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CDU und Verwaltung fühlen sich überrumpelt
Wenden: Ärger über geplanten Schwimmbad-Neubau

Das Werdohler Hallenbad dient immer wieder als Beispiel für einen „kostengünstigen Neubau“. Hier wurden rund 6 Millionen Euro investiert, in Wenden geht man wegen anderer Voraussetzungen derzeit aber von mindestens 9 Millionen Euro aus.
  • Das Werdohler Hallenbad dient immer wieder als Beispiel für einen „kostengünstigen Neubau“. Hier wurden rund 6 Millionen Euro investiert, in Wenden geht man wegen anderer Voraussetzungen derzeit aber von mindestens 9 Millionen Euro aus.
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  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

hobö Wenden. Normalerweise gelangen Informationen über solche Vorhaben nach außen, doch der erstmals gemeinsam gestellte Antrag von SPD, UWG und Grünen, das Schwimmbad in Wenden nicht mehr zu sanieren, sondern komplett neu zu bauen, überraschte in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch alle außerhalb dieser drei Fraktionen. Und da diese seit der Kommunalwahl im Herbst vergangenen Jahres in Gemeinschaft die absolute Mehrheit im Rat besitzen, fand der Antrag die notwendigen Stimmen.
CDU: Nicht generell gegen Neubau des Schwimmbads in WendenDie CDU-Fraktion und auch die Verwaltung mit Bürgermeister Bernd Clemens (CDU) an der Spitze fühlten sich überrumpelt. Als „unseriös“ bis „unverantwortlich“ bezeichnete CDU-Fraktionschef Martin Solbach den plötzlichen Antrag.

hobö Wenden. Normalerweise gelangen Informationen über solche Vorhaben nach außen, doch der erstmals gemeinsam gestellte Antrag von SPD, UWG und Grünen, das Schwimmbad in Wenden nicht mehr zu sanieren, sondern komplett neu zu bauen, überraschte in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch alle außerhalb dieser drei Fraktionen. Und da diese seit der Kommunalwahl im Herbst vergangenen Jahres in Gemeinschaft die absolute Mehrheit im Rat besitzen, fand der Antrag die notwendigen Stimmen.

CDU: Nicht generell gegen Neubau des Schwimmbads in Wenden

Die CDU-Fraktion und auch die Verwaltung mit Bürgermeister Bernd Clemens (CDU) an der Spitze fühlten sich überrumpelt. Als „unseriös“ bis „unverantwortlich“ bezeichnete CDU-Fraktionschef Martin Solbach den plötzlichen Antrag. Und der Bürgermeister zeigte sich „einigermaßen sprach- und fassungslos, dass heute Abend ein Antrag über einen zweistelligen Millionenbetrag kommt. Dieser Vorstoß ist absolut überraschend“. Martin Solbach hob hervor, dass es „absoluter Quatsch ist, zu behaupten, die CDU wäre nur für eine Sanierung. Wir sind offen für die beste Lösung.“ Aber die stehe noch nicht fest, es lägen noch nicht alle Zahlen und Untersuchungen auf dem Tisch. Fraktionskollege Christian Stock: „Wir von der CDU sind nicht gegen einen Neubau, sondern gegen den Zeitpunkt dieser Entscheidung.“
Zur Erinnerung: Am 9. Dezember 2020 hat der Gemeinderat einen Antrag der SPD, die Schwimmhalle an der Gesamtschule neu zu bauen, mit 23:14 Stimmen abgelehnt. Bei 13 Gegenstimmen von SPD und Grünen wurde sodann der Beschlussvorschlag der Verwaltung angenommen, eine Generalsanierung des Schwimmbads an der Grundschule in Wenden durchzuführen. Dies, so versicherten die Verwaltung und Kreise der Politik, sei sinnvoll zu beschließen, um Fördermittel des Bundes zu beantragen. Die weitere Planung und Umsetzung der Generalsanierung, so ein weiterer Bestandteil des Dezember-Beschlusses, sollte nur dann erfolgen, wenn sich die Bausubstanz der Grundschule „als solide herausstellt und ein modernes Lernen am Grundschulstandort Westerberg umgesetzt werden kann“.
Im Dezember hatten SPD und Grüne zusammengehalten, fanden jedoch in der Kombination aus CDU und UWG mehr Stimmen auf der Gegenseite.

