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Bernward Koch aus Brün
Wie ein heimscher Musiker die Grammy Awards mitbestimmt

Bernward Koch in seinem Garten hinter der ehemaligen Schule in Brün.
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  • Bernward Koch in seinem Garten hinter der ehemaligen Schule in Brün.
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"Alles streng geheim": Bernward Koch erinnert sich an riesige Papierstapel aus Amerika.

"Alles streng geheim": Bernward Koch erinnert sich an riesige Papierstapel aus Amerika.

yve Brün. Bernward Koch geht gerne in die Natur, beobachtet die Landschaft, hört ihr zu. "Das inspiriert mich", sagt er. Wir sitzen im Garten hinter der ehemaligen Schule in Brün. Hier lebt und arbeitet der 65-Jährige. Zwischen dem Rasen wachsen Blumen, uralte Bäume spenden Schatten. Auf dem Gartentisch liegt die CD "Tree Tales", das 15. Album des Komponisten, Pianisten und Multi-Instrumentalisten. Erschienen unter dem Label "Tree Tales Records", das der Musiker neu gegründet hat. Der Vertrieb ist in Oakland, Kalifornien, für die USA und weltweit. Koch erzählt, wie die Pandemie ihn bei der Arbeit für das Album beeinflusst hat und auch darüber, dass er Teil eines Systems ist, auf das die ganze Welt einmal im Jahr schaut. 

Der Musiker blickt auf 2015 zurück. "Du kannst doch Grammy-Mitglied werden", habe ein Labelkollege aus England zu ihm gesagt. "Das war mir gar nicht bewusst." Der Brüner hat nämlich die Voraussetzungen. Er veröffentlicht bereits seit 1989 Musik in den USA und arbeitet direkt mit einem amerikanischen Label zusammen. "Ich habe dann einen Antrag an die Recording Academy in Santa Monica gestellt und wurde nach einer Überprüfung als Voting Member aufgenommen." Bernhard Koch bestimmt also seither mit, wer sich mit dem glänzenden Grammophon schmücken darf. Mit der höchsten internationalen Auszeichnung für Künstler und Aufnahmeteams. In der Bedeutung vergleichbar mit dem Oscar in der Filmindustrie. Wie kann ich mir so ein Abstimmungsverfahren vorstellen? Und das von Deutschland aus?

Musiker Bernward Koch: So läuft die Grammy-Bewerbung

Ganz am Anfang habe er noch schriftliche Listen erhalten, riesige Papierstapel, erklärt Koch. Verschickt von Amerika nach Berlin und von dort aus ins kleine Wendener Dörfchen Brün. "Das war alles streng geheim." Bewerben um eine Aufnahme in das Register könnten sich alle bei Recording Academy registrierten Medienunternehmen und dort gemeldete Künstler. Es folgten Überprüfungssitzungen mit 150 Experten aus der Musikindustrie. Bernward Kochs Aufgabe ist es später, sein Votum für die Nominierungen in den vier allgemeinen Bereichen (Aufnahme, Album und Song des Jahres sowie bester neuer Künstler) abzugeben. "Dann kann ich mir weitere Kategorien aussuchen, maximal 15 von 84. "Ich bin sehr breit gefächert – ob Jazz, Rock, Pop oder klassische Musik bis hin zur Elektronik."

Nicht auf die Popularität des Künstlers achten, sondern sich rein auf das Produzierte zu konzentrieren sei beim Bewerten der Aufnahmen wichtig – "think in quality"! Vielleicht hat Bernward Koch auch einen kleinen Teil dazu beitragen, das Beyoncé 2021 Grammy-Geschichte schrieb. Vielleicht aber auch nicht. Die Sängerin erhielt 28 Auszeichnungen, mehr als ein Künstler je zuvor. Für wen er stimmt, darf der Brüner natürlich nicht verraten. "Aber es ist schon witzig, wenn man in einem Sauerländischen Örtchen sitzt und zum Beispiel Billie Eilish, die Rolling Stones oder die New Yorker Philharmoniker auf dem Stimmzettel sieht."

Musiker Bernward Koch: Darum ist das Grammy-Verfahren heute einfacher

Heute, so Bernward Koch, sei das Verfahren wesentlich einfacher, die Liste digital und direkt mit Links zu Musik-Streaming-Diensten. "Früher habe ich manche Titel sogar kaufen müssen, um sie anhören zu können. Viele kannte ich aber auch aus dem  Internetradio." In Amerika gebe es ein gigantisches Radiospektrum. "So hat das bei mir mit Amerika auch angefangen." Der Chef seiner ersten Plattenfirma in Hamburg habe Kontakte zu amerikanischen Labels gehabt. "Irgendwann rief er mich an und teilte mit, dass meine Platte in Kalifornien rauf und runter gespielt werde." So habe sich der Erfolg samt Platzierungen in den Charts eingespielt. Kochs Musik ist zum Beispiel in internationalen Flugzeugen oder im preisgekröntes US-Drama "Shaniko" zu hören. Harmonik und Melodik zeichneten seine Kompositionen und einfühlsamen Arrangements aus, so der 65-Jährige. Markante Melodien interpretiere er dabei auf bildhafte Weise. Sein Hauptinstrument ist das Klavier, oft ergänzt mit Querflöte, Synthesizer, Gitarre und Percussion.

In Amerika sei vor einiger Zeit der Begriff "Healing music" entstanden. Ein Genre, das sich nun auch in Deutschland verbreite, insbesondere aufgrund von Corona. "Menschen schreiben mir, dass ihnen meine Musik helfe. Beim Stressabbau oder während einer Krankheitsphase." Das Album "Tree Tales" ist ab sofort auf allen gängigen Streamingportalen hörbar. Die CD kann man auch direkt per E-Mail an info@bernwardkoch.de bestellen. Sie sei  besonders, "weil sie in einer anderen Zeit entstanden ist". Unbewusst habe die Krise seine Arbeit intensiviert. Der Titel, übersetzt "Baumgeschichten", stehe für das Individuum. "Jeder Baum stellt etwas Einzelnes dar wie der Mensch auch. Daher auch ein Zitat von Hermann Hesse auf der CD." 

"Tree Tales" ist das 15. Album von Bernward Koch. Der Musiker hat sich von der Natur und vom Buch "Bäume" von Hermann Hesse inspirieren lassen.
  • "Tree Tales" ist das 15. Album von Bernward Koch. Der Musiker hat sich von der Natur und vom Buch "Bäume" von Hermann Hesse inspirieren lassen.
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Gut möglich, dass es Bernward Koch mit "Tree Tales" wieder selbst auf die Liste für die Grammy-Nominierung schafft. "Ja, mein Name hat schon draufgestanden." Der Grammy sei ein Türöffner, ein Siegel. "Aber nicht unbedingt eine Erfolgsgarantie-Garantie." Bernward Koch kann von seiner Musik leben. "Daran habe ich 30 Jahre gearbeitet", sagt er und schenkt mir ein Exemplar der Neuerscheinung. Eine Aquarellzeichnung ziert das Cover. Gemalt hat sie Hannah, die 28-jährige Tochter des Musikers. "Tree Tales" ist wohl das persönlichste Album von Bernward Koch. Ich bin gespannt auf die 14. Stücke. "Sie sind ehrlich", verspricht der Brüner.

Bernward Koch in seinem Garten hinter der ehemaligen Schule in Brün.
"Tree Tales" ist das 15. Album von Bernward Koch. Der Musiker hat sich von der Natur und vom Buch "Bäume" von Hermann Hesse inspirieren lassen.
Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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