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„Hünsborner Farmtrial“ am Flugplatz
„Tilly“ und die Heidschnucken

Guido Blinten mit „Tilly“, in der für Border-Collie typischen leicht geduckten Körperhaltung, beim ersten Aufeinandertreffen mit den Lammböcken, die den Respekt vor dem Hütehund erst noch lernen müssen.  Foto: soph
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  • Guido Blinten mit „Tilly“, in der für Border-Collie typischen leicht geduckten Körperhaltung, beim ersten Aufeinandertreffen mit den Lammböcken, die den Respekt vor dem Hütehund erst noch lernen müssen. Foto: soph
  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

soph ■ „Sitz!“, „Platz!“, „Bleib!“ – diese drei Grundkommandos lernen Hundebesitzer und Vierbeiner in jeder Hundeschule. Und es dürfte auch jedem Nicht-Hundebesitzer klar sein, was mit ihnen gemeint ist. Hört man jedoch Guido Blinten dabei zu, wie er mit seiner Border-Collie-Hündin spricht, dürften die meisten zunächst recht ratlos sein. Doch „Tilly“ weiß ganz genau, was ihr Herrchen mit „Away to me“ und „Come by“ meint – und sie befolgt seine Anweisung ohne eine Sekunde zu zögern. Das muss sie auch, denn „Tilly“ hat einen Job zu erledigen: Sie ist als Hütehund sozusagen der verlängerte Arm von Guido Blinten und soll für ihn eine kleine Herde Schafe von links nach rechts über eine Weide treiben.

soph  „Sitz!“, „Platz!“, „Bleib!“ – diese drei Grundkommandos lernen Hundebesitzer und Vierbeiner in jeder Hundeschule. Und es dürfte auch jedem Nicht-Hundebesitzer klar sein, was mit ihnen gemeint ist. Hört man jedoch Guido Blinten dabei zu, wie er mit seiner Border-Collie-Hündin spricht, dürften die meisten zunächst recht ratlos sein. Doch „Tilly“ weiß ganz genau, was ihr Herrchen mit „Away to me“ und „Come by“ meint – und sie befolgt seine Anweisung ohne eine Sekunde zu zögern. Das muss sie auch, denn „Tilly“ hat einen Job zu erledigen: Sie ist als Hütehund sozusagen der verlängerte Arm von Guido Blinten und soll für ihn eine kleine Herde Schafe von links nach rechts über eine Weide treiben. Die Heidschnucken gehören Steffen Schlabach und leben ganz in der Nähe des Flugplatzes in Hünsborn. Und genau dort findet am 30. November und 1. Dezember der erste „Hünsborner Farmtrial“ der Arbeitsgemeinschaft  Border-Collie Deutschland statt, ein Verein mit 700 Mitgliedern aus ganz Deutschland. Zwei davon sind Guido Blinten aus Netphen und Steffen Schlabach, der mit seinen Schafen die Wiesen rund um den Flugplatz beweidet. Mittlerweile besitzt er 140 Tiere und damit genügend, um einen solchen Trial überhaupt stattfinden zu lassen. Denn an dem Wochenende werden 40 Teams aus ganz Deutschland erwartet – und jedes Schaf darf pro Tag nur zweimal teilnehmen. „Das Tierwohl steht an oberster Stelle“, betonen Schlabach und Blinten, die gemeinsam die Idee des Farmtrials auf der weitläufigen Fläche des Flugplatzes entwickelt haben. Und auch der Luftsportverein Hünsborn war von dieser direkt begeistert, die Mitglieder werden sich an dem Wochenende um die Bewirtung der Gäste kümmern.

