Museum Wilnsdorf: Steinzeit-Höhle mit Malereien vieler Fundorte
Höhlenbilder querbeet

Der Auerochse mit nach vorne gedrehten Hörnern, vier Rentiere, von denen das eine über den Rücken eines anderen zu springen scheint, und ein nach rechts schreitendes Wisent finden sich in der Höhle Chauvet.
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  • Der Auerochse mit nach vorne gedrehten Hörnern, vier Rentiere, von denen das eine über den Rücken eines anderen zu springen scheint, und ein nach rechts schreitendes Wisent finden sich in der Höhle Chauvet.
  • Foto: Museum Wilnsdorf
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gmz Wilnsdorf. Die berühtme und faszinierende Höhle von Cosquer, die derzeit in Südfrankreich repliziert wird,  haben sie im Wilnsdorfer Museum natürlich nicht, aber dafür Beispiele für Höhlenmalerei u. a. aus Lascaux, aus Pech Merle, aus Rouffignac oder aus der Höhle von Chauvet. Die Beispiele aus den verschiedenen Höhlen wurden in Wilnsdorf zusammengeführt; es handelt sich also nicht, wie in Cosquer, um das Replikat einer einzigen Höhle. Ausgewählte Beispiele stehen für die Vielfalt der Originale.

"Reise durch die Zeit" beginnt für den Menschen in der Höhle

Als das Museum Wilnsdorf mit seiner „Reise durch die Zeit“ in den 1990er-Jahren geplant und eröffnet wurde, wollte Museumsleiterin Dr. Corinna Nauck ihren Ausflug in die Vergangenheit und ihren Blick auf große (europäische) Kulturen mit der Frühgeschichte der Menschheit beginnen lassen, die auf die früheren erdgeschichtlichen Epochen folgt. Sie beauftragte, wie sie im Gespräch mit der SZ erzählt, den Münsteraner Spezialisten für geologisch-paläontologische Präparationen am LWL-Museum für Naturkunde Münster, Michael Böckmann, mit dem Bau einer urzeitlichen Höhle, die den Eingang in die „Reise durch die Zeit“ bildet.
Dafür musste zunächst eine Höhle gebaut werden: Auf einer Lattenkonstruktion wurde mit Gipsbinden die Höhle errichtet, deren Wände ähnliche Strukturen aufweisen, wie sie in den echten Höhlen zu finden sind. Interessant ist nämlich, dass die steinzeitlichen Maler die Strukturen der Wände nutzten, um beispielsweise ein Tier aus der Fläche heraustreten zu lassen: Aus der Zeichnung wird beinahe ein Relief. Das wurde in Wilnsdorf imitiert, sagt Dr. Corinna Nauck. Gemalt und gezeichnet hat die Tierbilder und anderen Darstellungen ein Münsteraner Kunstmaler, der Vater von Michael Böckmann.

Zeichnungen werden "kombiniert"

Die meisten Zeichnungen mussten für die Wilnsdorfer Höhle verkleinert werden, maßstabsgetreu natürlich. Der „weiße Stier von Lascaux“ ist im Original sieben Meter lang. Er musste verkleinert werden, „sonst hätten wir ein Problem bekommen“, schmunzelt die Museumsleiterin.
Und nach welchen Kriterien sind die Abbildungen ausgewählt worden, die oft Tiere darstellen, Menschen, Jagdszenen oder andere, noch nicht entschlüsselte Botschaften enthalten und manchmal unter großen Mühen angefertigt wurden, indem die Künstler sich abseilten oder auf Gerüste kletterten? Corinna Nauck:

„Wir haben u. a. Zeichnungen ausgewählt, die jeder kennt.“

Zu den bekannten Höhlenmalereien gehören die erste europäische Menschendarstellung oder auch die Herde Wildpferde, die sich beim längeren Betrachten aus den gepunkteten Strichen auf der Wand zusammensetzt und über die Fläche läuft. Bei dieser Darstellung ist der Betrachter dann schon gefragt, sich auf die Malerei einzulassen, am Bild mitzuwirken. Neben weiteren bekannten oder unbekannteren Zeichnungen sind auch Piktogramme zu finden, deren Deutung umstritten ist. Die Forschung überlegt noch … Dass in eine Höhle auch Tierknochen gehören, versteht sich von selbst.
Natürlich gibt es in der Wilnsdorfer Höhle auch Handabdrucke, wie in den steinzeitlichen Höhlen. Sie zeigen die Handabdrücke all derer, die an der Höhle mitgearbeitet haben. Wer weiß, was „die Forschung“ einmal daraus machen wird?! Weitere Infos über das Museum Wilnsdorf, das derzeit Corona-bedingt geschlossen ist, auf der Homepage: www.museum-wilnsdorf.de.

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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