Fahr mit Gott in die Ferien
Autobahnkirche: "Segen to go"

Wer möchte, der geht mit den Frauen in den Schutzengel-Westen in die Autobahnkapelle. Dort wird geredet und ein gemeinsames Gebet gesprochen.
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  • Wer möchte, der geht mit den Frauen in den Schutzengel-Westen in die Autobahnkapelle. Dort wird geredet und ein gemeinsames Gebet gesprochen.
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tile Wilnsdorf. Wenn man jemandem in Großbritannien „Godspeed“ wünscht, dann bedeutet dies nicht etwa, göttliche Geschwindigkeit heraufzubeschwören. Übersetzt heißt es soviel wie „Gute Reise!“, etwas freier interpretiert könnte man aber auch „Geh mit Gott“ sagen. Ein (Abschieds-)Gruß wie gemacht für die ökumenische Aktion „Segen to go“, die am Freitag zum dritten Mal am Wilnsdorfer Autohof stattfand – passend, wie schon in den beiden Jahre zuvor, zum letzten Schultag in NRW, an dem bereits viele Familien nach dem Schlussgong, der die Ferien einläutete, in den Urlaub starteten.

Nicht bloß schöne Architektur

Unter einem Pavillon, etwas versteckt in einem abseitigen Winkel des Rasthof-Hotels stehen vier Frauen in auffälligen Warnwesten. Auf dem Rücken der Aktionsname, darunter, offensichtlich von Kinderhand gezeichnet, ein Schutzengel. Eine von ihnen empfängt ein Ehepaar, das sich ihnen nähert, eine andere führt gerade zwei Mütter mit ihren Kindern in die nahe gelegene Autobahnkapelle, die dank ihrer außergewöhnlichen Architektur internationale Bekanntheit genießt. Der Besuch in dem Gotteshaus sei aber nicht das primäre Ziel, verrät Initiatorin Jennifer Schmelzer.

Reisesegen wieder aufleben lassen

Als die damals neue Gemeindereferentin des Pastoralverbunds südliches Siegerland vor zwei Jahren die Idee hatte, war sie nicht sicher, wie diese ankommen würde. Aber drei Mitstreiterinnen waren gleich Feuer und Flamme, und auch von ihrem neuen Arbeitgeber spürte sie Rückendeckung. Inspiriert worden sei sie von den alten Reisesegen, die die Pfarrer früher regelmäßig in den katholischen Gemeinden erteilten. Den fast vergessenen Brauch wollte sie in moderner Form wieder aufleben lassen. Ein kleines bisschen verrückt sollte das Unterfangen sein und nicht in der Kirche stattfinden. Mit dem Autohof quasi vor Haustür, war der perfekte Ort schnell gefunden.

Inzwischen hat Jennifer Schmelzer sich mit Pia Mockenhaupt, Jana Beitz und deren Kindern im hölzernen Innenraum vor dem im Kegel aus natürlichem Tageslicht eingehüllten Altar und dem Kreuz dahinter auf ein paar schlichte Hocker gesetzt. Sie reden kurz miteinander, dann falten sie ihre Hände zum gemeinsamen Gebet. Später werden einige Wünsche in das Kapellenbuch geschrieben. Für Kinder habe der Ort etwas Besonderes, weiß die Gemeindereferentin. Mockenhaupt und Beitz waren schon in den beiden Vorjahren mit ihren Kindern dabei, die am Samstag mit dem Bus in die Messdienerfreizeit aufbrachen, also tatsächlich auf Reisen gingen. Die Atmosphäre sei schon einzigartig, es sei eine „ganz andere Erfahrung“ als im Rahmen einer normalen Andacht oder Messe. Die Aktion gebe einem einfach ein „schönes Gefühl“.

Ins Gespräch kommen

Nach zwei Stunden sind die insgesamt sechs Orangwesten bereits mit 150 bis 200 Menschen in Kontakt getreten. Manche kommen von selbst, gerade in diesem Jahr setzen die Frauen aber auf eine aktive Ansprache. Fast immer komme man ins Gespräch, wobei einige natürlich auch schnell signalisierten kein Interesse zu haben, so Jennifer Schmelzer, andere wiederum seien dankbar für den „Segen an der Autotür“. Nur wenige kämen mit in die Kapelle, meistens Menschen, die etwas auf dem Herzen trügen, hat sie die Erfahrung gemacht. Häufig erzählten sie viel aus ihrem Leben.

Konfessionen halten sich die Waage

Katholisch, evangelisch – die Konfessionen halten sich in etwa die Waage. Manche Menschen haben auch gar nichts mit Kirche am Hut. Im Vorjahr bat eine muslimische Familie um den Segen. Da habe sie mit ihnen eben zu Gott und nicht zu Jesus gebetet, erinnert sich Jennifer Schmelzer. Sie und ihre Helferinnen sind bemüht, taktvoll und „interreligiös sensibel“ zu agieren. Manchmal stelle sie geradezu eine regelrechte Scheu bei den Menschen fest, etwa bei einem schwulen Pärchen mit seinem Hund, das nicht wusste, ob es in der Kirche willkommen sei. „Doch, natürlich, Jesus liebt auch dich“, lautet die Botschaft der Gemeindereferentin an alle, die den Wunsch haben, mit Gott in Kontakt zu treten, sich aber nicht trauen.

Freude bereite ihr die Aktion auch deshalb, verrät Jennifer Schmelzer, weil man mit wenig Aufwand in kurzer Zeit (nach drei Stunden ist alles vorbei) viele Menschen erreiche. Das sei toll. Denn so finde ihr Auftrag, wie sie es nennt, den Menschen Gutes zu tun, viele Adressaten. Beispielweise die Ärztin mit dem Team eines Rettungshubschraubers nach einem Einsatz, die dem Himmel nun auf ganz andere Weise nah sein wollen.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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