SZ

Standorte und System in Wenden passen nicht
Wenig Nutzer für „Schnarchlader“

Daniel Schmidt und Thomas Haase (v. l.) fahren seit Anfang 2019 Elektro-Autos und vermitteln ihre Erfahrungen und Tipps auf einem eigenen Youtube-Kanal. Das System und die Standorte in der Gemeinde Wenden halten die beiden aufgrund ihrer Praxiskenntnisse für nicht gut gewählt.
  • Daniel Schmidt und Thomas Haase (v. l.) fahren seit Anfang 2019 Elektro-Autos und vermitteln ihre Erfahrungen und Tipps auf einem eigenen Youtube-Kanal. Das System und die Standorte in der Gemeinde Wenden halten die beiden aufgrund ihrer Praxiskenntnisse für nicht gut gewählt.
  • Foto: Holger Böhler
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

hobö Wenden. In der Gemeinde Wenden brennt seit längerem eine politische Debatte über zusätzliche Ladesäulen für elektrobetriebene Fahrzeuge. Die SZ berichtete über die Diskussion im Gemeinderat und unter anderem auch über die geringe Auslastung der bereits installierten Ladevorrichtungen in der Kommune. Aufgrund dessen meldeten sich Daniel Schmidt aus Schönau und Thomas Haase aus Cobbenrode bei unserer Zeitung. Die beiden fahren nicht nur seit mehr als zwei Jahren Elektro-Autos, sondern betreiben einen informativen Youtube-Kanal über ihre praktischen Erfahrungen mit den strombetrieben Fahrzeugen. Grund genug, sich mit ihnen zu treffen und unter anderem über ihre Einschätzung sinnvoll stationierter Ladesäulen und -systeme zu sprechen.

hobö Wenden. In der Gemeinde Wenden brennt seit längerem eine politische Debatte über zusätzliche Ladesäulen für elektrobetriebene Fahrzeuge. Die SZ berichtete über die Diskussion im Gemeinderat und unter anderem auch über die geringe Auslastung der bereits installierten Ladevorrichtungen in der Kommune. Aufgrund dessen meldeten sich Daniel Schmidt aus Schönau und Thomas Haase aus Cobbenrode bei unserer Zeitung. Die beiden fahren nicht nur seit mehr als zwei Jahren Elektro-Autos, sondern betreiben einen informativen Youtube-Kanal über ihre praktischen Erfahrungen mit den strombetrieben Fahrzeugen. Grund genug, sich mit ihnen zu treffen und unter anderem über ihre Einschätzung sinnvoll stationierter Ladesäulen und -systeme zu sprechen.

Vorweg: Daniel Schmidt und Thomas Hasse halten die Standorte in der Gemeinde Wenden für nicht zielführend. Diese These untermauert ja auch deren Auslastung. Zunächst, erklären die beiden anhand ihrer Erfahrungen, dürfe man das Tanken mit Kraftstoff nicht mit dem Aufladen von Batterien vergleichen. Ein E-Auto behandele man eher wie ein Smartphone. Das lade man in der Regel auf, wenn man es nicht nutzt. „Steht er, dann lädt er“ laute die Devise für ein Elektro-Fahrzeug, so Thomas Haase. Man fahre in der Regel ein E-Auto nicht „leer“ und tanke dann erst Strom nach. Dies könne bei längeren Fahrten passieren, aber selbst hier böte sich an, häufiger einzelne, kürzere Stopps an den Ladestationen zu machen.

Zu abgelegen gewählt

Längere Einkäufe, die Visite beim Friseur oder ein Restaurant- bzw. Kinobesuch machten Sinn, um die Batterien zu laden. Aber warum sollte man beispielsweise auf den Rathaus-Parkplatz in Wenden fahren, um das Auto zu laden?

Die meisten E-Autofahrer, ist sich Daniel Schmidt sicher, würden diesen Standort nicht nutzen, weil er zu abgelegen von attraktiven Zielen sei, wo man sich gerne länger aufhalte. Einen Einkauf selbst vom relativ nahegelegenen „Hit“-Markt schleppe man nicht bis hierher. Es stelle sich auch die Frage, ob in der Dunkelheit die mangelhafte Beleuchtung nicht abschreckend wirke. Die Ladesäule in Gerlingen sei im Übrigen völlig unbeleuchtet.

"Schnarchlader" lohnen nicht

Unterwegs wird unterschieden zwischen langsamem Laden mit Wechselstrom (AC – mit max. 22 kW) und Schnellladen mit Gleichstrom (DC – meist zwischen 50 und 250 kW). Die in der Gemeinde Wenden installierten Säulen schaffen bis zu maximal 22 Kilowatt (kW) in der Stunde. In Fachkreisen spricht man hier gerne von „Schnarchladern“. Bei dieser Leistungsfähigkeit lohnt ein Ladevorgang also nur bei einem langen Aufenthalt. Doch ist die Parkdauer nicht nur beim Rathaus auf zwei Stunden begrenzt.

Überdies erscheint ein „Tankvorgang“ im Wendener Land recht kostspielig. Warum, fragt Daniel Schmidt, solle er hier 39 Cent pro Kilowattstunde bezahlen, wenn man zuhause an der Steckdose oder Wallbox für 22 bis 28 Cent pro kWh nachladen könne. Noch gravierender sei der Unterschied, wenn ein E-Autobesitzer noch „selbstproduzierten“ Strom aus der Photovoltaikanlage ziehe. Für das Schnellladen bezahlt man übrigens in der Regel noch mehr: AC für 29 bis 39 Cent pro kWh, DC für 39 bis 49 Cent pro kWh (sogar auch bis zu 79 Cent).

"Eine Hürde, die nicht gern genommen wird"

Die Ladesäulen am Wendener Rathaus hätten nur das Abrechnungssystem „TankE“, kritisieren die beiden E-Autofahrer im SZ-Gespräch. Karten anderer Anbieter könnten hier nicht genutzt werden. Man muss sich aufwändig über das Smartphone anmelden und etliche persönliche Daten eingeben, das nimmt einige Minuten in Anspruch. Eigene Chipkarten führe „TankE“ nicht, versichern die beiden Experten. „Das ist für externe Nutzer eine Hürde, die nicht gerne genommen wird. Einheimische nutzen die Ladestation sowieso nicht, die tanken Strom zuhause“, erklären Schmidt und Haase unisono.

Daniel Schmidt weist darauf hin, dass der Bund kleinen und mittelständischen Unternehmen seit dem 12. April bis zu 80 Prozent Förderung für die Einrichtung von Ladesäulen bzw. -boxen zahle. Dies sollten Friseure, Restaurants, Supermärkte und andere Betriebe nutzen, um Kunden mit E-Autos zu binden.

Geeignete öffentliche Standorte seien all die, wo eine längere Verweildauer winke. So auch der Parkplatz an der Wendener Hütte. Auch der Pendlerparkplatz am Autobahnkreuz Olpe-Süd mache Sinn. Die Stadt Olpe habe am Marktplatz sowie am Schwimmbad ohnehin sinnvolle Standorte ausgesucht. In anderen Regionen Deutschlands rückten inzwischen Ladeparks ins Visier, die eine besondere Verweilqualität mit Lademöglichkeiten verknüpften.

Hier und hier gibt es zwei weitere Artikel zum Thema.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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