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Infoveranstaltung am Mittwoch
Widerstand gegen Amazon-Verteilzentrum

Etwa 70 Bürger vorwiegend aus Gerlingen trafen am gestrigen Vormittag auf dem örtlichen Buswendeplatz ein, um auf die zusätzliche Verkehrsbelastung hinzuweisen, die das Amazon-Verteilzentrum hervorrufen dürfte. Schon jetzt sei die Ortsdurchfahrt völlig überlastet und mithin auch die Bevölkerung.
  • Etwa 70 Bürger vorwiegend aus Gerlingen trafen am gestrigen Vormittag auf dem örtlichen Buswendeplatz ein, um auf die zusätzliche Verkehrsbelastung hinzuweisen, die das Amazon-Verteilzentrum hervorrufen dürfte. Schon jetzt sei die Ortsdurchfahrt völlig überlastet und mithin auch die Bevölkerung.
  • Foto: hobö
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

hobö Gerlingen. Das Logo des Unternehmens ist geschwungen wie ein grinsender Mund, doch in Gerlingen geraten derzeit viele Bürger nicht wirklich ins Schmunzeln, wenn sie mit dem Namen Amazon konfrontiert werden. Die avisierte Errichtung eines Verteilzentrums des US-Versandhändlers im Industriegebiet „Auf der Mark“ bei Gerlingen (die SZ berichtete mehrfach) schürt Befürchtungen, dass die ohnehin vielbefahrene Ortsdurchfahrt von Gerlingen mit weiterem Verkehr be- bzw. überlastet wird.
Was hat Amazon in Gerlingen vor?
Am Dienstag gab es diesbezüglich eine kleine Protestkundgebung auf dem örtlichen Buswendeplatz, zu der rund 70 Bürger vorwiegend aus Gerlingen erschienen.

hobö Gerlingen. Das Logo des Unternehmens ist geschwungen wie ein grinsender Mund, doch in Gerlingen geraten derzeit viele Bürger nicht wirklich ins Schmunzeln, wenn sie mit dem Namen Amazon konfrontiert werden. Die avisierte Errichtung eines Verteilzentrums des US-Versandhändlers im Industriegebiet „Auf der Mark“ bei Gerlingen (die SZ berichtete mehrfach) schürt Befürchtungen, dass die ohnehin vielbefahrene Ortsdurchfahrt von Gerlingen mit weiterem Verkehr be- bzw. überlastet wird.

Was hat Amazon in Gerlingen vor?

Am Dienstag gab es diesbezüglich eine kleine Protestkundgebung auf dem örtlichen Buswendeplatz, zu der rund 70 Bürger vorwiegend aus Gerlingen erschienen.

Amazon wollte Pläne im Gemeinderat Wenden bereits vorstellen

Ursprünglich hatte Amazon vor, die Unternehmenspläne für Gerlingen in einer Sondersitzung des Wendener Gemeinderats am 15. Dezember vorzustellen, die aber wegen der steigenden Zahl an Covid-19-Infizierungen abgesagt wurde. Die Information der Ratsmitglieder und der Bürger erfolgt am Mittwoch in Form einer virtuellen Veranstaltung ab 17.30 Uhr. In dieser Online-Infoveranstaltung der Firmen Amazon und Panattoni werden das Bauprojekt und die verkehrliche Situation von Vertretern der Unternehmen sowie der Gemeinde Wenden vorgestellt. Im Anschluss besteht die Möglichkeit für die Ratsmitglieder und Bürger, in einem parallel geschalteten Chat Fragen zu stellen. Ein wie auch immer gearteter Beschluss wird übrigens nicht gefasst. Es handelt sich nicht um eine Ratssitzung, sondern eine Infoveranstaltung der Unternehmen.

Niveaulose Debatte nach WDR-Beitrag

Um an dieser virtuellen Veranstaltung teilzunehmen, ist übrigens noch eine Anmeldung bei der Gemeinde Wenden (E-Mail an: b.droege@wenden.de) möglich. Wie Bastian Dröge, Leiter des kommunalen Fachdienstes Zentrale Dienste, auf Anfrage der SZ erklärte, haben sich bis Dienstagabend rund 150 Teilnehmer angemeldet, insgesamt seien 250 möglich. Wer sich am Mittwochvormittag noch meldet, könne per E-Mail Zugangsdaten für die Veranstaltung erhalten. am Dienstag sei eigens eine Generalprobe durchgeführt worden, um den reibungslosen Ablauf der Online-Konferenz zu ermöglichen.
Im Vorfeld dieser Veranstaltung sah sich das WDR-Fernsehen bemüßigt, einen Beitrag über den Widerstand in Gerlingen zu produzieren. Mit dem Umstand, dass zur Teilnahme an Interviews örtlicher Ratsvertreter in sozialen Medien aufgerufen wurde – und der Folge, dass im Internet bereits eine teils niveaubefreite Diskussion über das Für und Wider eines Amazon-Verteilzentrums aufflammte.
Einhergehend erregte der Appell, sich in diesen Corona-Zeiten zu versammeln, die Aufmerksamkeit des Ordnungsamts der Gemeinde Wenden sowie der Kreispolizeibehörde Olpe. Beide Behörden waren am Dienstag auch vor Ort, um die Einhaltung der Corona-Regeln zu beobachten. Eingeschritten wurde nicht.

