SZ

Jan Khalil will sich mit eigener Praxis „auf dem Lande“ selbstständig machen
Und es gibt sie doch…

Jan Khalil (l.) ergänzt seit dem 2. Januar das Ärzteteam in der Praxis von Stefan Spieren (r.) in Hünsborn. Hier will sich der Facharzt für Innere Medizin das Rüstzeug holen, um sich nach einem Jahr mit einer Praxis „auf dem Lande“ selbstständig zu machen.  Foto: hobö
  • Jan Khalil (l.) ergänzt seit dem 2. Januar das Ärzteteam in der Praxis von Stefan Spieren (r.) in Hünsborn. Hier will sich der Facharzt für Innere Medizin das Rüstzeug holen, um sich nach einem Jahr mit einer Praxis „auf dem Lande“ selbstständig zu machen. Foto: hobö
  • hochgeladen von Holger Böhler (Redakteur)

hobö - Glaubt man der überwiegenden Zahl an überregionalen Verlautbarungen, entsteht der Eindruck, dass es keine Ärzte mehr gibt, die sich mit einer eigenen Praxis außerhalb der großen und mittleren Metropolen selbstständig machen möchten. Dem widerspricht Jan Khalil mit Nachdruck. Es gebe durchaus zahlreiche Interessenten – und er selbst sei einer davon. Der 35-jährige Facharzt für Innere Medizin hat seine Anstellung in der Kardiologie im Siegener Marien-Krankenhaus aufgegeben, um sich nun in der Hausarztpraxis Spieren & Kollegen in Hünsborn das nötige Rüstzeug für die Selbstständigkeit zu holen. Im Gespräch mit der SZ gingen die beiden Ärzte ins Detail.

Jan Khalil wurde in Frankfurt a. M. geboren und ging dort zur Schule.

hobö Glaubt man der überwiegenden Zahl an überregionalen Verlautbarungen, entsteht der Eindruck, dass es keine Ärzte mehr gibt, die sich mit einer eigenen Praxis außerhalb der großen und mittleren Metropolen selbstständig machen möchten. Dem widerspricht Jan Khalil mit Nachdruck. Es gebe durchaus zahlreiche Interessenten – und er selbst sei einer davon. Der 35-jährige Facharzt für Innere Medizin hat seine Anstellung in der Kardiologie im Siegener Marien-Krankenhaus aufgegeben, um sich nun in der Hausarztpraxis Spieren & Kollegen in Hünsborn das nötige Rüstzeug für die Selbstständigkeit zu holen. Im Gespräch mit der SZ gingen die beiden Ärzte ins Detail.

Jan Khalil wurde in Frankfurt a. M. geboren und ging dort zur Schule. Er zog dann in das heute vom Bürgerkrieg völlig zerstörte Aleppo in Syrien und machte dort seit Abitur. Danach kehrte er zurück nach Deutschland, absolvierte hier einen neunmonatigen Wehrdienst bei der Bundeswehr und begann 2004 sein Medizin-Studium in Gießen, das er 2010 erfolgreich abschloss. Es folgte die berufliche Anstellung in einem Krankenhaus. „Für mich war klar, dass ich irgendwann in eine Hausarztpraxis wechsele“, erläuterte der in Freudenberg lebende verheiratete Vater von zwei Kindern. Und dieser Wunsch verstärkte sich zuletzt, woraufhin Jan Khalil sich in mehreren Praxen umschaute. Schlussendlich wurde er auf die Hausarztpraxis der Eheleute Stefan und Julia Spieren aufmerksam – nicht zuletzt wegen der modernen Präsentation im Internet.

Und dort traf die Bewerbung auf mehr als nur offene Ohren. Stefan Spieren: „Es ist mir eine Freude, dass wir einen Kollegen aus dem Krankenhaus in unsere Praxis kriegen können – leider ja nur für ein Jahr.“ Denn dann sei die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin abgeschlossen, und Jan Khalil möchte hernach seine eigene Praxis eröffnen.

Die ersten „durchweg positiven Erfahrungen“ in Hünsborn bestätigen den 35-jährigen Mediziner in dieser Absicht. „Das Arbeitsklima ist sehr angenehm, es herrscht ein gutes Miteinander mit den Kollegen und eine schöne Atmosphäre mit dem Patienten. Man merkt, dass sie dankbar sind.“ Neben Stefan Spieren und Jan Khalil sind derzeit außerdem Annette Pomplun und Klaus Mischak im Ärzteteam der Hünsborner Praxis aktiv – Julia Spieren befindet sich im Mutterschutz.

Das Arbeiten in einer Hausarztpraxis biete Vorteile, erklärt Jan Khalil. Man arbeite als Arzt näher am Menschen und könne allein schon wegen des Wegfalls von Schichtdiensten Familie und Beruf besser vereinbaren. Das Jahr als Weiterbildungsassistent in der Praxis Spieren wolle er nutzen, um den Tagesablauf, die administrativen Aufgaben und auch die wirtschaftlichen Eigenheiten einer Hausarztpraxis besser kennen zu lernen. „Die Arbeit hier ist halt viel breiter gefächert gegenüber einer Anstellung in einem Krankenhaus“, so Khalil.

Stefan Spieren bezeichnet seinen neuen Kollegen als „lebendes Beispiel dafür, dass nicht alle Ärzte angestellt arbeiten wollen. Es ist nicht so, dass keiner hierher kommen will. Für mich ist es sowieso der schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann“.

Jan Khalil ist überzeugt, dass es viele weitere junge Ärzte gibt, die aus der Anstellung in die Selbstständigkeit oder zumindest aus dem Krankenhaus in die Hausarztpraxis wechseln möchten. Auf dem Weg dorthin müsse es allerdings Unterstützer geben. Junge Ärzte suchten beispielsweise moderne Praxen. Ein junger Journalist würde ja auch nicht zu einem Verlag gehen, in dem auf Schreibmaschinen geschrieben würde, zieht Jan Khalil einen berufsübergreifenden Vergleich. Er sehe sich fortan auch als Sprachrohr, um andere Assistenzärzte von seinem Werdegang zu berichten. Es schade sicherlich nicht, wenn in den betreffenden Kommunen eine Begrüßungskultur für Ärzte und auch andere Fachkräfte gepflegt würde. Stichworte wie Hilfe bei der Suche nach einem Eigenheim oder Bauplatz sowie geeigneten Praxisräumlichkeiten und eine ideell spürbare Wertschätzung klangen an.

Jan Khalil möchte sich übrigens in der Gemeinde Wilnsdorf niederlassen, weil er dort ein Eigenheim bauen könne. Er hätte sich aber durchaus vorstellen können, auch in eine andere Kommune zu gehen…

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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