„Ein Jahr pro Bein“

Solche Trials werden veranstaltet, um herauszufinden, welche Hütehunde die besten sind und somit zur Zucht genutzt werden. Theoretisch kann jeder Border-Collie zum Hütehund ausgebildet werden, das liegt schließlich in den Genen der Rasse, sinnvoll ist es sicherlich nur für Hundebesitzer, die auch wirklich mit den Tieren arbeiten wollen. Bis zum ersten Geburtstag sollte man so oder so mit dem Beginn der Ausbildung warten, wie Guido Blinten erläutert, und das Tier zunächst die normalen Umweltreize verarbeiten lassen. „Dann kommt es auf den Hund an. Wenn man mit ihm an die Schafe geht, merkt man direkt, ob er noch Faxen im Kopf hat. Dann wartet man eben noch ein paar Wochen.“ Was die Dauer der Ausbildung betrifft, gibt es eine leichte Faustformel: „Ein Jahr pro Bein.“ Der Verein hat das Ziel, den Border-Collie als Koppelgebrauchshund zu erhalten und zu fördern. „Fast alle unsere Mitglieder sind auch Schafshalter und die Hunde ihre täglichen Arbeitskollegen“, erklärt Guido Blinten. Steffen Schlabach ist da eher die Ausnahme: Er hat zwar auch zwei Hütehunde, arbeitet mit diesen jedoch nicht „an den Schafen“. Seine Tiere kennen folglich die Arbeit mit den Hunden nicht und mussten erstmal auf den Trial vorbereitet werden. Dazu haben sich die beiden Vereinskollegen am vergangenen Wochenende getroffen und die weiblichen Tiere im Pulk von zwei Hunden von links nach rechts über den Flugplatz treiben lassen.

Für die SZ präsentierte Guido Blinten auf der Weide von Steffen Schlabach einen kurzen Auszug aus seiner Arbeit – mit „Tilly“ und einer Gruppe von Lammböcken, die ihrerseits wiederum zum ersten Mal auf einen Hütehund trafen und daher – das konnte selbst das ungeübte Auge sehen – so gar keinen Respekt vor der Hündin hatten. „,Tilly’ weiß ganz genau: Wenn sie jetzt einen Schritt zu viel macht, kriegt sie einen drüber. Die anderen waren deutlich flüchtiger, als diese Modelle hier“, sagte Guido Blinten mit einem Augenzwinkern. „Tilly“ gab sich dennoch alle Mühe, die Kommandos ihres Herrchen umzusetzen und trieb die Schafe bei „Come by“ nach links und „Away to me“ nach rechts. Für große Distanzen ist es sinnvoll, die Kommandos mit einer Pfeife geben zu können, auf welcher Sprache sie gesagt werden, ist dem Hundehalter überlassen. „Ich finde, sie klingen auf englisch runder – ,lay down’, das ist doch viel sanfter als ,Platz’“, so Guido Blinten. Und auch für „Tilly“ scheint das „good girl“ zwischendurch sehr gut zu klingen. Die Hündin hatte recht viel Arbeit mit den uneinsichtigen Tieren, Guido Blinten behielt in jedem Augenblick die Ruhe, mit 16 Jahren Erfahrung können auch respektlose Heidschnucken ihn nicht erschrecken.

Schafe müssen Respekt vor dem Hund haben 

Während „Tilly“ von ihrem Naturell her eher zurückhaltend ist, würde ihr rauhaariger Kollege „Tweed“ da schon härter vorgehen und auch mal „in die Schafe reingreifen“, wie Guido Blinten erklärt. „Die Tiere müssen erfahren, dass der Hund gefährlich ist für sie.“ Bei dem sogenannten Reingreifen verletzt der Hund die Schafe natürlich nicht, er verschafft sich lediglich Respekt. Und den braucht es auch, damit nicht am Ende der Hund das Nachsehen hat. „Wenn so ein Bock mal angreift, dann hat ein Border-Collie keine Chance.“ Und tatsächlich sahen die beiden großen Zuchtböcke, die langsam vom hinteren Teil der Weide auf die Besucher zukamen, noch einmal sehr viel eindrucksvoller als ihre jüngeren Kollegen aus. Beim Kennenlernen von Schafen und Hund blieb es an dieser Stelle daher auch beim respektvollen Beobachten von beiden Seiten, und Guido Blinten konnte „Tilly“ mit „Daddeldoo“ („That’s all do“), dem sicherlich wohlklingensten Kommando von allen, zu verstehen geben, dass ihre Arbeit für diesen Tag getan war – ihren großen Auftritt hat sie dann bald beim „Hünsborner Farmtrial“.

Guido Blinten mit „Tilly“, in der für Border-Collie typischen leicht geduckten Körperhaltung, beim ersten Aufeinandertreffen mit den Lammböcken, die den Respekt vor dem Hütehund erst noch lernen müssen.  Foto: soph
Steffen Schlabach und Guido Blinten mit „Race“, „Tilly“ und „Tweed“ (v.l.).
Autor:

Katja Fünfsinn (Redakteurin) aus Siegen

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