Krombacher Brauerei bohrt in Schönau
„Wir sind fündig geworden“

Helmut Schaller, Geschäftsführer Technik bei der Krombacher Brauerei, Peter Lemm, Unternehmenssprecher der Brauerei, sowie Hydrologe Frank Schmidt aus Bielefeld informierten die Schönauer Bürger über ihr Vorhaben am Montagabend umfassend im Gasthof Scherer.  Foto: yve
3Bilder
  • Helmut Schaller, Geschäftsführer Technik bei der Krombacher Brauerei, Peter Lemm, Unternehmenssprecher der Brauerei, sowie Hydrologe Frank Schmidt aus Bielefeld informierten die Schönauer Bürger über ihr Vorhaben am Montagabend umfassend im Gasthof Scherer. Foto: yve
  • hochgeladen von Yvonne Clemens (Redakteurin)

yve Schönau/Krombach.  Aktivitäten der Krombacher Brauerei in Schönau: Das Thema brannte den Bewohnern der Ortschaft offenbar auf den Nägeln. Als am Montagabend Vertreter der Brauerei im Gasthof Scherer „aus erster Hand“ Informationen fließen ließen, wurden diese von zahlreich erschienenen Bürgern, unter ihnen auch Ratsmitglieder sowie Bürgermeister Bernd Clemens und Baudezernent Markus Hohmann, aufmerksam verfolgt.

Mit „Aktivitäten“ umschrieb das Unternehmen aus Krombach die Probebohrungen nach Wasser in Schönau. Diese Vorgänge hatten die Gemüter bei der Bürgerversammlung im November regelrecht erhitzt. Selbst der Bürgermeister sei seinerzeit „überrascht“ gewesen“, erklärte gestern Helmut Schaller, Geschäftsführer Technik der Krombacher Brauerei. „Wir haben Sie nicht mitgenommen, das holen wir heute nach.“

Nachdem Peter Lemm, Unternehmenssprecher der Brauerei, den Ablauf des Informationsabends skizziert hatte, gab Schaller dann der Versammlung die Beweggründe für die Erkundungsbohrungen preis. So wachse die Krombacher Brauerei seit Jahrzehnten. „Ich selber bin seit 37 Jahren in Krombach zuhause, da haben wir damals 1 Mill. Hekto Pils gemacht – nur Krombacher Pils.“ Der Getränkemarkt habe sich jedoch stark verändert, die Brauerei habe sich diesem Wandel angepasst und investiert, so dass nicht nur noch Pils produziert werde. Dem harten Wettbewerb sei entgegengetreten worden. 2018 habe die Krombacher Brauerei einen Ausstoß von 6,3 Mill. Hektoliter verzeichnet. „Dafür braucht man Rohstoff“, so Schaller. „Deshalb bauen wir – so lange ich in Krombach bin – unsere Wasserressourcen aus.“ Im Bereich Krombach, Littfeld und Eichen, im Kessel zur Grenze nach Schönau, seien 50 Brunnen in Betrieb. Da sei es naheliegend, auch in Schönau Erkundungsbohrungen auf betriebseigenen Grundstücken in Abstimmung mit den Behörden vorzunehmen.

Schaller betonte, dass ihm erst im Nachhinein klar geworden sei, „dass es nicht alltäglich ist, wenn hier jemand bohrt.“ Die Vorgänge seien jedoch im Vorfeld von der Unteren Wasserbehörde freigegeben worden. Also eine Angelegenheit des Kreises Olpe, in die die Gemeinde Wenden nicht involviert war und auch nicht involviert werden musste.

Dass große Aufregung in Schönau geherrscht habe, sei dann auch schnell in Krombach angekommen, so dass sich die Brauerei schließlich entschlossen habe, die Einwohner umfassend zu informieren.

Der Geschäftsführer Technik betonte, dass es keinen Sinn mache, im Bereich Krombach, Littfeld und Eichen weitere Brunnen zu bohren, weil die Wirtschaftlichkeit nicht mehr interessant sei. Um eine gleiche Wasserqualität beizubehalten und nicht wahnsinnige Entfernungen über unterirdische Leitungen zum zentralen Wasserhaus der Krombacher Brauerei hinnehmen zu müssen, sei die Entscheidung für die Erkundungsbohrungen in Schönau gefallen. „Und wir sind fündig geworden.“ Die Angst der Bewohner, dass das Wasser in Tankfahrzeugen abtransportiert werden könnte, nahm Schaller gleich vom Tisch. Kein einziger Tankzug werde durch den Ort fahren.