Versammlung verlief still

Die Versammlung verlief still. Transparente gab es keine, ebenso wenig wie Beiträge via Megafon. Lediglich Einzelpersonen sprachen ins Mikrofon.
Bernd Clemens, Bürgermeister der Gemeinde Wenden und seit seiner Geburt selbst in Gerlingen lebend, versucht seit Bekanntwerden der Amazon-Pläne gebetsmühlenartig zu erklären, dass die Gemeinde Wenden keine verfahrenstechnische Einflussmöglichkeiten hat. Die vielfach zu hörenden Forderungen, die Gemeinde möge das Verteilzentrum verhindern, seien schlichtweg nicht zu erfüllen. „Die Gemeinde ist nicht Herr des Verfahrens“, wiederholt der Verwaltungschef im Wendener Rathaus.
Das sogenannte Otto-Gelände im Industriegebiet „Auf der Mark“ ist privat veräußert worden an die Panattoni Germany Properties GmbH. Sie ist Tochtergesellschaft einer der weltweit führenden Immobiliengesellschaften für die Entwicklung von Logistik- und Industrieimmobilien und hat bereits vor Monaten einen Bauantrag beim Kreis Olpe als zuständige Bauaufsichtsbehörde gestellt hat. Die Immobilie wird dann an Amazon vermietet, die das Verteilzentrum betreiben will. Der Kreis Olpe prüfe den Bauantrag derzeit, wie Kreis-Pressesprecher Hans-Werner Voß am Dienstag nochmal bestätigte. Eine Genehmigung sei noch nicht erteilt worden. Der bereits begonnene Abriss von Bestandsgebäuden habe keiner Genehmigung bedurft, so Voß weiter. Hier habe eine Abrissanzeige genügt.

Gemeinde Wenden sind die Hände gebunden

Die Gemeinde Wenden wird in dem Bauantragsverfahren beteiligt, aber lediglich insoweit, dass sie Stellung nehmen darf, ob der Bauantrag den Festsetzungen des gültigen Bebauungsplans für diesen Bereich des Industriegebiets „Auf der Mark“ entspricht. Nicht mehr und nicht weniger.
Unterdessen kursieren Aussagen über ein Verkehrsgutachten im im Zusammenhang mit der Amazon-Ansiedlung. Von täglich 3000 zusätzlichen Fahrzeugbewegungen wird mit Verweis auf dieses „Gutachten“ in Internetforen spekuliert. Fakt ist, dass das Unternehmen Amazon die Erstellung einer Verkehrsprognose in Auftrag gegeben hat und die Ergebnisse desselben der Gemeinde hat zukommen lassen. „Diese haben wir in unsere eigenen Verkehrsuntersuchungen einfließen lassen“, erklärt Bürgermeister Clemens auf Anfrage der SZ. Genaue Zahlen würden in der für Mittwoch anberaumten Online-Infoveranstaltung genannt. Clemens betont bereits im Vorfeld: „Die Verkehrssituation in Gerlingen ist jetzt schon katastrophal – und sie wird deutlich schlechter.“
Amazon hat über die eigene Pressestelle vor Monaten mitgeteilt, dass zehn bis 20 Lkw nachts das Verteilzentrum anfahren würden. Die Pakete würden dann für die „letzte Meile“ zum Kunden sortiert und an die Zusteller verteilt. Hier rechne man täglich mit 150 bis 250 Transportern der „Sprinter“-Klasse. Arbeitsplätze würden zwischen 100 bis 150 geschaffen, so Nadiya Lubnina von der Amazon-Pressestelle.
In Politik und Verwaltung sieht man keine Werkzeuge in der Schublade, die Amazon-Ansiedlung zum Schutz der Gerlinger Ortsdurchfahrt zu verhindern. Vielmehr, so war auch am Dienstag bei der Kundgebung zu vernehmen, müsse der Druck erhöht werden, endlich eine Verkehrsentlastung für Gerlingen herbeiführen – bestenfalls mit einer weiträumigen Ortsumgehung und/oder einer eigenen Abfahrt für das Industriegebiet im Autobahnkreuz Olpe-Süd bei Gerlingen.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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