehmen. Und die sind laut Bürgermeister Bernd Clemens vonnöten: „Wenn die dringenden Sanierungen am Hallenbad-Dach nicht sofort erfolgen, mache ich das Bad morgen zu. Ich gehe nicht ins Gefängnis, falls da einem was auf den Kopf fällt.“ Offenbar ist die Zwischendecke derart reparaturbedürftig, dass es laut Clemens „jetzt brenzlig wird“. Seit zwei Jahren, so der Bürgermeister, werde die Sanierung wegen der Generaldebatte über die Zukunft des Hallenbads verschoben. Die Dringlichkeit sei in diesem Hause schon häufiger Thema gewesen, adressierte Clemens an den Rat. Nun müsse gehandelt werden. Dafür stehen übrigens 300 000 Euro im Haushaltsplan der Gemeinde Wenden bereit.

Das Thema Hallenbad schwimmt also nicht davon, sondern wird alsbald wieder auftauchen.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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