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Leiter der Wendener Schulen berichten über Corona-Krise und deren Auswirkungen
Umbrüche von jetzt auf gleich

yve ■ Durch die Ausbreitung des neuen Coronavirus standen und stehen die Schulen vor großen Herausforderungen. Wie wurde der Unterricht trotz Schulschließungen fortgeführt? Und welche Vorbereitungen auf Teil- und Regelöffnung wurden getroffen? Derlei Fragen hatte die Wendener UWG-Fraktion in der Mai-Sitzung des Ausschusses Bildung und Soziales gestellt. In der jüngsten Sitzung am Dienstag berichteten dann die Leiter der vier Bildungseinrichtungen in der Gemeinde über die „Corona-Krise und deren Auswirkungen auf die Schulen“.

Bemängelt wurde insbesondere der Faktor Zeit. So seien E-Mails mit Vorgaben der Landesregierung oft erst freitagsabends oder am Wochenende eingegangen. Umgesetzt hätten die meisten Verordnungen dann bereits schon am folgenden Montag werden müssen.

yve  Durch die Ausbreitung des neuen Coronavirus standen und stehen die Schulen vor großen Herausforderungen. Wie wurde der Unterricht trotz Schulschließungen fortgeführt? Und welche Vorbereitungen auf Teil- und Regelöffnung wurden getroffen? Derlei Fragen hatte die Wendener UWG-Fraktion in der Mai-Sitzung des Ausschusses Bildung und Soziales gestellt. In der jüngsten Sitzung am Dienstag berichteten dann die Leiter der vier Bildungseinrichtungen in der Gemeinde über die „Corona-Krise und deren Auswirkungen auf die Schulen“.

Bemängelt wurde insbesondere der Faktor Zeit. So seien E-Mails mit Vorgaben der Landesregierung oft erst freitagsabends oder am Wochenende eingegangen. Umgesetzt hätten die meisten Verordnungen dann bereits schon am folgenden Montag werden müssen. Umbrüche seien sozusagen von jetzt auf gleich erfolgt. Durchweg als lobenswert wurde indes das Verhalten zumindest der Grundschüler angesehen. „Das war sehr diszipliniert“, betonte Peter Clemens, stellv. Leiter der Katholischen Grundschule Gerlingen. Da seien die Kinder manchen Erwachsenen deutlich voraus gewesen. Im Regelbetrieb weiche das natürlich auf.

Sabine Bock, Schulleiterin der Hünsborner Gemeinschaftsgrundschule, erzählte, dass noch vor der Bekanntgabe der Schulschließung am 15. März ein Kommunikationstool eingerichtet worden sei. Das Nutzen digitaler Medien habe dann eine unglaubliche Dynamik angenommen. Lernstoff sei klassenweise über die Website vermittelt worden – mit Erklärvideos und der Möglichkeit zum Download. Rechtzeitig seien auch Pakete mit Lernmaterial für die Schüler gepackt worden. „Dieses Bild hat sich wohl an den meisten Schulen geboten“, so Sabine Bock, die auch von der UWG nach der Unterstützung durch den Schulträger gefragt wurde. An einer Stelle habe es „geknirscht.“ Die Schulleiterin bezog sich auf die Reinigungsmaßnahmen in den Osterferien, die nicht reibungslos vonstatten gegangen, aber wichtig gewesen seien aufgrund der Notbetreuung in dieser Zeit. Jetzt werde wieder täglich gereinigt. „Wir sind da nun auf einem einvernehmlichen Weg unterwegs.“ Problematisch sei der Erhalt von Sicherheitsausrüstung wie Bodenmarkierungen oder Spuckschutz gewesen. „Da hat jede Schule vor sich hin gewerkelt.“ Daraus könne gelernt werden, indem man diese Dinge in großen Stückzahlen zentral für alle Schulen beschaffe. Sabine Bock zeigte sodann anhand von Bildern, wie der Schulbetrieb unter Einhaltung der Sicherheitsvorkehrungen nach der Teilöffnung aussah. Zudem informierte sie über das erweiterte Online-Klassenzimmer.

Mit dem Regelbetrieb ab dem 15. Juni werden die Hünsborner Kinder nun zeitversetzt ohne Gong in festen Gruppen unterrichtet. In puncto OGS-Betrieb informierte die Schulleiterin, dass das Betreuungsangebot derzeit nur von einem Drittel der Kinder genutzt werde. Auf die Frage nach vorhandenen Lerndefiziten antwortete Sabine Bock, dass viele Familien ihre Kinder super unterstützten, aber auch Stillstand im Lernfortschritt festgestellt worden sei. „Jetzt lassen wir die Kinder ankommen und schauen, wie es im nächsten Jahr weitergeht.“ Da stehe auch die eine oder andere Empfehlung im Raum, das Schuljahr zu wiederholen. Ausgestattet mit digitaler Technik sei die Schule zum Teil schon vor der Corona-Krise gewesen. So seien auch „iPads“ an verschiedene Familien ausgeliehen worden. „Wir hätten gerne auch noch mehr ausgeliehen.“ Doch nicht jeder Haushalt verfüge über WLAN. Gefragt nach dem jeweiligen Engagement der einzelnen Lehrer während Corona äußerte die Schulleiterin, dass dies mit der generellen Arbeitswelt gleichzusetzen sei, wo auch Unterschiede vorhanden seien.

