Senioren-Beratungsstelle im Visier

Fazit der SGK-Diskussion: Fachverbände wollen gemeinsam zentrales Angebot erarbeiten

hobö Möllmicke. »Es gibt noch viel zu tun – packen wir es an.« Dieser einstige »Esso«-Werbeslogan könnte auch als Fazit einer Diskussion dienen, zu der die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Kommunalpolitiker (SGK) und die SPD Wenden für Mittwoch in die Dorfgemeinschaftshalle Möllmicke eingeladen hatten. Das Thema lautete »Seniorenpolitik in der Gemeinde Wenden«. Fachleute aus der Altenpflege, Politiker sowie zahlreiche Senioren und junge Menschen debattierten über die Lebensumstände älterer Menschen. Das greifbare Ergebnis: Die verschiedenen in der Gemeinde tätigen Sozialverbände wollen unter Einbeziehung weiterer Fachleute ein Beratungsangebot für Senioren erarbeiten, das möglicherweise sogar in einer Art Beratungsstelle oder Seniorenbüro gipfeln könnte.

Die Idee für die Diskussion hatte der SPD-Verband »AG 60+«. »Wir wollen erfahren, was wir politisch für die Senioren in der Gemeinde tun können«, nannte Lutz Schabelon, Ratsmitglied und stellv. Vorsitzender der »AG 60+«, einen Beweggrund für die Einladung. Der waren knapp 50 Zuhörer gefolgt. Am Podium saßen Hiltrud Junge, Leiterin der Lebenshilfe-Wohnstätte Wenden, Hans David, Vorsitzender der AWo Wenden, Heinz-Günther Wagener, stellv. Vorsitzender des VdK Wenden, sowie Peter Rosendahl, Geschäftsführer der Altenpflegeeinrichtung Haus Rosendahl in Wenden. Die Moderation übernahm Thomas Förderer, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion Olpe.

»Wie können wir helfen?«

»Wir werden in unserem SPD-Büro immer häufiger von älteren Menschen besucht, die uns deren Probleme erläutern«, führte Jochen Sauermann, Vorsitzender der SPD Wenden, ins Thema ein. Vor allem die Bereiche Wohnungen, Öffentlicher Personennahverkehr, Freizeitgestaltung, Straßenverkehr, gestiegene Lebenshaltungskosten und Computertechnologie erschwerten vielen Senioren das tägliche Leben. »Wir haben uns gefragt, wie können wir helfen, die Gemeinde Wenden ist jedenfalls auf eine Seniorenpolitik noch nicht vorbereitet«, so Sauermann.

Schnell wurde in der anschließenden Diskussion deutlich, dass es für ältere Menschen einen schier undurchschaubaren Dschungel an Beratungsmöglichkeiten gibt. Was fehlt, ist eine zentrale Anlaufstelle, wo zumindest die Information gegeben werden kann, welche Einrichtung und Behörde helfen kann. Daran wollen nun alle Beteiligten arbeiten.

Nicht auf eigene Pfründe achten

»So etwas muss gemeindenah organisiert werden«, forderte Heinz-Günther Wagener. Es gebe im Wendschen genug fachliche Ressourcen, erklärte Peter Rosendahl. Es müssten nur alle einmal zusammen arbeiten, ohne auf die eigenen Pfründe zu schauen.

Kapital Ehrenamt nutzen

Hiltrud Junge meinte, dass die Menschen über immer mehr Freizeit verfügten. Dieses Kapital müsse in ehrenamtlicher Form genutzt werden. Für Arbeitslose beispielsweise könnte die Hilfe für alte Menschen ein wichtiger Lebensinhalt werden, der auch Ehrgefühl vermittele. Zudem würde das auch die finanziellen Spielräume entlasten. »Es geht in der Seniorenpolitik nämlich offenbar nicht mehr um den Menschen, sondern nur um die Finanzierbarkeit«, kritisierte Junge.

Diesbezüglich bemängelte Hans David, dass beispielsweise Sport- und Kulturvereine eine finanzielle Unterstützung durch die Gemeinde erfahren würden, von der die karitativen Verbände nur träumen könnten. Berthold Wirth, Vorsitzender der »AG 60+«, forderte daher die Schaffung von Seniorenbeiräten in allen Kommunalparlamenten im Kreis. »In der Politik im Kreis Olpe wird zu wenig für Senioren getan.« In der Gemeinde Wenden sind derartige Überlegungen soeben eingestielt worden, wobei die Organisationsform noch völlig offen ist (wir berichteten).

»Es gibt hier noch viel aufzubauen«

»Es gibt hier noch viel aufzubauen«, meinte Heinz-Günther Wagener. In einer so großen Gemeinde müsste es eigentlich Hilfe für Demenzkranke geben. Wie sieht es aus mit Tages- und Kurzzeitpflege? Für solche und ähnliche Fragestellungen müssten Antworten gefunden werden. Der Bürgerbus, erklärte Sauermann, könnte auch eine Hilfe für ältere Menschen sein. Diesbezüglich liefen Bekanntlich Vorbereitungen. Lutz Schabelon verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass die einmal ins Auge gefasste Begegnungsstätte für Jung und Alt in der Alten Schule tatsächlich eingerichtet werden kann.

Die Schwachen dürfen nicht untergehen

»Seniorenarbeit muss bedürfnisorientiert sein«, erklärte Hiltrud Junge. Was brauche der Mensch, ambulante Unterstützung oder eine strukturierte Form des Wohnens? Wie könnten sinnvolle Freizeitangebote erarbeiten werden? Antworten auf diese Fragen gab es am Mittwoch nicht, doch alle werteten die Bereitschaft zur gemeinsamen Lösungssuche als erfolgreichen Schritt in die richtige Richtung. Jochen Sauermann: »Seniorenpolitik ist relativ jung, aber wir wollen langfristig Hilfe auf den Weg bringen. Wir dürfen keine Gesellschaft werden, in der die Schwachen untergehen.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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