UWG plötzlich für Neubau des Schwimmbades Wenden

Nun aber schwang sich die UWG auf die Seite von SPD und Grünen, womit auch die Mehrheit für den Neubau zusammenkam. Die Argumente pro oder contra Sanierung respektive Neubau sind in den vergangenen Monaten zigfach ausgetauscht worden, woher rührt der Sinneswandel in der Unabhängigen Wählergemeinschaft? In der Dezember-Sitzung habe man keine endgültige Entscheidung treffen wollen, so Fraktionschef Thorsten Scheen. Schließlich seien die Ergebnisse der Bausubstanzanalyse für das bestehende Schwimmbad gerade erst vorgestellt worden. In einer Sondersitzung der Fraktion sei man aber nun zum Entschluss gekommen, dass ein Neubau im Bereich der Gesamtschule die beste Option darstelle.
Die wichtigsten Gründe für die Neubau-Befürworter sind:

  • Aufwertung des Gesamtschul-Standortes (25-Meter-Bahn u. a. für Sport-Abitur und DLRG) und der Gemeinde insgesamt;
  • unkalkulierbare Kosten-Risiken einer Sanierung; 
  • modernes, funktionales Bad – statt renoviertes Bad mit dem Charme der 60er-Jahre; 
  • verbesserte Parkplatzsituation und Erreichbarkeit; 
  • eine Sanierung des alten Bades würde den laufenden Schulbetrieb erheblich beeinträchtigen und eine lange Schließung für Besucher, Schulen und DLRG bedeuten; 
  • neue Möglichkeit zur Grundschul-Erweiterung am Westerberg infolge eines Abrisses des alten Bades; 
  • bessere Umsetzung der Barrierefreiheit; 
  • energetische Vorteile. 
Immer 19:17

Der Beschluss zum Neubau des Schwimmbads umfasst sieben Unterpunkte, über die Bürgermeister Bernd Clemens im Gemeinderat einzeln abstimmen ließ. Jedesmal mit dem gleichen Ergebnis: 19-Jastimmen von SPD, UWG und Grünen sowie 17 Gegenstimmen von CDU und Bürgermeister. Bernd Arns von der CDU fehlte, aber mit dessen Anwesenheit hätte das Ergebnis 19:18 gelautet.

Der Beschluss hat folgenden Wortlaut:

  1. Der Ratbeschluss vom 9. Dezember 2020 wird aufgehoben. Die Verwaltung stellt umgehend alle eingeleiteten Schritte für eine Generalsanierung der Schwimmhalle ein und verfolgt diese nicht weiter.
  2. Die Gemeinde Wenden baut an der Gesamtschule ein neues funktionales Bad unter Beachtung von finanzgünstigen Gesichtspunkten (z. B. nach dem „Werdohler Modell“). Das neue Hallenbad verfügt über ein 25 Meter langes Schwimmbecken.
  3. Als Projektanschub werden in den Haushalt 2021 Mittel in Höhe von 500 000 Euro eingestellt. Die Verwaltung erarbeitet umgehend ein Neubau-Finanzierungskonzept und prüft fortwährend Fördermöglichkeiten von Land bzw. Bund. Es wird geprüft, ob das Projekt von einem Generalunternehmen abgewickelt werden kann.
  4. Vorbehaltlich der Ergebnisse des Arbeitskreises „Bildungslandschaft“ wird am Schulzentrum ein Baufeld freigehalten, sodass die Option eines Neubaus der Grundschule besteht.
  5. Es wird ein interfraktioneller Arbeiskreis gebildet, der das Projekt fortwährend mit Bürgermeister und Verwaltung begleitet.
  6. Das neue Schwimmbad wird unter Berücksichtigung der neuesten energiepolitischen Vorgaben realisiert (z. B. Blockheizkraftwerk).
  7. Die Verwaltung prüft die Gründung einer Bäderbetrieb GmbH (steuerlicher Quererverbund).
Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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