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Montags-Strickerinnen im Einsatz für den guten Zweck
Stricken gegen die Langeweile

Bunte „Lappen“ – akkurat genäht wie aus der Maschine – bringt Heimarbeiterin Eveline Dornseifer (r.) regelmäßig ins Wendener Pfarrheim. Daraus entstehen Patchworkdecken, die die neue Leiterin der Strickgruppe, Ursula Quast (l.), und ihre Vorgängerin Hildegard Weingarten (Mi.) begutachten.
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  • Bunte „Lappen“ – akkurat genäht wie aus der Maschine – bringt Heimarbeiterin Eveline Dornseifer (r.) regelmäßig ins Wendener Pfarrheim. Daraus entstehen Patchworkdecken, die die neue Leiterin der Strickgruppe, Ursula Quast (l.), und ihre Vorgängerin Hildegard Weingarten (Mi.) begutachten.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

yve Wenden. Bündchen, Käppchenferse und dann die Bandspitze – die Maschen „sitzen“. „Ich stricke am liebsten Socken, das hält fit. Ich muss ja zählen.“ Kaum zu glauben, Katharina Schrage aus Möllmicke ist 88 Jahre alt. Routiniert bewegt sie das Nadelspiel, das leise in ihren Händen klappert – ein beruhigendes Geräusch, eigentlich wie gemacht zum Meditieren. Aber das möchte Katharina Schrage nicht. Nein, aus diesem Grund sitzt sie montags nicht im Wendener Pfarrheim.
Stricken statt langweilen„Eigentlich komme ich gar nicht wegen dem Stricken her“, schmunzelt sie. „Hier habe ich Unterhaltung.“ Sich zuhause zu langweilen gefalle ihr gar nicht. Vielen ihrer Mitstreiterinnen der Gruppe geht es ebenso. Bereits seit 1984 existiert diese als Unterabteilung der Caritaskonferenzen St. Severinus.

yve Wenden. Bündchen, Käppchenferse und dann die Bandspitze – die Maschen „sitzen“. „Ich stricke am liebsten Socken, das hält fit. Ich muss ja zählen.“ Kaum zu glauben, Katharina Schrage aus Möllmicke ist 88 Jahre alt. Routiniert bewegt sie das Nadelspiel, das leise in ihren Händen klappert – ein beruhigendes Geräusch, eigentlich wie gemacht zum Meditieren. Aber das möchte Katharina Schrage nicht. Nein, aus diesem Grund sitzt sie montags nicht im Wendener Pfarrheim.

Stricken statt langweilen

„Eigentlich komme ich gar nicht wegen dem Stricken her“, schmunzelt sie. „Hier habe ich Unterhaltung.“ Sich zuhause zu langweilen gefalle ihr gar nicht. Vielen ihrer Mitstreiterinnen der Gruppe geht es ebenso. Bereits seit 1984 existiert diese als Unterabteilung der Caritaskonferenzen St. Severinus. Die betagteste in der Runde ist Katharina Schrage nicht. Das ist Anni Koch, stolze 91 Jahre jung. „Ich bin froh, dass sie bei uns ist, dann bin ich nicht die älteste“, lacht die 88-Jährige, die sich auf ihren neunten Urenkel freut. „Die Kleinen sind so glücklich, wenn ich etwas Gestricktes schenke.“

Kleidung für Rumänien

Montags aber wird nicht für die Familie gestrickt, sondern für die „Ärmsten der Armen“, erzählt Hilde Weingarten. Regelmäßig werden Decken, Mützen und Socken an die Lehmhohlstraße zu Susanne und Leopold Knebel gebracht. Das Wendener Ehepaar verschickt die wärmende Strickware mit anderen Hilfsgütern dann nach Rumänien. „100 Kilogramm dürfen sie einführen, müssen aber pro Kilogramm einen Euro an die Behörden abgeben“, so Ursula Quast. „Das bezahlen die beiden aus eigener Tasche.“ Aber auch jede Privatperson könne die Handarbeiten kaufen. „Das funktioniert über Mund-zu-Mund-Propaganda.“ Die Einnahmen fließen auf ein Konto und werden ausschließlich für karitative Zwecke eingesetzt.

Der Nachwuchs fehlt

Usus sei in der Adventszeit, die Bewohner des Wendener Lebenshilfe-Wohnhauses zu besuchen. Und Jahr für Jahr haben die emsigen Strickerinnen eine Spende dabei. „Es tut gut, wenn man weiß, dass die Hilfe im Ort bleibt“, unterstreicht Ursula Quast. Die 68-Jährige ist die neue Leiterin der Gruppe und damit Nachfolgerin von Hildegard Weingarten, der Frau der ersten Stunde. 36 Jahre Ehrenamt liegen hinter ihr. Mia Clemens, die im vergangenen März gestorben ist, war die letzte Strickerin, die die Anfänge 1984 miterlebte. „Früher waren wir immer über 20 Personen“, erinnern sich die Frauen. Heute zählt der feste Stamm derer nur noch zwölf. „Der Nachwuchs fehlt einfach“, bedauert Ursula Quast, die mit ihren 68 Jahren montags im Pfarrheim das „Nesthäkchen“ ist. „Wir würden gerne auch Jüngere hier begrüßen – auch Männer, die gerne stricken.“ Frischer Wind sei schließlich immer gut. Waltraud Greven (70) bereichert als letzter Neuzugang seit vier Jahren die Gruppe.

