Turbulente Handlung begeisterte

Theaterverein glänzte vor vollen Rängen / Harte Probenarbeit mündete in großem Erfolg

rudi Hünsborn. »Mama ist dagegen – Papa ist dafür«, dieser Satz sollte den Besuchern der Hünsborner Dorfgemeinschaftshalle noch lange in den Ohren klingen. Das gleichnamige Stück nach Karl Mertens stellte dort nämlich die Grundlage für die diesjährigen Aufführungen des Theatervereins Hünsborn dar. Die Truppe um den Vorsitzenden Karl-Heinz Klein hatte sich wieder mächtig ins Zeug gelegt, um dem Publikum rund drei Stunden beste Unterhaltung zu bieten. Dieses Ziel erreichte die Akteure allemal – und wurden dafür gebührend belohnt. Sowohl am Freitag als auch am Samstag spielte man nämlich vor nahezu ausverkauften Rängen.

Derart viele Besucher hatte der Verein bei der freitäglichen Premiere bis dato noch nicht verbuchen können. Entsprechend erfreut zeigte sich Karl-Heinz Klein bei der Begrüßung. »So voll hatten wir die Hütte noch nicht«, so Klein, »sie werden sich wundern, was hier heute Abend vor sich geht.« Er hielt Wort. Der Abend barg nicht nur beste Unterhaltung, sondern strapazierte vor allem die Lachmuskeln. Wie immer hatte die Truppe um Regisseurin Reinhilde Junge ein Bühnenwerk mit viel Wortwitz und Situationskomik ausgewählt – von der ersten Minute an. So konnten die Zuschauer schon mit dem Öffnen der Vorhänge erahnen, welch turbulente Szenen ihnen bevorstanden.

Schon im ersten Bild präsentierte sich Hauptakteur Dr. Jodokus Hastenfloh (Frank Wurm) nämlich in einer Frauenschürze, seine Gattin Friederike Hastenfloh (Marianne Ledwig) im Herren-Anzug. Es war klar, wovon die Geschichte handelte: Eine absolute Rollenumverteilung im Hause Hastenfloh, bei der die Dame des Hauses buchstäblich die Hosen an hat, während der Herr in der Frauenschürze die Hausarbeit verrichten muss. Obendrein wirbelt auch Tochter Johanna Hastenfloh (Sarah Huckestein) manchen Staub auf, als sie sich in den Theaterfotografen Egon-Tiberius Krümel (Peter Sigmund) verliebt und gleichzeitig ihren Vater darin bestärkt, eine Rebellion gegen die Mutter zu starten.

Der »kalte Krieg« beginnt und zieht immer größere Kreise. Durch die Verkettung unglücklicher Umstände werden immer mehr Personen in die diffuse Situation hineingezogen: Der Vater küsst das Hausmädchen, die Mutter wirbt unerwünschte Heiratsanwärter für die Tochter – kurzum: Zuletzt ist das Chaos perfekt. Doch wie so oft wird schließlich doch alles gut. Das Ehepaar Hastenfloh lässt sich nicht scheiden und findet stattdessen wieder zu einer »normalen« Rollenverteilung zurück; bei vielen der übrigen Beteiligten läuten zuletzt die Hochzeitsglocken.

Eine turbulente Handlung also, die das Publikum restlos begeisterte – den Akteuren jedoch auch alles abverlangte. Das diesjährige Stück war nämlich nicht nur aufgrund seiner langen Spielzeit eine enorme Herausforderung für die Laienschauspieler. Vor allem die zum Teil sehr langen Textpassagen erforderten viel Fleiß und Konzentration. Souffleuse Karin Halbe hatte dennoch einen »leichten« Job. Die Monologe und Dialoge saßen nahezu perfekt. Die emsige Probenarbeit im Vorfeld machte sich einmal mehr bezahlt.

Wie liebevoll man dabei an einer optimalen Umsetzung des Drei-Akters gefeilt hatte, wurde auch anhand zahlreicher Effekte und Details deutlich, die man in das Stück einbrachte. Neben einer aufwändigen Belichtung und Vertonung sowie einer ansprechenden Bühnenkulisse im Stil der 50er Jahre ließ der Verein echtes Porzellan zu Bruch gehen, um einer turbulenten Diskussion der Hastenflohs Nachdruck zu verleihen. Kombiniert mit einer hervorragenden Mimik und Gestik der Schauspieler waren es eben diese Details, die dem Stück ihren Charme gaben und Situationskomik sowie Wortwitz exakt an der richtigen Stelle heraufbeschworen.

Die Wirkung beim Publikum ließ nicht lange auf sich warten: Mit tosendem Applaus dankte man den Akteuren für einen wieder einmal gelungenen Abend. Einmal mehr stellte der Theaterverein Hünsborn unter Beweis, dass er sein Handwerk versteht. Und dieses Mal war Mama vielleicht dagegen und Papa dafür – das Publikum hingegen plädierte einstimmig für eine hervorragende Kritik.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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