Das Ziel in Schönau sei eine dauerhafte Wassergewinnung, „ohne die Natur und Sie in Mitleidenschaft zu ziehen“. Wie das geschehen kann, erläuterte sodann Frank Schmidt, Hydrogeologe aus Bielefeld, der für die Brauerei tätig ist.

Wichtige Aussage für die Schönauer dabei war, „dass wir nicht mehr entnehmen dürfen als das, was nachkommt“. Die Brunnen in Schönau – vier Standorte seien untersucht, drei davon als geeignet befunden worden – hätten beim Bau eine Tiefe bis maximal 100 Meter. Bei der Förderung werde die für die Vegetation wichtige Oberflächennässe nicht angegriffen. „Das müssen wir nachweisen.“ Ebenso müssten zahlreiche behördliche Schritte abgearbeitet werden. So folge nach den Erkundungsbohrungen in den nächsten zwei bis drei Jahren zunächst eine Testphase mit Pumpversuchen, die der Kreis Olpe genehmigen muss. In diesen mehrjährigen Testversuch fällt der Endbrunnenausbau. Eine kontinuierliche Überwachung mit Datenerhebung sowie Begehungen sicherte Schmidt den Schönauern zu. „Ein bestimmter Füllstand im Brunnen darf nicht unterschritten werden.“ Und wenn ein Brunnen nicht endgültig genutzt werden könne, dann müsse er zurückgebaut werden.

Der Zeitstrahl des Vorhabens der Brauerei endet dann im Jahr 2022. „Dann erhoffen wir uns, dass wir nach Durchführung der Hauptbohrung und der befristeten Entnahme die endgültige Genehmigung bei der Unteren Wasserbehörde stellen können.“

Schaller zeigte den Anwesenden dann auf einer Karte die vier Standorte der erfolgten Erkundungsbohrungen. Schallers erstes Fazit: „Die Qualität des Wassers ist hervorragend.“ Es sei sehr weiches Wasser, bedingt durch die Steinformation. Schaller bezog aber auch Stellung zu den Eintrübungen, die aufgrund der Probebohrungen in einem Teich entstanden waren. Die Bohrfirma habe einen Fehler gemacht, das beim Bohren entstandene Steinmehl sei seinerzeit nicht gefiltert worden und in den Teich gelang. Das Mehl sei weder schädlich noch giftig. „Kein Fisch ist zu Schaden gekommen.“ Ferner sei unmittelbar mit dem Besitzer der Anlage Kontakt aufgenommen worden.

Auch Gregor Becker, Leiter des Fachdienstes Umwelt bei der Unteren Wasserbehörde, ergriff nach den Ausführungen von Schaller und Schmidt das Wort: „Wir werden alles, was auf uns zukommt, prüfen, Insbesondere daraufhin, dass keine negative Folgen für Umweltschutzgüter eintreten.“ Falls es negative Auswirkungen gebe, bestehe auch jederzeit die Möglichkeit, die wasserrechtliche Erlaubnis wieder einzukassieren.

Auf Nachfrage aus den Reihen der Zuhörer unterstrich er, dass in Schönau die Gefahr einer Wasserknappheit nicht bestehe. „In der Listertalsperre, da, wo Sie ihr Wasser herbekommen, ist genug Wasser drin.“ Die Städte und Gemeinde müssten daher keine Angst haben, ihre lange ausgedienten Wassergewinnungsanlagen wieder instandsetzen zu müssen.

Elmar Holterhof, Fraktionsvorsitzender der Wendener Grünen, interessierte zum Ende der Versammlung noch die Menge an Wasser, die in Schönau abgepumpt werde. Liefen in Zukunft alle drei Brunnen, so Schaller, sei mit 100 000 Kubikmetern jährlich zu rechnen. Da schaffte es Holterhof bei einer erneuten Wortmeldung, in der er sich als Gegenleistung zumindest Freibier auf dem Schönauer Schützenfest vorstellen könne, die Einwohner trotz des zunächst als brisant angesehenen Themas aufzuheitern.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

1 Kommentar

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.