Pause muss sein

Die Wichtigkeit der wöchentlichen Treffen hat die Corona-Pandemie den Frauen vor Augen geführt. Zwangspause ab März, damit mussten auch sie sich anfreunden. Das Klönen habe schon sehr gefehlt, darüber herrscht bei der ersten Zusammenkunft nach dem Lockdown Einigkeit. Nur an die Hygienemaßnahmen müssen sich die Strickerinnen gewöhnen. „Das ist nicht so schön, wir sitzen so weit auseinander“, sagt Katharina Schrage. „Wir müssen so laut reden.“ Zumindest auf das Verwöhnprogramm muss an diesem Nachmittag keiner verzichten. Köstlicher Waffelduft strömt aus der Küche in den großen Saal, jetzt klappern hörbar Kuchengabeln statt Nadeln im Akkord. Ein Päuschen muss schließlich sein.

Unterstützung für Hilfsprojekte in Brasilien

Acht Frauen in „Wechselschicht“ backen montags für die fleißigen Handarbeiterinnen. „Dafür zahlt jede Frau 2 Euro“, berichtet Ursula Quast. So fülle sich das Konto kontinuierlich. „Daher waren wir auch in der Lage, 1000 Euro für ,Lago da Pedra‘ zu spenden“, so die Leiterin. Bekanntlich werden auf der Wendener Kirmes am Stand von „Lago da Pedra“ hohe Erlöse erzielt, um Hilfsprojekte in Brasilien zu unterstützen. Durch den Ausfall der „Kärmetze“ ist diese wichtige Einnahmequelle versiegt. Ursula Quast: „Hier zu helfen war ein großes Anliegen von Hildegard Weingarten.“ Wie auch weiterhin deren regelmäßigen Besuche im Pfarrheim bei „ihren“ Strickdamen. „Alle sind immer gerne hierhergekommen. Das hat mich auch bewogen, die Gruppe so viele Jahre zu begleiten“, erzählt die ehemalige Leiterin. „Ich hatte schon Heimweh nach euch“, sagt sie in die Runde, die sie in dieser Zusammensetzung seit Wochen nicht mehr gesehen hat. „Hier geht es ja nicht nur um das Stricken, sondern auch um Kommunikation – hier erfährt man Neues und so manches, was im Dorf passiert.“

Stricken in Heimarbeit

„Wir haben sogar Heimarbeiterinnen unter uns“, bemerkt Ursula Quast. Eine ist Eveline Dornseifer. Bepackt mit zwei großen Taschen kommt sie in den Saal und strahlt. Auch Eveline haben die vertrauten Gesichter der Montagsrunde gefehlt. Dann leert sie den Inhalt ihrer Taschen. Farbige, akkurat gestrickte „Lappen“ en masse legt sie auf einen Tisch. „Wie aus der Maschine“, bewundert Ursula Quast.
„Erst erledige ich meine Arbeit, dann schaue ich Fernsehen und stricke“, so die Heimarbeiterin. Die 20 mal 20 Zentimeter großen und aus 40 Maschen bestehenden „Lappen“ von Eveline Dornseifer sind im Pfarrheim dann ein Fall für Mia Häner. Fachmännisch umhäkelt sie die Stücke für die späteren Patchworkdecken. „Allein dafür brauche ich zwölfeinhalb Stunden.“ Auch der Zeitaufwand für ein paar Socken ist enorm – 15 Stunden dauert es, bis die letzte Masche der wärmenden Fußbekleidung gestrickt ist.

Wollspenden und Nachwuchs gern gesehen

Das Material darf den Frauen beim Arbeiten selbstverständlich nicht ausgehen. „Meist arbeiten wir mit Wollspenden“, so Ursula Quast. „Willkommen sind auch ausgediente Strickpullover, die ribbeln wir auf.“ Materialien können montags ab 14 Uhr im Pfarrheim abgegeben werden. „Über Spenden freuen wir uns immer sehr“, so die Leiterin. „Und auch über Nachwuchs, der sich zu uns gesellt“, wiederholt sie. Bis dahin aber hält Ursula Quast die Stellung als „Nesthäkchen“ in der Riege der Montags-Strickerinnen.

Bunte „Lappen“ – akkurat genäht wie aus der Maschine – bringt Heimarbeiterin Eveline Dornseifer (r.) regelmäßig ins Wendener Pfarrheim. Daraus entstehen Patchworkdecken, die die neue Leiterin der Strickgruppe, Ursula Quast (l.), und ihre Vorgängerin Hildegard Weingarten (Mi.) begutachten.
Stricken hält fit – darüber herrscht Einigkeit bei den Montags-Strickerin.
Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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