Autobahnlärm rund um die Uhr

Wilnsdorfer leiden unter A45 /57000 Fahrzeuge pro Tag/Lkw-Anteil hat sich verdoppelt

dima Wilnsdorf. Ein spontaner Sonntagsausflug in den Kölner Zoo? Kein Problem, 45 Minuten später steht man im Elefantenhaus. Das Championsleague-Spiel »auf Schalke« live erleben. Nichts leichter als das. Dank A 45 und eigener Anschlussstelle sind motorisierte Wilnsdorfer schnell am Ausflugsziel ihrer Wünsche. Aber auch von der Lärmbelästigung, die von einer stark frequentierten Autobahn ausgeht, können die Bewohner der Wielandgemeinde ein Lied singen, nur dass es keiner hören würde, denn rund um die Uhr dröhnt der nicht versiegende Verkehr in Richtung Ortschaft. Rinsdorf ist ebenso betroffen, und sogar in Wilgersdorf kommt der Lärm an. Durchschnittlich 57000 Fahrzeuge pro Tag – sowohl Lkw als auch Pkw – nutzen den Autobahnabschnitt im Bereich der Anschlussstelle Wilnsdorf. Das ergab eine Verkehrszählung, die der Landesbetrieb Straßen NRW, Niederlassung Hamm, im vergangenen Jahr vornahm.

Die Ergebnisse der Zählung liegen seit wenigen Tagen vor. Auf Nachfrage der SZ präsentierte der Landesbetrieb jetzt die frisch ausgewerteten Zahlen. Interessant für die Beurteilung der Lärmentwicklung: Der Lkw-Anteil an den 57000 Fahrzeugen beträgt tagsüber 16,6 Prozent, nachts dagegen sogar 46,6 Prozent. Und: 1985 zählte der Landesbetrieb durchschnittlich »nur« 37500 Fahrzeuge pro Tag. Nach Ansicht der Lärmexperten des Landesbetriebs dürften die gestiegen Verkehrszahlen jedoch keine Grund für mehr Lärm sein. Eine Verdopplung der Lärmquelle bedeute eine Lärmsteigerung von nur 3 dB(A), so Rainer Hüsken vom Landesbetrieb. Und dieser Wert stelle die »Hörbarkeitsschwelle« dar. Zur Erklärung: Ein Unterschied von 2 dB(A) sei mit dem menschlichen Ohr nicht wahrzunehmen. Der Grund für mehr Lärm – immer mehr Wilnsdorfer registrieren eine Erhöhung der Geräuschemissionen aus Richtung A 45 – könnte dagegen woanders liegen. So erklärte Theo Wihagen vom Landesbetrieb, dass sich der Anteil des Güterverkehrs auf dem Wilnsdorfer Abschnitt der A 45 seit 1985 fast verdoppelt habe. Ein entscheidender Faktor bei der Ausbreitung des Lärms sei das Geländerelief. So erkannte Rainer Hüsken nach einem Blick auf die Höhenkarte im Bereich der Unterführung der Mainzer Straße zwischen Wilnsdorf und Wilden einen Geländeeinschnitt, der für eine überproportionale Weiterleitung des Lärms in Richtung Ort verantwortlich sein könnte.

Seit Mittwoch errechnet man in Hamm mit langer Formel u.a. aus der Anzahl der Fahrzeuge und der Anteile von Lkw- und Pkw-Verkehr einen Wert, der schließlich ausschlaggebend dafür ist, ob die Bundesregierung eine »Lärmschutzsanierung« finanzieren muss. Berücksichtigt wird dabei auch das Geländerelief. So steht am Beginn der Rechnung eine Zeichnung des Geländeprofils nach exakter Auswertung der Höhenlinien. Nachdem die Gemeinde diesmal einen Antrag auf Prüfung des Messwertes gestellt habe, errechne man den Wert für Wilnsdorf zum ersten Mal, so Hüsken im Gespräch mit der SZ. Schon nach einem ersten Blick auf das Zahlenwerk kann der Verkehrsexperte allerdings keine Hoffnung auf eine »gesponserte« Lärmsanierung machen. Die Grenzwerte – für angrenzende Wohngebiete liegt die Grenze bei 70 dB(A) am Tag und 60 dB(A) bei Nacht – würden in Wilnsdorf wahrscheinlich nicht erreicht. Bundesmittel würden erst ab diesem Grenzwert fließen. Entscheidend für einen Anspruch auf Lärmsanierung sei das Baujahr der Autobahn – Verkehrfreigabe auf dem Wilnsdorfer Abschnitt im Jahr 1967 – und des Termins, an dem das Baurecht für die betroffenen Wohnbereiche amtlich geworden sei. Ein Bauherr, der sein Grundstück bei bereits bestehender Autobahn ausgesucht habe, habe kein Anrecht auf eine Lärmschutzwand. Es sei denn, eine neue Fahrspur komme hinzu.

Nachdem die Motorengeräusche zum Zeitpunkt der Verkehrsfreigabe im Jahr 1967 und in den 70er Jahren nur als schwaches Säuseln in Wilnsdorf zu hören waren, hat man spätestens seit den 90er Jahren, je nach Wetterlage und Windrichtung, oft das Gefühl direkt auf dem Mittelstreifen zu stehen. Im Abstand von fünf Jahren zählt der Landesbetrieb Straßen NRW, Niederlassung Hamm, regelmäßig das Verkehrsaufkommen. Lärmmessungen werden dagegen nicht vorgenommen.

Keine Bedeutung bei Lärmschutzmaßnahmen haben Baumpflanzungen, so der Chef des Landesbetriebs, Michael Kaplan. Nur Masse könne den Schall ablenken. Eine effektive Lärmschutzmaßnahme, die vom Landesbetrieb häufig eingesetzt würde, sei der Bau von Erdwällen, erklärte Rainer Hüsken. Die seien im Regelfall sogar gratis. Hüsken berichtete von Fällen, in denen Tiefbauunternehmer Geld gezahlt hätten, um Erdmassen loszuwerden. In diesen Fällen hätten die Kommunen mit ihrer Lärmschutzmaßnahme sogar Geld verdient. Zahlreiche Kommunen entlang der A 45 hätten so in eigener Regie Erdwälle gebaut. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die notwendigen Flächen zur Verfügung stehen würden.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen