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Gerlinger Interessengemeinschaft legt Pläne zur Entlastung der Ortsdurchfahrt vor
Überparteiliche Initiative

Gerlingens Ortsvorsteher Benjamin Hacke (l.) und Jonas Heymann zeigen eine von Heymann skizzierte Grafik, wie eine mögliche Ortsumgehung für Gerlingen aussehen könnte.
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  • Gerlingens Ortsvorsteher Benjamin Hacke (l.) und Jonas Heymann zeigen eine von Heymann skizzierte Grafik, wie eine mögliche Ortsumgehung für Gerlingen aussehen könnte.
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sz Gerlingen. Ausgelöst durch die Berichterstattung über die Ansiedlung des Handels- und Versandunternehmens Amazon im Gewerbegebiet „Auf der Mark“ hat sich eine Interessengemeinschaft Gerlinger Bürger gebildet, die „konstruktive Vorschläge zur Entlastung der Ortsdurchfahrt erarbeiten will“, so eine Mitteilung. Damit solle eine Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität erreicht und Gerlingen wieder lebenswerter werden. Die Initiative betont, überparteilich und offen für die Zusammenarbeit mit allen Personen und Institutionen zu sein. Sprecher ist der im vergangenen Herbst neu gewählte Ortsvorsteher von Gerlingen, Benjamin Hacke. Das ambitionierte Ziel ist, die Verkehrssituation der Ortschaft zeitnah und nachhaltig zu verbessern.

sz Gerlingen. Ausgelöst durch die Berichterstattung über die Ansiedlung des Handels- und Versandunternehmens Amazon im Gewerbegebiet „Auf der Mark“ hat sich eine Interessengemeinschaft Gerlinger Bürger gebildet, die „konstruktive Vorschläge zur Entlastung der Ortsdurchfahrt erarbeiten will“, so eine Mitteilung. Damit solle eine Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität erreicht und Gerlingen wieder lebenswerter werden. Die Initiative betont, überparteilich und offen für die Zusammenarbeit mit allen Personen und Institutionen zu sein. Sprecher ist der im vergangenen Herbst neu gewählte Ortsvorsteher von Gerlingen, Benjamin Hacke. Das ambitionierte Ziel ist, die Verkehrssituation der Ortschaft zeitnah und nachhaltig zu verbessern. „Dadurch werden die Wohn- und Lebensqualität in Gerlingen, die Transportwege für Gewerbetreibende und der Verkehrsfluss für Transitautofahrer deutlich optimiert.“

Die junge Initiative war bereits intensiv tätig, so liegen schon zwei Varianten zur Ortsentlastung vor, zum einen ein von Mitglied Jonas Heymann erarbeiteter Entwurf einer Ortsumgehung und ein Entwurf zum Anschluss des Gewerbegebiets an die Autobahn 4. „Wir beantragen, dass diese Varianten und gegebenenfalls weitere in einer Machbarkeitsstudie geprüft und bewertet werden“, heißt es in der Pressemitteilung von „Besser leben in Gerlingen“ (BliG).

Ergänzungswünsche zur Verkehrsflussanalyse

Dazu wurden Ergänzungswünsche zur Verkehrsflussanalyse formuliert und der Gemeinde Wenden sowie den im Rat vertretenen Fraktionen, zugeleitet. Großen Wert legt „BliG“ darauf, un- und überparteilich tätig zu sein: „Nach den bisherigen Rückmeldungen besteht offensichtlich ein parteiübergreifender Konsens. Eine einvernehmliche Entscheidung würde ein starkes Votum für die Gespräche auf Landes- oder Bundesebene darstellen.“

So wie auf dieser Karte könnte eine mögliche Ortsumgehung aussehen.
  • So wie auf dieser Karte könnte eine mögliche Ortsumgehung aussehen.
  • Foto: / Grafik: „BliG“
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Nähere Informationen gibt es auf der Internetseite des Vereins für Dorfgemeinschaftsaufgaben Gerlingen unter dem ReiterBliG. Um dem Anliegen Nachdruck zu verleihen, wurde eine Online-Petition gestartet, der man beitreten kann.

Unterdessen haben sich nach dem CDU-Ortsverband und der SPD-Ratsfraktion (die SZ berichtete) auch die UWG und die Grünen zur Gerlinger Verkehrsbelastung geäußert: Die Grünen zeigen sich erfreut, dass sich Gerlinger Bürger „zusammensetzen und sich für ein lebenswertes Gerlingen einsetzen“. Die Initiative „BliG“ sei mehr als notwendig, „da die Verkehrssituation schon seit Jahren unerträglich ist“. Die Grünen wollen „jede sinnvolle Maßnahme, die diesen Zustand mildern kann“, unterstützen. Wirkliche Abhilfe sei aber nur durch eine Ortsumgehung zu erwarten.

Alle Beteiligten an einem Strang 

Die UWG erklärt ihre Freude darüber, dass die CDU offenbar eine UWG-Idee aufgreife. „Doch statt nun seitens der UWG ob des offensichtlichen ,Ideenklaus’ echauffiert zu sein, freuen wir uns außerordentlich, wenn unsere Vorschläge und Gedanken auch bei anderen Parteien auf fruchtbaren Boden fallen.“ Gerade in puncto „Verkehrsbelastung Gerlingen“ sei es zielführend, wenn alle lokalen Beteiligten an einem Strang ziehen.

So wie auf dieser Karte könnte eine potenzielle direkte Autobahn-Anbindung des Industriegebiets „Auf der Mark“ aussehen.
  • So wie auf dieser Karte könnte eine potenzielle direkte Autobahn-Anbindung des Industriegebiets „Auf der Mark“ aussehen.
  • Foto: / Grafik: „BliG“
  • hochgeladen von Marc Thomas

„Alle Ideen müssen auf den Tisch“, so die UWG Wenden. „Die schon bis dato untragbare Situation wird durch die nicht mehr zu verhindernde Ansiedlung eines Amazon-Verteilzentrums noch zusätzlich verschärft. Dass die großen Parteien hierbei auch ihre Bundes- und Landtagsabgeordneten mit ins Boot holen, sollte nicht erst seit heute selbstverständlich sein. „Packen wir es an! Gemeinsam!“

Umgehung, Optimierungen, Tempo 30 Die Gerlinger Initiative möchte folgende Punkte angehen: -Bau einer Umgehungsstraße westlich der L 512 - Koblenzer Straße, gegebenenfalls im Kontext zum Umbau des Autobahnkreuzes bzw. zum sechsstreifigen Ausbau der Bundesautobahn A 45. -Erstellung einer verkehrlichen Untersuchung bezüglich dieser Umgehungsstraße auf der Grundlage der aktuellen Verkehrsbelastungen für Status quo und Prognosehorizont 2027. -Ermittlung der Staulängen und Wartezeiten in den Einmündungs- und Knotenbereichen der vorhandenen Ortsdurchfahrt gegenüber einer Umgehungsstraße. -Berücksichtigung aller Verkehre aus den vorhandenen und geplanten Gewerbe- und Industriegebieten der Gemeinde Wenden, die zwangsläufig über die vorhandene Ortsdurchfahrt Gerlingen die Autobahnanschlussstelle Wenden erreichen. -Vorschlag zu den erforderlichen Entwurfselementen (Radien, Gradiente, Querschnitte etc.) der neuen Umgehung unter Berücksichtigung der Situation der erforderlichen „Umleitungsstrecke für A 45“. -Optimierungsvorschlag der verkehrlichen Situation zur vorhandenen Ortsdurchfahrt L 512, insbesondere Betrachtung der nicht harmonisierten Ampelschaltungen. -Prüfung einer Reduktion der Höchstgeschwindigkeit auf der Koblenzer Straße in der Nachtzeit auf Tempo 30. -Erarbeitung eines Vorschlages, der Platz, Sichtbarkeit und Sicherheit für Radfahrer in der Ortsdurchfahrt gewährleistet.

KOMMENTAR:

Einfachste Lösung darf kein Tabu sein Eigentlich ist es ein Wunder, dass die Gerlingerinnen und Gerlinger erst jetzt aufstehen. Seit Jahrzehnten tragen sie mit ihrer Ortsdurchfahrt eine Last, die nach und nach immer schwerer wurde. Auch der Weiterbau der HTS, von dem sich viele eine spürbare Entlastung versprochen hatten, ist praktisch spurlos an der Koblenzer Straße und ihren Anliegern vorbeigegangen; wenn es je dadurch eine Verbesserung gab, wurde sie durch die allgemeine Zunahme des Straßenverkehrs aufgesaugt. Nach wie vor rollen Tausende von Autos täglich – und nächtlich – mitten durch den Ort. Die Straße durchschneidet Gerlingen wie eine Wunde; von Lärm, Staub und Abgasen spüren auch die Anlieger entfernterer Straßen mehr als genug. Vor Jahren unternahm der damalige Bürgermeister Peter Brüser einen Anlauf, um Entlastung zu schaffen: Die ehemalige Bahntrasse sollte als Bypass der Ortsdurchfahrt dienen. Doch die Bürgerinnen und Bürger befürchteten, statt einer Ent- eine zweite Belastung zu erhalten. Kein Wunder, liegt die Trasse doch im selben Tal und hätte nur den Verkehr der Achse Freudenberg-Olpe aufgenommen – der Strom aus bzw. nach Wenden wäre weiter über die Ortsdurchfahrt gerollt. Eine echte, einfache und gangbare Lösung wäre es, einen Großteil insbesondere des besonders störenden Schwerverkehrs abzufangen, indem eine direkte Anbindung von der Autobahn ins Industriegebiet gebaut würde. Doch verweisen hier die Fachleute auf Paragraphen – die Anschlussstelle Wenden liege zu nahe an der Mark, daher sei so etwas nicht machbar. Doch ist hier ein Ansatzpunkt gegeben, der ein Nachhaken lohnend machen dürfte. Denn die Gesamtsituation von Industriegebiet, Autobahnkreuz und Ortslage sind so beschaffen, dass die Logik dafür spricht, einen solchen Weg einzuschlagen. Keine andere Lösung wäre mit so wenig Eingriffen so effektiv wie der direkte Autobahnanschluss. j.winkel@siegener-zeitung.de
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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