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Maite Hundt erhält Filmpreis für Kurzdoku über "Utho Ngathi"
Für "Voiceless" ins südliche Afrika zurückgekehrt

Maite Hundt hat nach dem Abi „Utho Ngathi“ im südlichen Afrika unterstützt. 2018 kehrte sie für zwei Wochen zurück, traf die Kinder von damals wieder und drehte mit ihrem Kameramann vor Ort. Aus dem Material ist die Kurzdoku „Voiceless“ entstanden, die im Dezember in Amsterdam prämiert wurde.
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  • Maite Hundt hat nach dem Abi „Utho Ngathi“ im südlichen Afrika unterstützt. 2018 kehrte sie für zwei Wochen zurück, traf die Kinder von damals wieder und drehte mit ihrem Kameramann vor Ort. Aus dem Material ist die Kurzdoku „Voiceless“ entstanden, die im Dezember in Amsterdam prämiert wurde.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

zel Anzhausen/Köln. Den Abschlussfilm abgeschlossen, das Regie-Studium ebenso – warum jetzt nicht groß denken? Maite Hundt war so selbstbewusst, ihren Kurzdokumentarfilm „Voiceless“ bei allen großen Filmfestivals einzureichen: von New York über Toronto bis Cannes, aber auch bei der Berlinale sowie bei kleineren Dokfilmfestivals in Deutschland. Die Gebühren für die Einreichung ihres 20-Minüters über die Organisation „Utho Ngathi“ von Andreas Wörster und Masauso Phiri hat die aus Anzhausen stammende Filmemacherin per Fundraising generiert. Mal kam sie in die engere Auswahl, mal hörte sie nichts mehr.

zel Anzhausen/Köln. Den Abschlussfilm abgeschlossen, das Regie-Studium ebenso – warum jetzt nicht groß denken? Maite Hundt war so selbstbewusst, ihren Kurzdokumentarfilm „Voiceless“ bei allen großen Filmfestivals einzureichen: von New York über Toronto bis Cannes, aber auch bei der Berlinale sowie bei kleineren Dokfilmfestivals in Deutschland. Die Gebühren für die Einreichung ihres 20-Minüters über die Organisation „Utho Ngathi“ von Andreas Wörster und Masauso Phiri hat die aus Anzhausen stammende Filmemacherin per Fundraising generiert. Mal kam sie in die engere Auswahl, mal hörte sie nichts mehr. Beim Around International Film Festival (ARFF) mit Dependancen in Berlin, Amsterdam, Barcelona und Paris hat es dann geklappt: In Amsterdam gewann die 26-Jährige im Dezember den Preis in der Kategorie „Bester Kurzdokumentarfilm“. Große Freude!

Kein roter Teppich, sondern online

Wie das so ist in Pandemiezeiten, fand das Festival online statt. Kein roter Teppich, kein Screening auf der großen Leinwand, kein Zusammenstehen, Austausch, Feiern. „Das war ein bisschen schade“, sagt Maite Hundt, aber der Moment, in dem ihr Film dann prämiert wurde, war trotzdem ein Ereignis, auch für ihre Eltern, die in Anzhausen vor dem Rechner saßen.

Imagefilm "Wir sind wertvoll füreinander"

„Utho Ngathi“ muss im Siegerland kaum noch vorgestellt werden. Andreas Wörster – einer der beiden „Chefs“ der Organisation“ – wurde in Siegen geboren. Zusammen mit Masauso Phiri möchte er im südlichen Afrika Menschen mit Behinderungen ermöglichen, in die Gesellschaft und alltägliche Aktivitäten miteingebunden zu sein. Im Herbst ist Wörster öfter im Siegerland zu Gast, um über die Arbeit der Organisation zu informieren und Spenden zu sammeln. 2019 war auch Maite Hundt mit auf Sponsoring-Tour, zeigte ihren Film „Wir sind wertvoll füreinander“, den sie heute einen Imagefilm für „Utho Ngathi“ nennt. „Er ist informativ und gibt einen guten Eindruck vom Leben dort, aber er ist qualitativ nicht so hochwertig wie ,Voiceless‘“, erklärt sie.

2018 mit Kameramann Eric Cabutí in Afrika

Beide Filme speisen sich aus demselben Material, das Maite Hundt und Kameramann Eric Cabutí von einem zweiwöchigen Aufenthalt in Afrika 2018 mitgebracht haben. Maite Hundt arbeitete nach dem Abi an der Siegener Bertha-von-Suttner-Gesamtschule 2014/15 bei „Utho Ngati“ in Afrika mit. 2018 kehrte sie – mittlerweile Studentin an der Hochschule Macromedia in Köln – eben dorthin wieder zurück, um zu sehen, wie es den Kindern in Sambia geht, wo die Organisation ein Internatsgebäude errichtet hat, sodass ein Schulbesuch in der öffentlichen Schule möglich ist. Ihr Dozent regte sie dazu an, als Abschluss für den Bachelor einen Dokumentarfilm über „Utho Ngati“ zu machen. Maite Hundt war die einzige ihres Jahrgangs, die dokumentarisch arbeitete, alle anderen drehten fiktionale Filme, erinnert sie sich.

