Neuer Glockenturm nach knapp 25 Jahren
Wieder Bewegung im "Wahrzeichen"

Behutsam wurde das Schieferdach samt Glocke auf den neuen Turm gesetzt.
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  • Behutsam wurde das Schieferdach samt Glocke auf den neuen Turm gesetzt.
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ve Möllmicke. Er gehört zu Möllmicke wie die „Kärmetze“ zum „Wendschen“: der Klang der Glocken, der von der Römerstraße aus durch den Ort hallt – dreimal täglich, morgens, mittags, abends. Doch im November vergangenen Jahres wurde es still im Unterdorf. Die jährliche Inspektion förderte unerfreuliche Nachrichten zu Tage, am Glockenturm aus Eichenholz bestand dringender Sanierungsbedarf. „Die Sicherheit war nicht mehr gewährleistet“, schildert Detlef Breidebach, Ortsvorsteher von Möllmicke, der Siegener Zeitung. Mit anderen Worten: Ein komplett neues Gestell musste angefertigt werden.

Umgehend nahm Breidebach Kontakt mit der Gemeinde Wenden auf und schilderte die Situation. Die Dorfgemeinschaft war unbedingt gewillt, die lange Tradition des Glockenläutens beizubehalten. Die errechneten Kosten für den Neubau des Turms belaufen sich auf etwa 8600 Euro. Die Gemeinde erklärte sich sofort bereit, einen Zuschuss zu gewähren. Zudem spielte dem Ortsvorsteher das NRW-Förderprogramm „Heimat. Zukunft. Nordrhein-Westfalen. Wir fördern, was Menschen verbindet“ in die Hände. Damit unterstützt die Landesregierung Initiativen und Projekte, die lokale und regionale Identität und Gemeinschaft und damit Heimat stärken.

"Die Sicherheit war nicht mehr gewährleistet."
Detlef Breidebach
Ortsvorsteher von Möllmicke

Für den neuen Turm wurde der sogenannte „Heimat-Fonds“ in Betracht gezogen, eine Mischung aus Fördergeld, kommunalem Anteil und Spenden. Die Gemeinde Wenden beteiligt sich nun mit
10 Prozent und das Land mit 50 Prozent am Projektvolumen, die übrigen 40 Prozent setzen sich aus Spendengeldern zusammen. Hoffnungsvoll beauftragte die Dorfgemeinschaft die Zimmerei Häner aus Gerlingen mit dem Bau eines neuen Möllmicker „Wahrzeichens“. Die Mitarbeiter machten sich dann vor Ort ein Bild, fertigten einen Entwurf an und erledigten die Vorarbeiten im Betrieb. Am Dienstag um Punkt 6 Uhr reisten die Geschäftsführer, Peter und Tim Häner, persönlich mit zwei Mitarbeitern an, um das Gestell zu platzieren. Dafür musste zunächst das schwere Schieferdach, unter dem schützend die Glocke verborgen liegt, via Kran vom alten Gerüst genommen werden. Hier war Fingerspitzengefühl gefragt, um jegliche Beschädigung zu vermeiden.

Glocke um 90 Grad drehen

Im nächsten Schritt stieg der alte Turm in luftige Höhe, um dem neuen Platz zu machen. Nach vier Stunden war sämtliches Werkzeug wieder verstaut, die gezimmerten Balken samt Dach mit Geläut fest am Boden montiert. Im Zuge des Austauschs sei entschieden worden, so Breidebach, die Glocke um 90 Grad zu drehen, sodass sie nicht mehr in Richtung Römerstraße schwanke.

24 Jahre lang habe der alte Holzrahmen seine Pflicht erfüllt, erzählt der Ortsvorsteher. Die Geschichte des Läutens in Möllmicke ist aber bedeutend länger. 65 Jahre war es Auguste Schrage, die den Klöppel der damals an ihrem Wohnhaus befestigten Glocke tagein, tagaus in Schwung brachte. Aus einem Artikel aus der SZ von 1996 geht hervor, dass Auguste Schrage erst zehn Jahre alt war, als sie zum ersten Mal läutete.

Die Geschäftsführer der Firma Häner, Peter und Tim Häner, mit Ortsvorsteher Detlef Breidebach (v. l.) beim Aufbau des Glockenturms.
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Das Mädchen schlug damals Alarm, ein Nachbarhaus stand in Flammen. Schon der Vater und der Großvater von Auguste Schrage hatten in Möllmicke die Glocke in Bewegung gebracht, dazu das Angelus Domini gebetet. 1997 zog die 40 Kilogramm schwere Glocke in einen Turm, der auf das Grundstück von Willi Weber gesetzt wurde. Der heute 82-Jährige hatte den Platz seinerzeit für 99 Jahre und eine symbolische D-Mark an die Möllmicker Dorfgemeinschaft verpachtet. Fortan war es Elektrizität, die die Schläge in Gang setzte.

Fast ein Vierteljahrhundert gehalten

Fast ein Vierteljahrhundert hielt das Holzgestell in direkter Nachbarschaft zu dem denkmalgeschützten und liebevoll restaurierten Fachwerkhaus von Weber. Viele weitere Jahre soll die Glocke in Möllmicke nun klingen.

Allerdings werden noch Spenden benötigt, um das Projekt abzuschließen. Hier setzt Detlef Breidebach auf die Unterstützung der Möllmicker. Früher sei Auguste Schrage einmal jährlich von Haus zu Haus gezogen, um Läutgeld zu sammeln. Heute sei der Weg der Überweisung natürlich viel einfacher, freut sich der Ortsvorsteher auf eine große Spendenbereitschaft.

Behutsam wurde das Schieferdach samt Glocke auf den neuen Turm gesetzt.
Die Geschäftsführer der Firma Häner, Peter und Tim Häner, mit Ortsvorsteher Detlef Breidebach (v. l.) beim Aufbau des Glockenturms.
Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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