Nach einem Plan B für die Zeit nach den Sommerferien fragte Ludger Reuber (SPD). Schließlich sei nicht auszuschließen, dass sich währenddessen Schüler und Lehrer infizierten. Ein gewisser Grundstein sei ja schon gelegt worden, so die Schulleiterin. Genaue Vorgaben vom Land NRW dazu folgen laut Sabine Bock in Kürze. „Wir hoffen sehr, dass das passiert, denn wir müssen jetzt die Zeit nutzen.“

Peter Clemens ergänzte einige Punkte in seinen Ausführungen. So sei den Eltern während der Schulschließung angeboten worden, das Sekretariat aufzusuchen, um sich Arbeitsblätter für ihre Kinder ausdrucken zu lassen. „Das wurde auch viel genutzt.“ Für das Homeschooling sei aber auch oft die Homepage genutzt worden. Auch in Gerlingen nutzen laut Clemens bislang nur ein Drittel der Eltern das Betreuungsangebot.

Ein Kommunikationstool wie in Hünsborn stand den Lehrern im Grundschulverbund „Wendener Land“ mit den Standorten Wenden und Rothemühle nicht zur Verfügung. Eine Cloud sei eingekauft worden, doch auf die, berichtete Schulleiter Wolfgang Linz, hätten offenbar zu viele Schulen zugegriffen. Das habe Abstürze zur Folge gehabt. Daher sei die Homepage mit Lerninhalten bestückt worden. Dabei habe es Unterschiede beim Rücklauf der Aufgaben gegeben. Als äußert wichtig für die Zukunft erachtete Linz eine verbesserte mediale Ausstattung für Kinder und Schulen. Die Aufnahme des Regelbetriebs sei reibungslos gelaufen. Sehr, sehr gut habe die Notbetreuung mit einer recht hohen Anzahl von Kindern an beiden Schulstandorten funktioniert. Derzeit nehmen laut dem Schulleiter 50 Prozent der angemeldeten Kinder an der OGS teil. Nach dem Bericht von Linz wurde seitens des Ausschusses gefragt, wie denn der Wegfall von gleich drei Lehrern im Grundschulverbund durch eine Abordnung nach Attendorn kompensiert werde könne. „Wir können das kompensieren“, so Linz. Bei Ausfällen von Lehrern werde das aber schwierig. „In Attendorn scheint die Not offenbar groß zu sein.“

Dann berichtete Schulleiterin Julia Cruz Fernandes über die Corona-Zeit an der Gesamtschule. Durch Digitale Klassenräume sei man nicht völlig unvorbereitet in den Lockdown gegangen. Das Homeschooling habe insgesamt gut funktioniert. „Es waren nur wenige Schüler, die wir nicht erreicht haben.“ Diese seien aber angeschrieben worden. Eine Maskenpflicht sei auf allen Verkehrswegen eingeführt worden, diese habe bis heute Bestand. Unterrichtet werde derzeit – anders an den Grundschulen – im rollierenden System. Der Regelbetrieb werde nach den Sommerferien wieder eingeführt. „Das ist eine schwierige Situation.“ Man wisse nicht, was bei 820 Schülern und 80 Lehrern passiere, wenn ein Fall auftrete. Umstrukturierungen der Schulräume werden laut Julia Cruz Fernandez daher vorgenommen, um besser reagieren zu können. Das Postive der Digitalisierung solle in jedem Fall erhalten bleiben.

Sie sprach abschließend von großen Umbrüchen, „die auf uns zu kommen“. Damit bezog sie sich auf die fortschreitende Digitalisierung der Schulen. Sie stellte die Frage in den Raum, ob in Zukunft überhaupt noch geschrieben werde. Ein Schülerleben ohne handschriftliches Dokument sei jetzt noch nicht vorstellbar, „aber ich glaube ganz sicher, dass das in einigen Jahrzehnten so sein wird.“ Das Rad der Digitalisierung sei schon lange erfunden, aber hinter den Fortschritten komme man nicht so schnell hinterher. „Was uns aber eins ist, dass wir die Kinder und Jugendlichen in Wenden und Umgebung hier mitnehmen wollen.“

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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