»Stinkkäs« ein goldener Griff

Premiere des Hillmicker Sauerlandtheaters begeisterte / Schauspiel der besonderen Klasse

rudi Wenden. »Very stürmisch« ging es am Samstagabend in der Aula des Konrad-Adenauer-Schulzentrums zu. Das Sauerlandtheater Hillmicke feierte mit seinem neuesten Schwank »Die unglaubliche Geschichte vom gestohlenen Stinkkäs« Premiere und landete einen wahren Volltreffer. Vor ausverkauftem Haus gab die Truppe ein Stück zum Besten, das die Lachmuskeln des Publikums bis aufs Äußerste strapazierte. Vor allem die weibliche Garde kam ganz auf ihre Kosten. In dem Dreiakter nach Bernd Gombold rankte sich nämlich alles um die verzweifelten Versuche der Männer, ihre nächtlichen »Saufeskapaden« unter den Tisch zu kehren.

Die Erfolge der vergangenen Jahre haben dem Sauerlandtheater Hillmicke längst den Ruf eingebracht, zur Elite der Laienschauspieler zu gehören. Was die Akteure alljährlich auf die Bühne bringen, kann sich zweifellos mit professionellen Schauspielhäusern messen. Wer einmal eine Vorführung der Akteure besucht hat, kommt nicht umher, immer wieder in den Publikumsreihen Platz zu nehmen. Ein Ruf, auf den die Hillmicker stolz sein können – der die Messlatte jedoch stetig höher setzt. Entsprechend groß sind die Erwartungen der Gäste, jedes Jahr aufs Neue eine meisterliche Leistung zu sehen. Das unterstrich am Samstagabend auch die Tatsache, dass der Saal restlos besetzt war. Die Erwartungen wurden auch dieses Mal nicht enttäuscht. Abermals vermochte es die Truppe um Regisseur Gerd Müller, die lange Reihe der großen Erfolge fortzusetzen und den Besuchern einen Schwank zu präsentieren, der die Lachtränen in die Augen trieb.

Die Geschichte war wie immer eine exzellente Wahl, die den Akteuren ausreichend Raum gab, ihr ganzes Können einzubringen. Charakteristisch für das Sauerlandtheater Hillmicke sind nämlich vor allem ausdrucksstarke Mimik und Gestik sowie eine geballte Portion Wortwitz und Situationskomik, wie es nur wenige Theatergruppen von sich behaupten können.

Eben das macht jedoch die Klasse der Hillmicker und somit ihre stetigen Erfolge aus. Man weiß mit dem Publikum umzugehen und dessen »Nerv« zu treffen. Dank dieser Eigenschaft würde das Sauerlandtheater wohl auch Bühnenwerke mit wenig »Potential« in wahre Kassenschlager verwandeln. Natürlich sehen es die Akteure jedoch als Ehrensache an, auch mit Blick auf die Auswahl der Stücke ihr ganzes Herzblut einzubringen und nur das einzuproben, was wahrlich einer Aufführung wert ist.

Das diesjährige Stück vereinte alle Ansprüche, die Schauspieler als auch Publikum nur stellen konnten. Brillant waren die Leistungen der Brüder Wilfried und Gerald Breidebach als auch Christian Heckens. In der Komödie rätseln sie als »Schreiner Sepp«, dessen Sohn Frank Hämmerle sowie als Dorfpolizist Siegmund Eiferling um die Ereignisse einer durchzechten Nacht. Keiner der drei kann sich nämlich an Einzelheiten erinnern, wird jedoch durch verschiedene »Indizien« darauf hingewiesen, dass er in fremden Schlafzimmern zugegen gewesen sein muss.

Natürlich bleibt das auch den Ehefrauen nicht im Verborgenen. So kommen die Herren vor ihren aufbrausenden, rasanten Gattinnen Pauline Hämmerle (Claudia Strehling) und Klara Eiferling (Renate Stracke) in große Erklärungsnot. Erst recht, als Evi Häberle (Melanie Koch), Tochter des Dirigenten Hugo Häberle (Klaus-Peter Schäfer), kräftig mitmischt und die Gerüchteküche anheizt. Wie gerufen kommt da Pfarrhaushälterin Eugenie Schlotterbeck (Maria Schönauer), die den Dorfpolizisten in besagter Nacht in ihrem Schlafgemach auf Verbrecherjagd gesehen haben will. Ihr Stinkkäs wurde kurz zuvor gestohlen – ein perfekter Anlass für die drei Herren, von den eigenen nächtlichen »Unternehmungen« abzulenken, um währenddessen zu entschlüsseln, was sich wirklich zugetragen hat.

Die turbulente Geschichte barg natürlich ausreichend Raum, Requisiten-Palette und Darstellungsmöglichkeiten auszureizen. Eben das tat man: So wurde dem Publikum keine »platt« auf die Bühne gebrachte Erzählung geboten, sondern lebendiges Theater, das einfach begeisterte. Der Erfolg lag dabei im Detail. Das ausgefeilte Bühnenbild, eine hervorragende Requisite, Situationskomik und Wortwitz sowie der volle –– zuweilen auch körperliche – Einsatz der Schauspieler hatten großen Anteil daran, dass die Besucher derart angetan waren.

Großen Zulauf dürften daher auch die Aufführungen am kommenden Wochenende erfahren. Am Samstag, 2. Dezember, öffnet sich der Vorhang um 20 Uhr noch einmal; tags darauf um 15.30 Uhr. Wer wieder einmal nach Herzenslust lachen möchte, sollte sich einen Besuch beim Sauerlandtheater nicht entgehen lassen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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