Wie Michael Moore: "teilnehmende Regisseurin"

Für „Voiceless“ hat sich Maite Hundt an dem US-Regisseur Michael Moore und seinem Film „Roger & Me“ orientiert, auch sie ist in ihrem Film „teilnehmende Regisseurin“, wie sie sagt. Sie ist im Film zu sehen, wie sie mit Andreas Wörster unterwegs zu den Kindern von damals ist, in einer Interview-Situation, sie spricht auch den erklärenden Text selbst, erzählt in Ich-Form.

Aberglaube ist ein großes Thema

Dramaturgisch läuft der Film auf ein Treffen mit George hinaus, den sie von ihrem ersten Aufenthalt kennt. Das Wiedersehen fasst einem ans Herz, denn George geht es nicht gut, seine Familie sorgt nicht für ihn. Aberglauben ist ein Thema in Afrika, wenn es darum geht, Erklärungen für Behinderungen zu finden – und er ist ein großes Thema in „Voiceless“. Maite Hundt zeigt das deutlich – und zeigt auch, dass „Utho Ngathi“ daran arbeitet, den Menschen vor Ort innerhalb ihres Weltbildes zu erklären, warum etwa ein behindertes Kind Hilfe braucht, warum Inklusion nötig ist. Eben damit niemand „voiceless“, also stumm oder sprachlos, bleiben muss.

Andreas Wörster, 1965 in Siegen geboren, hat „Utho Ngathi“ gegründet.

Matthias Hornschuh besorgt die Musik

Ihr Regiestudium hat Maite Hundt 2019 mit „Voiceless“ abgeschlossen. Richtig fertig geworden ist die Kurzdoku erst 2020, mit Musik des Filmkomponisten Matthias Hornschuh, mit einem schönen Abspann, einer Kiste mit Bildern, die Hundt zusammen mit Kommilitonen realisiert hat. Überhaupt habe Eric Cabutí einen großen Anteil am Entstehen von „Voiceless“, betont sie.

Für die "SOKO Köln" im Einsatz

Als sie den Film beendet, arbeitet die junge Filmemacherin bereits projektweise für Film- und Fernsehproduktionsfirmen in Köln. Nach einem Praktikum bei Sony Pictures (Krimiserie „Heldt“ fürs ZDF) hat sie gemerkt, „dass das was für mich ist“. Sie war beim „Tatort“ aus Köln beschäftigt, arbeitet gerade an einer neuen Serie für die Streaming-Plattform TVNow und ist ab April bei Network Movie für die „SOKO Köln“ im Einsatz.

Orga ist genau ihr Ding

Schon im Studium hat Maite Hundt gemerkt, dass Orga ihr Ding ist, gar nicht so sehr die Regie. Für ihre Kommilitonen hat sie die Produktionsleitung übernommen, Kalkulation, Drehplan, Motive und solche Sachen. Was sie heute macht, nennt sich Motivaufnahmeleiterin, sie organisiert die Logistik vor Ort, schließt Verträge ab über die Nutzung von Gebäuden und vieles mehr. Das sind lange Tage in der Film- und Fernsehbranche, in der auch ihr Partner arbeitet, das sei schon anstrengend. Vielleicht macht sie noch mal was ganz anderes?

Stolz, fast wie auf einen Oscar: Maite Hund mit ihrer Sieger-Urkunde für „Voiceless“.
  • Stolz, fast wie auf einen Oscar: Maite Hund mit ihrer Sieger-Urkunde für „Voiceless“.
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  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

Jetzt den Film rausbringen

Zunächst möchte Hundt aber „Voiceless“ herausbringen, denn die „Utho-Ngathi“-Mitarbeiterin (mittlerweile im Vorstand) möchte mit ihrem Film ja auch etwas bewirken. Was mit fertigen Filmen passiert, habe sie im Studium nicht wirklich gelernt, bedauert sie, und dann kommt auch noch Corona hinzu. Eigentlich würde sie einen Kino-Abend organisieren, aber das ist im Moment nicht möglich. Vielleicht im Sommer im Auto-Kino bei OX in Freudenberg, überlegt sie. „Oder ich packe ihn auf YouTube oder auf DVDs, die ich für ,Utho Ngathi‘ verkaufe.“ Näheres dazu gibt es bestimmt zu gegebener Zeit auf www.uthongathi.org. Ganz sicher ist hier schon der Link zu den Podcasts zu finden, die Maite Hundt für die Organisation produziert hat, damit auch in Coronazeiten die Informationen über die Arbeit in Afrika fließen können.

Autor:

Regine Wenzel (Redakteurin) aus Siegen

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