Seltener Handwerksberuf
Die Kunst der Kürschner

Lidwina Pauly ist die einzige Kürschnerin im Kreis Siegen-Wittgenstein mit einem angemeldeten Gewerbe. Aber auch sie wird den Beruf nicht mehr lange ausüben.
  • Lidwina Pauly ist die einzige Kürschnerin im Kreis Siegen-Wittgenstein mit einem angemeldeten Gewerbe. Aber auch sie wird den Beruf nicht mehr lange ausüben.
  • Foto: sp
  • hochgeladen von Praktikant Online

sp Wilnsdorf. Lidwina Pauly aus Wilnsdorf ist Kürschnerin. Ein Beruf, der sich als einer mit langer Tradition bezeichnen lässt und als einer, der immer seltener geworden ist. Als junge Frau erlernte die heute 61-Jährige diesen Handwerksberuf, bei dem Tierfelle zu Pelzprodukten verarbeitet werden. Laut Handwerkskammer Südwestfalen war sie 2020 die einzige Kürschnerin im Kreis Siegen-Wittgenstein mit einem angemeldeten Betrieb.

Vor fast 30 Jahren meldete Sie Gewerbe an

Lidwina Pauly legte erst die Gesellen- später die Meisterprüfung ab. „Das war zu einer Zeit, in der es den Beruf und das Pelzgeschäft noch gab“, erklärt sie. Paulys Mann, ebenfalls gelernter Kürschner, hatte frühzeitig einen anderen Berufsweg eingeschlagen. Die Wilnsdorferin gab ihren erlernten Beruf jedoch nicht vollständig auf und meldete, als sie vor fast 30 Jahren ins Siegerland kam, ein Gewerbe an. Seitdem macht sie „ein paar Kleinigkeiten“. „Der große Renner war das hier nicht“, sagt sie über das Interesse an Pelzprodukten in der Region.

Im Keller ihres Hauses hat sie eine kleine Werkstatt. Pelzmäntel hängen auf einer Kleiderstange, auf einem Arbeitstisch liegen Garn, Maßbänder, Scheren und andere Werkzeuge, die Pauly für ihr Handwerk benötigt. An den Wänden sind Schnittmuster verteilt, dünne Fellstreifen warten darauf, eingesetzt zu werden.

Die Felle müssen sorgfältig vernäht werden

Die Felle können nicht wie reines Leder in Form gebracht werden, sie müssen sorgfältig aneinander genäht werden, ohne dass es außen, also auf der Seite des Pelzes, zu erkennen ist. „Das ist die Kunst der Kürschner, die Felle so zusammenzusetzen, dass sie wie eines aussehen.“ Viele verschiedene Felle, darunter von Lämmern, Nerzen, Mardern und Füchsen, sind durch die Hände der Kürschnerin gegangen. Es entstanden Jacken, Mäntel, Taschen, Schals, Muffs, Mützen oder Stolen.

Vereinzelt kommen Kunden zu ihr, die einen alten Mantel repariert haben wollen, manchmal handelt es sich um ein Erbstück, bei dem das Leder (die Innenseite des Pelzes) nach mehreren Jahrzehnten zerfällt. Oder es kommen Jäger, die das Fell eines geschossenen Fuchses verarbeitet haben wollen. Warum sie die Einzige in der Region ist, die diesen Beruf noch ausführt? „Ende der 80er-Jahre ist die Branche zusammengebrochen“, weiß Pauly. Angefangen habe alles mit dem Model Brigitte Bardot, „die die kleinen Robbenbabys so süß fand“. Die Gesellschaft und die Lebensverhältnisse hätten sich verändert, vor allem der Tierschutz habe immer mehr eine Rolle gespielt.

Die letzte Kürschnerin in Siegen-Wittgenstein

Die Kürschnerin betont: „Ich bin nicht für Tierquälerei, das muss nicht sein und auch Massentierhaltung muss nicht sein.“ Es sei Teil der Ausbildung gewesen, sich damit zu beschäftigen, wo die Felle eigentlich herkommen. Pauly sagt ganz klar: „Ich bin für Naturpelz.“ Ein echter Fellmantel regele die Temperatur viel besser und sei langlebiger, „das ist nachhaltiger“. Bei künstlichem Pelz sei die Entsorgung beispielsweise schwieriger, „der verrottet ja nicht“.

Lange wird die Wilnsdorferin den Beruf der Kürschnerin nicht mehr ausüben. Es sei eine körperlich anspruchsvolle Arbeit, die sie unter anderem aus Altersgründen nicht mehr ausführen will, Aber auch die Aufträge sind immer weniger geworden. Meldet sie ihr Gewerbe ab, gibt es keine Kürschnerin und keinen Kürschner mehr im Kreis Siegen-Wittgenstein.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

7 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen